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Schimpanse in der Doku Ueberleben

Bewährungsproben in der Tierwelt

"Erlebnis Erde - Überleben" im TV

In der Wildnis lernen Jungtiere schnell, worauf es ankommt: genug Futter, Schutz und den besten Partner zur Fortpflanzung. Die Doku "Überleben" zeigt ihre kleinen Tricks und klugen Taktiken.

Taxi, bitte! Zum nächsten Riff! Statt selbst zu schwimmen, lassen sich Schiffshalter-Fische gern von einem Walhai mitnehmen. Schon die Jüngsten der Tiere, die zu den Stachelmakrelenverwandten gehören, kennen diesen Trick: einfach am Wirt andocken. So können sie bequem lange Strecken zurücklegen und sich unbemerkt Fischschwärmen nähern, um diese aus der Deckung anzugreifen. An Nahrung mangelt es ihnen auf diese Weise nicht: Sie sind schließlich mit der größten bekannten Fischart unterwegs.

Anschnallen? Nicht nötig. Schiffshalter haben vor der Rückenflosse eine gefurchte Saugplatte, mit der sie sich an große Meerestiere wie Delfine, Mantas oder Walhaie heften. Manchmal saugen sie sich auch an Schiffsrümpfen fest. Daher der Name.

BBC-Doku "Überleben" im TV

Für die Doku "Überleben" spürten Filmteams der britischen BBC jahrelang solchen Phänomenen nach. Ihre beeindruckenden Aufnahmen zeigt Das Erste ab 31. Mai in sechs Folgen (siehe TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm). Die Bilder belegen: Im Kampf um die Erhaltung der Art entwickeln Tiere von klein auf geniale Strategien. "Es geht um ihre Auseinandersetzung mit den Tücken des Alltags", sagt Rupert Barrington, Zoologe, Produzent der Serie und Mitverfasser des Begleitbands. "Extreme Umstände können extreme Lösungen erfordern."

Taktik der Einsiedlerkrebse

Wie bei den Einsiedlerkrebsen. Um sich vor Feinden zu schützen, stecken sie ihren Hinterleib in ein leeres Schneckenhaus. Da sie jedoch wachsen, müssen sie sich ständig ein neues suchen. Oft herrscht aber Wohnungsmangel, wie am Strand des Karibikeilands Carrie Bow Cay. Der geniale Trick der Gliederfüßer: Sie stellen sich geduldig in eine wohlgeordnete Warteschlange – die Großen vorn, die Kleinsten hinten. Verlässt der größte Krebs sein Heim, rücken alle ein Haus weiter. Die aufwendige Suche entfällt, jeder hat meist ein Haus in perfekter Größe.

Teamgeist bei den Haubenkapuzinern

Echter Teamgeist lässt sich auch bei den Haubenkapuzinern beobachten: Unbeholfen rollt der Nachwuchs dieser Affenart anfangs Nüsse hin und her. Wie lassen sie sich bloß öffnen? Hier ist Unterricht gefragt. Ein erwachsener Artgenosse demonstriert seine bewährte Technik. Erste Lektion: Man nehme einen großen Stein und schlage damit so lange auf die Nuss ein, bis sie aufbricht. Das Jungtier schaut zu und ahmt das Verhalten nach. Gemeinsam üben Lehrer und Schüler mit halb geöffneten Nüssen, probieren verschiedene Werkzeuge aus, verbessern ihre Technik. Manchmal dauert es Jahre, bis der Nachwuchs das Nüsse- und Früchteknacken selbst beherrscht.

Das Sozialleben der Erdmännchen

Ein ähnlich ausgeprägtes Sozialleben haben Erdmännchen. Kommt es hart auf hart, handeln die Scharrtiere nach dem Motto: "Einer für alle, alle für einen!" Davon profitieren auch ihre Jungen. Haben sie Hunger, flehen sie mit lautem Rufen die Älteren um Futter an. Nach etwa 30 Tagen wird ihre Stimme allerdings tiefer. Ein Signal für die Eltern: Die Zeit des Bettelns ist vorbei, nun beginnt der Unterricht im Beutefang. Die Großen erteilen den Kleinen dabei Lektionen. Sie zeigen etwa am Beispiel verletzter Beutetiere, wie man Heuschrecken, Mäuse oder Frösche fängt. Anfangs machen sie es vor, später üben sie den praktischen Umgang am Objekt, etwa an Skorpionen. Wie heiße Kartoffeln wirbeln die Lehrer diese durch den Sand, um den Schülern zu demonstrieren: So lässt sich der giftige Stachel abbeißen! Nach 60 Tagen ist die Ausbildung beendet, die Abschlussprüfung steht an: Jedes Jungtier muss eigenständig einen Skorpion töten und verspeisen. Besteht es den Test, wird das Junge als vollwertiges Mitglied in die Gruppe aufgenommen.

Spektakel bei der Brautwerbung

Im Tierreich dreht sich alles um die Frage: Wie erhalte ich meine Art? Ob simple Tricks oder raffinierte Strategien: Brautwerbung und Paarbildung können in erstaunlichen Formen stattfinden. Manchmal entscheidet das Vorspiel, etwa eine gute Choreografie des Balztanzes, sogar über Leben und Tod.

Der Preis für die riskanteste und zugleich brillanteste Art der Verführung geht dabei an die winzige Pfauenspinne. Das Männchen, gerade mal so groß wie ein Streichholzkopf, bezaubert nicht nur mit seiner Farbenpracht, sondern entpuppt sich auch als wahrer Verwandlungskünstler. Es bietet "eine grandiose Show, die damit endet, dass es das Weibchen befruchten darf", weiß der Zoologe Barrington. Wie ein Aerobictänzer streckt es seine Beine abwechselnd nach oben, stellt seine leuchtend bunten Bauchklappen auf, vibriert mit dem Unterleib und springt blitzschnell hin und her. Seine Botschaft lautet: "Ich falle auf! Ich bin ausdauernder als alle anderen. Nimm mich!"

Die Choreografie des Tanzes ist spektakulär, dynamisch, aber auch sehr gefährlich. Ein Fehltritt – und das Weibchen betrachtet den potenziellen Partner als leckeren Happen. Gelingt es dem Männchen aber, seine Braut mit seiner Fitness zu beeindrucken und von ihr eine Einladung zur Paarung zu erhalten, ist weiterhin Vorsicht geboten. Nach dem Liebesspiel kommt es darauf an, sich auf schnellstem Weg davonzumachen. Spinnenweibchen haben ihre Eroberer nämlich zum Fressen gern.

Putzservice gegen Schutzdienst

Eigentlich ist die Strategie ganz simpel: Geben und Nehmen sichern das Überleben. Das zeigen schon die Schiffshalter. Festgesaugt am Walhai, wissen sie sich in relativer Sicherheit. Als Gegenleistung bieten sie einen Reinigungsdienst. Sie säubern den Riesenfisch von Parasiten.

Autor: Anja Matthies