HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Platzhirsch mit Kühen: Nur Bullen tragen Geweih.

Platzhirsch mit Kühen: Nur Bullen tragen Geweih. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Alles über die Brunft

Hirsche im Hormonrausch

Brunft der Rothirsche

Mit dem Herbst beginnt sie wieder, die Brunft der Rothirsche – ein spektakuläres Naturschauspiel. Während dieser Ausnahmezeit kommen die ruhigen Wiederkäuer hormonell so in Wallung, dass sie sich in kraftstrotzende Machos verwandeln. Schon morgens, wenn der Frühnebel den Boden verhüllt, zieht es sie zum Brunftplatz ihres Gebietes, wo die Hochzeit der Hirsche stattfindet. Der stärkste Bulle, der Platzhirsch, presst stoßweise die ersten Schreie heraus, schüchtert so seine Rivalen ein. Seine Botschaft: "Ich bin der Beste hier!"

Die Kampfansage schreckt jüngere Artgenossen ab, erst mit etwa sechs Jahren greifen sie ins Geschehen ein. Die Stimme ist zugleich eine Visitenkarte: Je nach Tonlage und Färbung lassen sich einzelne Hirsche unterscheiden. Zudem verrät sie das Alter: Halbstarke röhren im Tenor, gestandene Kerle donnern im Bass.

Brunft: protzen ist Programm

Wenn nach den ersten Rufen ein Rivale die Stimme erhebt, legt der Platzhirsch sein Geweih zurück und pariert den Herausforderer mit dem "Frage-Antwort-Ruf", einem gewaltigen, dunklen Röhren, für das ihm rund 200 Kilo Gewicht als Resonanzkörper dienen. "Das Röhren klingt wie ein lang gezogenes Rülpsen", sagt Rotwildexperte Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. "Wenn ein Hirsch röhrt, will er das letzte Wort haben."

Das akustische Kräftemessen kann sich mehr als eine Stunde hinziehen. Ist der Kontrahent immer noch nicht mundtot, kommt es zur nächsten Stufe des Wettbewerbs: dem Parallelgang. Dabei schreiten die Konkurrenten mit steifen Beinen nebeneinander her und demonstrieren so ihre Größe. Zum Imponiergehabe gehören auch Drohgebärden: Die Hirsche wühlen mit dem Geweih den Boden auf, schlagen ihre Stirnwaffen gegen Bäume. Bleibt der Rivale standhaft, folgt das Kopf-an-Kopf-Duell. Dabei lassen die Rothirsche ihre bis zu 15 Kilo schweren Geweihe aufeinanderkrachen und schieben sich mit verhaktem Kopfschmuck über den Platz, bis sich einer zurückzieht. Verletzungen kommen vor, sind aber selten.

Am Ende paart sich der Siegreiche mit seinem "Harem" Hirschkühe. Schreien, Schaulaufen, Schieben – das sind die drei Stufen der Rotwildbrunft. Die ersten, vereinzelten Schreie sind übrigens schon im August zu hören. Zum Vorgeplänkel gehört auch das "Verfegen" des Geweihs an Ästen. Jedes Jahr wird es neu gebildet, während der Wachstumsphase ist es von einer Basthaut überzogen, die die Hirsche abstreifen. Je älter ein Tier, desto verzweigter und dicker sein Kopfschmuck. Nach den aufreibenden Kämpfen wandern die Bullen wieder friedlich mit ihren Geschlechtsgenossen umher, äsen Knospen, Rinde, Eicheln und andere pflanzliche Nahrung.

Naturerlebnisprojekt Gut Klepelshagen

Bereits in den Rudeln gilt eine Rangordnung: Nur die ranghöchsten Tiere stellen sich dem Brunftkampf. Der deutsche Rotwildbestand gilt mit etwa 180.000 Tieren zwar als nicht gefährdet, doch das Geweih ist noch immer eine begehrte Jagdtrophäe. Naturschützer fordern deshalb mehr ausgedehnte, jagdfreie Schutzzonen, die dem Wandertrieb der Hirsche entsprechen. Nordöstlich von Berlin betreibt die Deutsche Wildtier Stiftung ein solches Refugium: Das Naturerlebnisprojekt Gut Klepelshagen bietet etwa 60 Hirschen eine 2000 Hektar große jagdfreie Region mit viel Wald, Feldern und zwei Brunftplätzen.

Wer das Schauspiel einmal selbst beobachten möchte, sollte sich im Internet auf einer interaktiven Karte den nächsten Brunftplatz suchen (www.rothirsch.org). Dann kann er das größte heimische Wildtier live erleben – bei einem der eindrucksvollsten Naturschauspiele, die unsere Wälder zu bieten haben.

Autor: Dagmar Weychardt