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Samen, Knospen und Triebe stehen auf dem Speiseplan des Gleithörnchens.

Samen, Knospen und Triebe stehen auf dem Speiseplan des Gleithörnchens. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Im TV: ''Erlebnis Erde'', 18.03., 20:15 Uhr, Das Erste

Flugkünstler Gleithörnchen

Nagetiere, die von Baum zu Baum fliegen? Ein erstaunlicher Trick macht es möglich: Gleithörnchen nutzen einfach ihr Fell als Fallschirm.

Klick, klick, klick machen die Kameras der estnischen Naturschützer, als sich ein Schatten von der schneebedeckten Birke löst. In der Abenddämmerung ist das Tier kaum zu erkennen, das da durch die Luft segelt. Eine Eule? Eine Fledermaus? Wie ein fliegender Teppich mit Kopf und Schwanz zeichnet sich das Geschöpf vor dem Himmel ab. Die Zoologen vom Estonian Fund for Nature wissen: Sie haben soeben ein Gleithörnchen entdeckt.

Der scheue Nager, ihr Wappentier, beherrscht einen Trick: Er kann ohne Flügel fliegen. Obwohl "fliegen" etwas hoch gegriffen ist. Die Hörnchen spreizen einfach ihre behaarten Gleithäute zwischen Vorder- und Hinterbeinen und segeln so von Baum zu Baum. 30 Meter schaffen viele locker, bei größeren Arten wurden schon Gleitstrecken von bis zu 400 Metern gemessen. Und weil es dabei stets etwas abwärts geht, klettern die Tiere nach der Landung flink wieder höher und starten zur nächsten Etappe.

Nur auf der nördlichen Erdhalbkugel sind die diversen Gleithörnchen zu Hause – von Finnland, Estland, Russland bis Ostasien, Japan und Nordamerika. Sie segeln durch die Himalajawälder Pakistans und an den Ufern des Mississippi (siehe TV-Tipp rechts). Die kleinsten Arten werden mausgroß, die Riesengleithörnchen des tropischen Asiens erreichen Katzenformat, wiegen bis zu 2,5 Kilo.

Leben in der Schwebe

Gemeinsam ist ihnen allen die Flugtechnik: Kraftvoll stoßen sich die nachtaktiven Tiere vom Baum ab, strecken dann alle viere von sich. Kurz vor der Landung machen sie einen Buckel, damit die Häute wie Bremsfallschirme wirken. Jetzt noch den Aufprall gekonnt abfedern und festkrallen. Fertig. So durchstreifen sie die Wälder, immer auf der Suche nach Futter. Sie lieben Samen, Früchte, zarte Triebe, Knospen und auch mal Insekten. Auf dem Boden fühlen sich Gleithörnchen nicht wohl. Erdgeschosswohnung? Kommt nicht infrage. Meist ziehen sie in verlassene Spechthöhlen, wo sie auch ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Nackt, blind und nur etwa fünf Gramm schwer sind die Winzlinge. Erst nach einem Monat öffnen sie die Augen.

Über das Privatleben rätseln die Forscher noch. Einige Arten kuscheln nur zur Paarungszeit in der Höhle, andere verbringen zu zweit den ganzen Winter. Wieder andere teilen sich einen Baum – in WGs, denen nur Männchen oder Weibchen angehören. Gegen hungrige Marder hilft eine Flucht durch die Luft. Der Bedrohung durch den Menschen aber können die Nager nicht entkommen.

Wälder werden gerodet, Lebensräume zerstört. In vielen Regionen wie Estland gilt der Flieger schon als bedroht. Dabei hat sich das Segeln als Überlebenstrick durchaus bewährt. Chinesische Forscher fanden Fossilien eines Tieres, das den Gleithörnchen verblüffend ähnelt. Es lebte bereits vor 125 Millionen Jahren!

Autor: Kai Riedemann