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Elefantenkalb Asiatischer Elefant

Elefanten spielen, freuen sich dabei, spielen deshalb möglichst oft und lernen auf
diese Weise umso mehr. - Foto: WILLIAM WEST/AFP/Getty Images

Doku-Drama

Im TV: "Alfred Brehm - Die Gefühle der Tiere"

Im Doku-Drama "Alfred Brehm – Die Gefühle der Tiere" konfrontiert der Filmautor Kai Christiansen renommierte Tierforscher mit der Frage: "Haben Tiere Individualität, empfinden sie ähnlich wie Menschen?"

Es scheint, als würde der kleine Elefant lachen, während er mit seinem Spielgefährten am Wasserloch umhertollt. Man hat wirklich den Eindruck, die zwei albern einfach so herum – aus Spaß an der Freude und aus Lust am Leben. Aber es sind ja nur Elefanten, und die können sich nicht freuen. Oder doch?


TV-Tipp

Samstag, 7.06.: "Alfred Brehm - Die Gefühle der Tiere" - Doku mit Spielszenen. Erzähler: Roger Willemsen, 11:30 bis 13:00 Uhr, NDR, (s. auch TV-Tipps rechts),


Hundehalter, die bekanntlich gern solche Geschichten erzählen wie die von ihrem Mops, der immer wahnsinnig eifersüchtig sei, wenn Herrchen mal einen anderen Hund streichelt, hören regelmäßig den belehrenden Vorwurf: "Du vermenschlichst dein Tier bloß." Tiere vermenschlichen – ein Frevel? Mitnichten: Selbst Wissenschaftler sprechen von tierischen Gefühlen – und das schon seit Jahren.

Tiere empfinden Emotionen

Einer der ersten Biologen, die Tieren Emotionen zuerkannten, war Alfred Brehm. Er schrieb in den Tagebüchern seiner Afrikareise zwischen 1847 und 1852 von leidenschaftlichen Geiern, gutmütigen Giraffen und sanften Geparden. Brehm wurde dafür seinerzeit meist müde belächelt.

Heute sieht das anders aus. Dank neuerer Ergebnisse aus der Hirnforschung können Biologen die Frage, ob Tiere ebenso tiefe Emotionen empfinden wie Menschen, mit großer Sicherheit bejahen. Zugegeben: Manchen Experten geht es gelegentlich leider immer noch wie Alfred Brehm. "Ich kenne das Problem, nicht ernst genommen zu werden", erzählt Dr. Anja Günther von der Universität Bielefeld. Die Verhaltensforscherin hat ihre Doktorarbeit über die Persönlichkeitsentwicklung bei Meerschweinchen geschrieben. "Unter Forschern ist es verpönt, Tiere zu vermenschlichen", sagt sie. "Viele behelfen sich daher mit ausweichenden Formulierungen wie: 'Die Cortisolwerte im Blut des Meerschweinchens waren erhöht', anstatt zu sagen: 'Das Meerschweinchen war gestresst.'"

Wer aber Tieren Gefühle einräumt, vermenschlicht sie damit keineswegs. Wenn zwei Elefanten miteinander spielen, haben sie tatsächlich Spaß und empfinden Freude. Aus evolutionsbiologischer Sicht hat das sogar einen Sinn: Im Spiel erwerben die jungen Elefanten wichtige Fähigkeiten. Sie lernen, ihren Rüssel geschickt zu benutzen, bekommen ein Gespür für den eigenen Körper und knüpfen Beziehungen zu anderen Mitgliedern ihrer Herde. Weil Freude ein angenehmes Gefühl ist, sind die Elefanten motiviert zu spielen. Denn, so sagt etwa der Emotionsforscher Dr. Paul Ekman: "Das Streben nach Vergnügen stellt eine Primäremotion in unserem Leben dar." Heißt: Die Elefanten spielen, freuen sich dabei, spielen deshalb möglichst oft und lernen auf diese Weise umso mehr.

Tierische Emotionen sind nicht immer sinnvoll

Aber tierische Emotionen sind nicht immer nur sinnvoll. Der amerikanische Verhaltensforscher Prof. Marc Bekoff schildert in seinem Buch "Das Gefühlsleben der Tiere" einen Fall, den er in Nordkenia beobachtet hat: Die Elefantendame Babyl ist verkrüppelt und kann nicht richtig laufen. Sie bringt ihrer Herde keinerlei Nutzen. Trotzdem lassen die anderen Tiere sie nicht zurück. Schon seit Jahren passen sie das Tempo auf ihren Wanderungen der behinderten Babyl an, warten auf sie und füttern sie sogar. Dafür gibt es zwar keine Erklärung, aber ein Wort: Freundschaft.

"Die meisten höheren Säugetiere empfinden Empathie", bestätigt Anja Günther. Sie glaubt, dass Tiere wie Menschen dank ihrer Gefühle einen individuellen Charakter entwickeln. "Der Charakter beruht weitgehend auf Erfahrung", sagt die Biologin. "Und Erfahrungen, die wir mit Gefühlen verknüpfen, bleiben in Erinnerung und beeinflussen unser Verhalten." Sie hat nämlich beobachtet, dass Mäuse, die tendenziell aggressiv sind, weil sie sich etwa gegen viele Geschwister behaupten mussten, sogar gegen die eigenen Kinder aggressiv sind. Das ist generell kein sinnvolles Verhalten für die Nager, entspricht aber speziell dem Charakter ebendieser Tiere. "Aggressive Mäuse können sich zwar gut gegen Rivalen durchsetzen, sind aber schlechte Eltern", sagt Günther. Gefühle können eben manchmal auch wehtun – wie bei uns Menschen.

Autor: Susanne Schumann