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Im Kino: Im Reich der Raubkatzen. - Foto 2
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Im Reich der Raubkatzen: Die jungen Löwen müssen bald lernen, selbständig zu werden. - Fotos © Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

HÖRZU bei den Dreharbeiten

Im Kino: Im Reich der Raubkatzen

Dunkelheit hat sich über die Savanne gelegt, der Sternenhimmel funkelt wie der Schmuck einer Königin. Die Nacht ist unruhig. Grillen zirpen, Büsche rascheln, es schnaubt und schnauft. In der Ferne ist Gebrüll zu hören, so laut, dass der Boden zu vibrieren scheint. Ein Löwe? Filmemacher Keith Scholey nickt, grinst und nippt an seinem Gin Tonic. Das gefällt ihm – er braucht die Tiere.


Filmausschnitt aus ''Im Reich der Raubkatzen'':


Im Kino: ''Im Reich der Raubkatzen''

Eine wahre Geschichte über Löwen und Geparden in Afrikas Masai Mara. Kinostart: 19.April

Das Naturschutzgebiet Masai Mara liegt im Süden Kenias und ist Teil der Serengeti. Es ist 1510 Quadratkilometer groß und liegt etwa 1600 Meter hoch. In dieser Wildnis leben die sogenannten Big Five: Löwe, Leopard, Elefant, Büffel und Nashorn – außerdem u. a. Geparden, Schakale, Giraffen.


Wir sind in einem Zeltcamp mitten in der Masai Mara in Kenia, einem Teil der Serengeti. Diese aufregendste Wildnis Afrikas ist Schauplatz von Keith Scholeys spektakulärem Film "Im Reich der Raubkatzen", den er mit Co-Regisseur Alastair Fothergill für Disneynature produziert und der am 19. April in die Kinos kommt. Ein Naturmärchen, aber mit echten Tieren: Es ist die wahre Geschichte zweier Raubkatzenfamilien.

In der Masai Mara leben mehr Tiere in freier Wildbahn als irgendwo sonst auf unserem Planeten. Alles hier wirkt so unberührt wie am Anfang der Schöpfung. Morgens um 5.30 Uhr setzen sich zwei schwere Jeeps vor dem Camp in Bewegung, rumpeln über ausgedörrtes Gras. Kameramann Owen Newman steuert den ersten Wagen, seine Kollegin Sophie Darlington den dahinter. Zwei Jahre ihrer Lebenszeit haben die beiden den Raubkatzen geschenkt: Darlington hat sich auf Geparden konzentriert, Newman auf Löwen. "Die größte Herausforderung ist es, unsere Protagonisten jeden Tag wiederzufinden. Löwen können in einer Nacht viele Kilometer laufen", sagt Scholey. Über Wochen vermisste das Filmteam eine junge Löwin, die im Film Mara genannt wird, und suchte mit Ferngläsern vergeblich jeden Hang ab – bis Mara plötzlich wieder auftauchte. "Wir haben alle aufgeatmet, es war unser großes Glück", sagt Regisseur Keith Scholey.

Im Reich der Raubkatzen: paradiesische Natur

Vor dem Start der Dreharbeiten war Scholey drei Monate in dem Naturschutzgebiet unterwegs, um seine "Stars" zu finden: Im Zentrum stehen Junglöwin Mara, die ihrer tapferen Mutter Layla nacheifert, sowie der Löwe Fang, der sich als Chef eines Rudels gegen den Rivalen Kali behaupten muss. Dann gibt es noch Gepardin Sita, die mit ihren Jungen auf sich allein gestellt ist. Die Natur bestimmt den Verlauf der Geschichte, und die lässt sich nicht steuern – genauso wenig wie Löwen.

Die mächtigen Kolosse wiegen etwa 200 Kilo und können 20 Kilo Fleisch auf einmal fressen. Sie sind bis zu 80 Stundenkilometer schnell und springen mit einem Satz etwa elf Meter weit. Mit drei bis vier Männchen und bis zu 30 Weibchen leben sie in einem Rudel und gelten als unbesiegbar stark. "Viele Menschen denken, es sei einfach, ein Löwe zu sein, aber so ist es nicht", sagt Scholey und hält sich an einem Griff an der Decke des schaukelnden Jeeps fest, als Newman langsam über Granitfelsen durch ein ausgetrocknetes Flussbett fährt. "In dieser Welt herrschen zwar die Raubkatzen, sie verteidigen die Familie mit Zähnen und Klauen", sagt er. "Aber hier Kinder großzuziehen, wo ständig Feinde lauern, ist eine harte Aufgabe."

Als Newman den Jeep im Schatten eines Baumes stoppt, stolziert eine Löwin im honiggelben Licht durch das kniehohe Gras. Sie duckt sich und pirscht sich an unseren Wagen heran. Uns stockt der Atem, Keith Scholey bleibt cool. Er scheint die Szene sogar zu genießen. "Das Tier sieht nur die Umrisse des Jeeps und realisiert nicht, dass hier Menschen sitzen", flüstert er. "Die wichtigste Regel ist: Niemals aus dem Auto steigen!" Dieser Anweisung zu folgen fällt niemandem schwer, vor allem beim Anblick eines Hyänenschädels, der neben einem Baumstumpf ganz in der Nähe liegt.

Manchmal sind die Kameraleute bei ihrer Arbeit nur 20 Meter von den Tieren entfernt. Aus dieser Nähe entstehen spektakuläre Bilder, wie etwa das Duell zwischen Löwe und Krokodil. Doch wie schwer ist es, solche Szenen einzufangen? "Die Dreharbeiten dauern zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit gibt es etwa 20 Tage, an denen etwas Außergewöhnliches passiert", sagt Scholey. Als Tierfilmer müsse man auf seinen Instinkt vertrauen. Kamerafrau Sophie Darlington scheint sich auf ihren verlassen zu können – sie ahnt in vielen Fällen vorher, was passieren wird. Das ist enorm wichtig, denn wenn ein Tier auf Jagd geht, muss die Kamera exakt richtig stehen, damit kein Busch im Weg ist.

Über Monate hat Darlington Gepardin Sita beobachtet. "Die Stärke der Geparden ist Schnelligkeit, nicht Kraft", sagt Darlington. "Sie sind die Verletzlichsten und Schwächsten unter den Wildkatzen." Ihre Jungen haben viele Feinde: Löwen, Hyänen, Adler. Aber Sita ist stark. "Sie ist meine Heldin. Sie hat Löwen angegriffen, um ihre Jungen zu schützen."

Kamerafrau Sophie Darlington gelangen kostbare Aufnahmen

Wer Darlington zum ersten Mal begegnet, fragt sich: War sie schon immer so – oder hat sie sich einige Eigenschaften bei ihrer Heldin abgeschaut? Sie wirkt so stark und mutig, wenn sie im Jeep sitzt und nach Raubkatzen Ausschau hält. Tag für Tag ist sie allein in der Savanne unterwegs. Auf der Rückbank liegt neben der technischen Ausrüstung ein Schlafsack, auf dem Beifahrersitz Kekse und eine Flasche Wasser. Wenn es Geduld in Tüten gäbe, hätte sie sicher auch die an Bord. "Man muss durchhalten. Ich weiß, wie sehr sich das lohnt", sagt sie.

Wenige Tage zuvor hat sie eine spektakuläre Jagdszene gedreht: "Es ist unfassbar schwer, mit der Kamera an einem rennenden Geparden dranzubleiben." Die schnellsten Landtiere der Welt erreichen in drei bis fünf Sätzen bis zu 110 Stundenkilometer. Allerdings können sie diese Geschwindigkeit nur maximal 400 Meter halten. Ihre Beine sind extrem lang und dünn, die Anatomie ist komplett auf Tempo ausgelegt: Lunge und Bronchien sind proportional sehr groß, ebenso die Nasenöffnung für die Sauerstoffzufuhr.

Sophie Darlington ist mit ihrer Kamera so nah an den Tieren dran, dass man in einer Szene erkennen kann, wie die Gepardin bei der Jagd auf eine Gazelle die Augen zusammenkneift, damit kein Staub hineinfliegt – und trotzdem gelingt es ihr, die Beute weiter zu fixieren. "Die neue Technik macht es möglich, dass man jedes Haar erkennt, jeden Muskel, der sich anspannt", erklärt Fothergill, der bereits bei der erfolgreichen Dokumentation "Unsere Erde" (2007) Regie geführt hat. Jedes Werk für sich ist wie ein Tagebuch unseres Planeten.

Es sind Momentaufnahmen einer Natur, die so schon in wenigen Jahrzehnten nicht mehr existieren könnte. Wissenschaftler sind besorgt: Der Tierbestand in der Masai Mara ist stark zurückgegangen, bei manchen Arten um mehr als 70 Prozent. Dürreperioden zwangen die Masai, ihre Herden in das Naturreservat zu treiben. Weil dort Löwen ihr Vieh angreifen und töten, töten sie die Jäger. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. Der Film "Im Reich der Raubkatzen" zeigt Szenen, wie sie sich jetzt noch jeden Tag unter dem Himmel Afrikas zutragen. "Ich bin Naturfilmer – und das Letzte, was ich will, ist, Tiere zu vermenschlichen", sagt Scholey. "Und trotzdem ist unser Film ein Drama voller Gefühle: Wenn es den Zuschauern so geht wie mir, dann sehen sie am Ende keine Wildkatzen auf der Leinwand, sondern Mütter, Töchter und Söhne."

Autor: Mirja Halbig