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Seekuh in Florida

Florida-Seekuh. Bild: © dpa - Report

Friedlichen Meeressäuger

Florida-Seekühe

Plötzlich prustet es vernehmlich. Direkt neben dem Boot tauchen zwei Nasenlöcher aus dem Wasser auf. Die Florida-Seekuh holt Luft, streckt anschließend dem Kameramann ihre graue, behaarte Schnauze entgegen und schnuppert neugierig. "Ich kann gut verstehen, weshalb Seeleute diese Tiere in ihren Erzählungen zu Meerjungfrauen machten", schwärmt der Unterwasserfilmer Thomas Behrend. "So viel Freundlichkeit tut richtig gut."

Friedlichen Meeressäuger

Meerjungfrau? Schönheit sieht anders aus: der Körper massig und voller Falten, die Nase platt gedrückt, als wäre sie gerade erst gegen ein Riff geprallt. Doch wer die friedlichen Meeressäuger einmal aus der Nähe erlebt hat, erliegt ihrem Charme. "Gentle Giants" nennt man sie im sonnenverwöhnten Florida – sanfte Riesen. Dort trifft man die auch als Manatis bekannten Tiere vor allem in den warmen Küstengewässern und Flüssen.

Anatomie der Florida-Seekühe

Schwerelos treiben die bis zu vier Meter langen Giganten im flachen Wasser und grasen wie Kühe auf der Weide. Als Pflanzenfresser lieben sie Seegras, Algen und Wasserhyazinthen – bis zu 40 Kilogramm pro Tag. Doch wie können sie so träge am Grund knabbern? Dafür sorgt der Körperbau: Schwere Rippenknochen verlagern den Schwerpunkt nach vorn und lassen das Tier abtauchen. Die Lunge erstreckt sich über fast die ganze Körperlänge und sorgt für eine stabile Lage. Ein Meisterwerk der Anpassung ans Wasser, auch wenn Seekühe genau wie Wale zum Atmen stets an die Oberfläche müssen.

Das Verhalten der Florida-Seekühe

Auf den ersten Blick sind Florida-Manatis eher langweilig. "Ihr Verhalten wirkt nicht unbedingt spektakulär“, sagt Sylvia Frey von OceanCare, einer Schweizer Organisation zum Schutz der Meeressäuger. "Das haben sie mit ihren nächsten Verwandten gemeinsam – den Elefanten." Die Urahnen konnten sich noch an Land bewegen, irgendwann im Lauf der Jahrmillionen bildeten sich die Beine der Manatis dann zu Flossen zurück.

Sylvia Frey: "Seekühe sind sehr sanft, ruhig und liebevoll. Das hängt auch mit ihrer Lebensweise zusammen." Ähnlich wie Elefanten kennen sie keine natürlichen Feinde. Allein schon die Größe macht sie als Beute für Haie uninteressant. Wer nur Gras frisst, und das oft acht Stunden am Tag, der muss auch nicht jagen. "Seekühe haben also überhaupt keinen Grund, hektisch zu sein", erklärt Meeressäuger-Expertin Frey.

Aus demselben Grund kennen die Giganten kein Misstrauen. Was sogar Unterwasserfilmer Behrend verblüffte: "Plötzlich löste sich aus dem Pulk der Tiere ein Baby, schwamm auf mich zu und stupste mir immer wieder auf die Brust. Es wollte offensichtlich mit mir in Kontakt treten."

Lebensraum der Seekühe

Doch auch Friedfertige sind nicht vor Gefahr gefeit. Seekühe haben trotz ihrer enormen Masse von rund 600 Kilogramm keine schützende Fettschicht. Kälte? Der sichere Tod! Alle anderen Manati-Arten leben deshalb in warmen Regionen wie Westafrika, im Golf von Mexiko oder im Amazonasgebiet. Wenn der eisige Winter kommt und selbst vor Floridas Küsten die Temperaturen sinken, wärmen sich die gemütlichen Kolosse im Kühlwasser der nahen Kraftwerke. Oder sie folgen den Flüssen zu warmen Quellen im Landesinneren.

Gefährdung des Bestands

Auf diesen scheinbar rettenden Wegen lauert oft der Tod. "Rund ein Drittel der Todesfälle bei den Florida-Manatis geht auf das Konto von Motorbooten", sagt OceanCare-Expertin Sylvia Frey. "Immer wieder geraten sie in Schiffsschrauben oder kollidieren mit den Booten." Da nutzt den Tieren auch ihr grandioses Gehör nichts. Auf dem ganzen Körper sprießen hochempfindliche Härchen, die sogar noch schwächste Schallwellen im Wasser orten. Die rasanten Boote sind trotzdem schneller.

Umso wichtiger für den Bestand wird jedes einzelne Neugeborene. Denn Seekühe bringen meist nur alle drei Jahre ein Kalb zur Welt, das sie bis zu achtzehn Monate säugen. Im seichten Wasser sieht man dann, wie sich das Kleine unter die Achselhöhle der Mutter drängt. Dort sitzen die Zitzen mit der Milch. Ein Bild der Hoffnung für die friedlichsten Riesen der Meere.

Autor: Kai Riedemann