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Kämpfe zwischen Giraffenbullen sind eher Ritual als tödliches Duell.
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Der Giraffenhals ist lange nicht so biegsam, wie man glaubt. Dafür eignet er sich als Waffe. Vor allem Bullen, die meist als Einzelgänger über die Savanne ziehen, kämpfen so um die Vorherrschaft im Revier und die Weibchen. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Im TV: Leopard, Seebär & Co.

Giraffen - perfekt angepasst

Die Abendsonne färbt das Wasser rot. Ruhig stakst die Giraffe näher, wie in Zeitlupe, hoch erhobenen Hauptes. Man sieht ihr nicht an, dass jetzt einer der wenigen waghalsigen Momente ihres Lebens folgt: Sie will trinken. Mit kurioser Akrobatik spreizt sie die Beine, senkt den Kopf fünf Meter tief zum Wasserloch, schlürft das begehrte Nass. Ein Knacken im Busch lässt sie zusammenzucken. Gefahr? Wenn jetzt Löwen oder Leoparden auftauchen, ist die Giraffe wehrlos! Zu lange dauert es, bis sie aus dem Spagat heraus flüchten kann. Hat die Natur da etwa geschlampt? Von wegen! Giraffen kommen wochenlang ohne Wasser aus. Flüssigkeit ziehen sie aus Blättern und dem Nebel, der sich nachts auf die sonst trockene Landschaft legt. Die lebensgefährliche Gymnastik am Wasserloch müssen sie also nur selten wagen.

Giraffen: perfekt an ihre Heimat angepasst

Kein Zweifel: Die Vorteile des genialen Giraffenbauplans überwiegen. Denn in den Savannen Afrikas haben sich die bis zu 1900 Kilo schweren Langhälse auf Futter spezialisiert, das für andere unerreichbar scheint. Während Antilopen oder Gnus um trockene Grasbüschel konkurrieren, hängt der Himmel für Giraffen voller Leckereien. In über fünf Meter Höhe rupfen sie Blätter aus den Baumkronen, mit Vorliebe aus Akazien. Die Evolution hat nicht nur für einen speziellen Hals gesorgt, auch der Rest des Körpers ist dieser Lebensweise angepasst.

Mit der 45 Zentimeter langen Zunge umschlingt die Giraffe zarte Knospen, Blätter, Früchte, Triebe – ein ideales Greiforgan. Nicht mal die dornigsten Akazien können der geschickten und dickhäutigen Zunge etwas anhaben.Ihre blauschwarze Farbe schützt vermutlich vor Sonnenbrand. Das muss auch sein: Die Riesen fressen manchmal 20 Stunden lang, um satt zu werden. 60 Kilo pro Tag, abgerupft und erst mal ohne Kauen geschluckt. Giraffen sind Wiederkäuer wie unsere heimischen Kühe – und genauso gemütlich. Und noch etwas haben sie mit Kühen und anderen Säugetieren gemeinsam: Der Hals besteht nur aus sieben Wirbeln. Die sind allerdings gut 40 Zentimeter lang und von starken Muskeln geschützt.

Ein Giraffenhals ist also lange nicht so biegsam, wie man glaubt. Dafür eignet er sich als Waffe. Vor allem Bullen, die meist als Einzelgänger über die Savanne ziehen, kämpfen so um die Vorherrschaft im Revier und die Weibchen. Duelle auf Leben und Tod? Nie. Eine Giraffe schwingt lieber den Kopf und schlägt ihn gegen den Hals des Rivalen. Manchmal so wuchtig, dass der Aufprall die Blutzufuhr unterbricht und das Opfer bewusstlos zu Boden sinkt. Schwerarbeit leistet dabei auch das Herz. Das Blut muss schließlich in luftige Höhen gepumpt werden. Bis zu 170-mal pro Minute schlägt das zehn Kilogramm schwere Superorgan. Der Blutdruck liegt mit 280/180 mehr als doppelt so hoch wie beim Menschen.

Es bleibt eine Frage: Warum schießt ihnen das Blut beim Trinken am Wasserloch nicht sofort in den Kopf? Warum strömt es beim Aufrichten nicht mit aller Macht ins Herz zurück? Biologen entdeckten ein raffiniertes Regulationssystem, bei dem Verschlussklappen den Blutfluss in den Venen ausgleichen In den Beinen schützen verstärkte Gefäßwände vor zu hohem Druck – eingebaute Kompressionsstrümpfe!

Giraffen ruhen im Stehen

Wer auf Safari durch Afrika reist, wird wohl kaum eine schlafende Giraffe erblicken. Sooft Touristen auch in Jeeps über staubige Pisten holpern, meist bietet sich das gleiche Bild: Giraffen, hoch wie zweistöckige Häuser, mit den Köpfen in Akazienkronen. Geruht wird im Stehen, geschlafen meist nur kurz und häppchenweise. Wie am Wasserloch sind dazu abenteuerliche Verrenkungen nötig: Langsam lässt sich die Giraffe auf den Boden nieder, streckt dann ein Hinterbein zur Seite und biegt den Hals nach hinten. Das Kinn liegt auf der Flanke wie auf einem sanften Ruhekissen. An leichten Zuckungen erkennen Biologen, dass der Riese tatsächlich für wenige Minuten eingenickt ist. Länger wäre riskant – im Liegen sind Giraffen Raubtieren hilflos ausgeliefert.

Und noch ein Moment im Leben der Langhälse birgt Gefahr: die Zeit kurz nach der Geburt. Geburt? Eher schon ein freier Fall aus großer Höhe! Weil die Mutter dabei aufrecht steht, plumpst das Baby rund zwei Meter tief ins Gras – mit dem Kopf voran. Der unsanfte Start macht dem Kleinen nichts aus, doch es braucht dann eine Stunde, um auf die Beine zu kommen. Noch etwas wackelig und gerade groß genug, um an die Zitzen der Mutter zu kommen. Löwinnen lauern schon auf diese Chance. Zum Glück verteidigen Giraffen ihren Nachwuchs heldenhaft. Die harten Hufe dienen dabei als wirksame Waffe. Ein Schlag mit dem Vorderlauf, ein Tritt mit den Hinterbeinen – und der gefräßige Räuber bleibt mit zertrümmertem Schädel zurück.

Giraffen brauchen mehr Schutz

Mit einem so genialen Bauplan müsste die Giraffe eigentlich den meisten Feinden trotzen. Tut sie auch. Wenn nur der Mensch nicht wäre. Aus weiten Teilen Afrikas ist sie schon lange verschwunden. Der Westen, der Norden – weiße Flecke auf der Giraffenlandkarte. Nur in Ländern jenseits der Sahara wie Kenia, Tansania oder Südafrika sind die Langhälse anzutreffen. Die Giraffe Conservation Foundation schätzt den Gesamtbestand auf etwa 80.000 Tiere. "Laut aktueller Roter Liste der Weltnaturschutzunion gilt die Giraffe als 'nicht gefährdet'", sagt WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. "Der Trend zeigt aber nach unten. Außerdem gibt es verschiedene Unterarten, von denen mehrere stark bedroht sind."

Nach neuen genetischen Analysen gehen Biologen von neun Unterarten aus, die sich am typischen Fleckenmuster erkennen lassen. Vor allem Rothschildgiraffe und Westafrikanische Giraffe machen den Tierschützern Sorgen. Volker Homes: "Immer mehr Lebensraum geht verloren, wird von Menschen zerstört oder zerrissen. Dazu kommen Kriege und Wilderei. Das ist ein regionales Problem, weil in einigen Gegenden teils jahrzehntelang die Waffen sprechen.“ Die Riesen, so perfekt fürs Überleben ausgestattet, brauchen mehr Schutz. Damit auch in Zukunft noch Hochbetrieb in der Savanne herrscht.


Verwandte der Giraffe aus dem Wald

Familienähnlichkeit? Gering. Und doch sind Okapis die engsten Verwandten der Giraffe. Beide gehören zur einst sehr verzweigten Familie der Giraffidae und gelten als deren letzte Überlebende. Ihre Heimat liegt im Regenwald der Demokratischen Republik Kongo. Deshalb werden Okapis oft auch Waldgiraffen genannt. Viel wissen Forscher noch nicht über das scheue Tier, das sich im dichten Unterholz an Bächen und Flüssen wohlfühlt. Erst im Jahr 1901 wurde es entdeckt und beschrieben. Wegen der typischen Streifen an den Hinterläufen hielt man das Okapi zunächst für eine neue Zebraart. Seine Zunge ist jedoch so bläulich wie bei der Giraffe – und mit 35 Zentimetern fast genauso lang. Noch mehr Gemeinsamkeiten gefällig? Okapis ernähren sich als Wiederkäuer von Blättern, Knospen und jungen Trieben. Und rivalisierende Männchen schwingen die Hälse gegeneinander. Nicht so spektakulär wie die großen Brüder – aber sehr wirkungsvoll.

Autor: Kai Riedemann