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Felsenpinguin

Felsenpinguine wirken unbeholfen, können aber flink sein. - Foto: Dan Kitwood/Getty Images

Terra X

Felsenpinguine

Wild wuchern die gelben Federbüschel über den Augen, der Schopf ist verwuschelt, steht manchmal sogar streng nach oben – zum Piepen! Felsenpinguine zählen zwar zu den kleinsten Pinguinen, fallen allerdings mit ihrer verwegenen Frisur ganz besonders auf: Sie sind eben die Punks unter den Frackträgern.

Für eine dreiteilige "Terra X"-Reihe im ZDF (siehe TV-Tipp) besuchte Tierfilmer Andreas Kieling neben der vielfältigen Fauna der indischen Sumpfwälder und des äthiopischen Hochlands auch die lustigen Felsenpinguine auf den Falklandinseln. 200 karge Eilande vor der Ostküste Südamerikas, abgeschieden vom Rest der Welt und in britischem Besitz. "Die standen auf meiner Reisewunschliste schon immer ganz oben", schwärmt Kieling.

Rekordverdächtige Springer

Die sturmumtosten Inseln sind ein wahres Vogelparadies, "denn die großen Fischbestände bieten einen reich gedeckten Tisch", erklärt Kieling. Die Pinguine tummeln sich vor der Küste und fressen alles, was in ihren Schnabel passt. "Spezialisiert haben sie sich vor allem auf kleine Fische", sagt der Tierfilmer. Aber auch Krill, Krebstiere und Kalmare stehen auf ihrem Speiseplan. Dazu kommt, dass sich die steilen Inselfelsen als idealer Nistplatz eignen. Um sie zu erklimmen, haben die Vögel eine spezielle Taktik entwickelt: Sie hüpfen und krallen sich – Sprung für Sprung – im Gestein fest. 30 Zentimeter hoch können sie springen. "Das wäre so, als wenn wir vom Stand aus in den ersten Stock federn würden", sagt Kieling.
Kein Wunder, dass diese Pinguine auf Englisch "rockhopper" heißen,Felsenspringer.

Überhaupt wirken die nur 50 Zentimeter kleinen Vögel viel tapsiger, als sie wirklich sind. "Von allen Pinguinen haben sie den schrägsten Gang – ein wirklich komisches Watscheln", findet Kieling. Dabei können sie sich flink fortbewegen. "Die Tiere katapultieren sich wie eine Rakete aus dem Wasser, um an Land zu springen", weiß der Dokumentarfilmer. Auch er hat schon die ungeahnte Kraft der Vögel zu spüren bekommen, als er ein Messgerät am Gefieder eines Pinguins anbringen wollte. "Ich hatte noch nie ein Tier in der Hand, das sich so muskulös, hart und fest anfühlte", berichtet Kieling. "Ich bekam es kaum gebändigt."

Die Bestände gehen zürkck

Felsenpinguine sind hart im Nehmen – und trotzdem so gefährdet. Ihre Welt auf den Falklandinseln ist ein bedrohtes Idyll. Die Bestände gehen drastisch zurück: Lebten dort in den 30er-Jahren rund 1,5 Millionen Pärchen, sind es jetzt nur noch 300.000. Warum, ist unklar. "Überfischung, Klimaerwärmung und Ölverschmutzung können eine Rolle spielen", vermutet Kieling. Neu entdeckte Öl- und Gasvorkommen vor den Küsten gefährden die Population der Pinguine zusätzlich. Noch aber richten sie während der Brutsaison im Oktober ihre Kolonien auf den Falklandinseln ein. Dabei finden sie nicht nur immer dieselbe Insel wieder, sondern sogar "ihr" Nest, das von den männlichen Pinguinen kunstvoll aus Kieselsteinen und Holzstückchen erbaut wird. "So versuchen sie, eine Erhöhung herzustellen, damit das Ei trocken liegt", erklärt Kieling.

Nach der Paarung legt das Weibchen schließlich zwei Eier. Allerdings ziehen die Altvögel in der Regel nur das stärkere Junge auf – wenn es denn überhaupt schlüpft. Der Nachwuchs ist ständiger Gefahr ausgesetzt. Eierdiebe wie Raubmöwen und Geierfalken kreisen während der gesamten Brutzeit über der Kolonie, warten auf ihre Gelegenheit. Deshalb bewacht ein Pinguin stets akribisch das Nest, während der Partner auf die Jagd geht. Tausende Pinguine leben so dicht an dicht zusammen. Ein lautstarkes Tohuwabohu. Wie finden Eltern in dem Getümmel überhaupt ihren Nachwuchs wieder? "Jungvögel merken sich den Rufton der Eltern und umgekehrt", erklärt Kieling. Und herrscht Alarm, sind die schrägen Frackträger nicht zu unterschätzen.

Bissige Sympathieträger

Die kleinen Felsenpinguine sehen zwar harmlos aus, sind aber berüchtigt für ihre Aggressivität. Ob Artgenossen oder große Raubmöwen, sie greifen mit Flossen und Schnabel jedes Tier an, das ihrem Nest zu nahe kommt. Und sie haben Kraft! "Wer einmal von einem Pinguin gebissen wurde, der wird das sein Leben lang nicht vergessen", weiß auch Kieling. "Pinguine sind für uns Sympathieträger. Dass die auch richtig zuhacken können, traut man ihnen gar nicht zu." Echte Kämpfernaturen.

Autor: Manuel Opitz