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Ranga Yogeshwar auf den Spuren der Wilderei: am 23.07.12 um 21:55 Uhr im Ersten.
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Streicheleinheiten: Ranga Yogeshwar mit Elefantenbabys. Die Dickhäuter brauchen Körperkontakt. - Foto © WDR/first-entertainment

Im TV: Die Natur im Waisenhaus

Elefanten in Gefahr

Als kleiner Junge balgte sich Ranga Yogeshwar oft mit Sunguna. Seine Spielkameradin war nicht ganz ungefährlich. Sunguna wog ein paar Tonnen und war ein Arbeitselefant in Südindien, wo Yogeshwar einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Jahrzehnte später knüpft der Wissenschaftsjournalist und Moderator an diese Erinnerung an: In Kenia besucht er ein Waisenhaus für afrikanische Elefanten. Einen kurzen Vorgeschmack auf seinen Film zeigte Yogeshwar in "Die große Show der Naturwunder" am 19. Juli.

Die bewegende Ich-Reportage "Die Natur im Waisenhaus" zeigt das Erste am 23. Juli um 21:55 Uhr (siehe TV-Tipp rechts). In HÖRZU schildert Ranga Yogeshwar seine Erlebnisse:

Wir landen um Mitternacht in Nairobi. Um halb fünf Uhr morgens geht es weiter an den Stadtrand. Es ist noch dunkel, aber im Elefantenwaisenhaus des David Sheldrick Wildlife Trust, einer gemeinnützigen Stiftung, herrscht bereits Hochbetrieb. Männer in grünen Overalls tragen Milchflaschen zu den Stallungen, aus denen Basslaute dröhnen. "Zeit für die Fütterung", begrüßt mich Chefpfleger Abdi Kashel. "Man kann es hören."


Mit Pinsel und Rüssel: Malende Elefanten


Abdi führt mich zu Tano, die uns erwartungsvoll ihren Rüssel entgegenstreckt. Das Weibchen wiegt vier Zentner und ist mit zwei Jahren immer noch ein Säugling. Tano war zwei Monate alt, als sie von Ranchern gefunden wurde. Sie legt ihren Rüssel um die Flasche. Ein kurzes Schlürfen, Schlucken, Saugen – dann hat sie sich die Ration einverleibt. 20 Liter Milch trinken junge Elefanten pro Tag. Bei den Jüngsten heißt es alle drei Stunden: "Volltanken!"

Fussball für die Seele

Tanos Mutter wurde wohl von Wilderern getötet – diese traumatische Erfahrung haben die meisten Waisen hier gemacht. Die Pfleger kümmern sich rührend um ihre 20 Schützlinge, schlafen sogar bei ihnen. "Jeder Elefant hat einen Pfleger als Ersatzmutter", sagt Abdi. Einsamkeit ist lebensgefährlich für die ebenso schlauen wie sensiblen Pflanzenfresser, die bis zu drei Jahre gesäugt und erst mit etwa zwölf Jahren erwachsen werden. Bis dahin brauchen sie den Körperkontakt, den Schutz und die Wärme einer Familie. Rund um die Uhr.

Vormittags steht Fußball auf dem Programm. Tatsächlich kicken die Kolosse einen Lederball. Der "FC Elefantasia" wirbelt Staub auf, hält fit und dient als Therapie. Ich spiele mit und vergesse dabei fast, dass ein Rempler mich umhauen könnte. "Das sind nicht deine ersten Elefanten", nickt mir ein Mitarbeiter zu. Nach dem Training nimmt der Tiertrupp ein Bad, bei dem sich die für Kenia typische rote Erde auf ihre Haut legt. Sie schützt vor UV-Strahlen und Insekten. Plötzlich bekommt Abdi einen Anruf. Im Tsavo East Nationalpark wurde ein völlig entkräfteter Elefant gefunden. Jetzt zählt jede Minute.

In einer gecharterten Cessna fliegen wir 300 Kilometer Richtung Südosten. Unter uns breitet sich ein weiter Teppich aus brandroter Erde aus, auf der grüne Bäume und Buschwerk aufblitzen. Nach einer holprigen Landung zeigen uns Parkwächter das dehydrierte Elefantenjunge. Zu acht Mann hieven wir den Passagier an Bord, der mit einer Spritze ruhiggestellt wurde. Erst in der Station erwacht das etwa 14 Monate alte Weibchen, das Sonje getauft wird. Sonje stellt die Ohren auf und rennt gegen die Wände ihrer Box. Die Pfleger spritzen ihr Milch auf die Stirn, der Geruch soll sie beruhigen. Aber Wut und Angst sind größer als der Durst. Dann "reden" die anderen Elefanten mit dem Neuankömmling. Sie strecken ihre Rüssel durch die Gitter, schnüffeln und rufen. Sonje hört ihre Laute und nimmt den Geruch der Artgenossen wahr. Nach nur zehn Minuten geschieht das Wunder: Sonje beruhigt sich.

Herden werden getötet

Die Kleine hat wahrscheinlich miterlebt, wie ihre Mutter getötet wurde. Schwer bewaffnet metzeln organisierte Wilderer ganze Herden nieder – wegen der bis zu 100 Kilo schweren Stoßzähne. Die Jagd ist illegal, lukrativ und mörderisch. Zwei Wochen nach dem Dreh erhalten wir eine erschütternde Nachricht: Zwei Park Ranger, mit denen wir gesprochen hatten, wurden von Kriminellen erschossen. Geht die Jagd so weiter, könnte das größte Landsäugetier in einigen Jahren ausgerottet sein. Was den Jägern in die Hände spielt: Viele Afrikaner haben Todesangst vor ihren gewaltigen Nachbarn, die ihre Felder niedertrampeln und damit Existenzen vernichten können. Manche unterstützen die Wilderer.

Erst wenn die armen Bauern vom Tourismus profitieren, kann sich die Angst in Achtung verwandeln. Die Sheldrick-Stiftung lädt Schulen ein, um die Jüngsten für die Elefanten zu begeistern. Im Waisenhaus in Nairobi verbringen Elefantenbabys die ersten zwei Lebensjahre, dann wechseln sie in die Auswilderungsstation im Tsavo East Nationalpark. Bei Spaziergängen lernen sie wilde Artgenossen kennen, denen sie sich mit zwölf Jahren anschließen. Über 80 Elefanten wurden ausgewildert. Die "Ehemaligen" vergessen ihre Pflegeeltern nie, schauen immer wieder an der Station vorbei. Bis es für Sonje so weit ist, werden noch Jahre vergehen – der erste Schritt ist getan.


Wankende Riesen

Ehemals bevölkerten 1,3 Millionen Elefanten Afrika. Während der Kolonialzeit halbierte sich ihre Zahl. Heute leben etwa 450.000 Elefanten vor allem in Schutzzonen. Tendenz sinkend. Pro Jahr töten Wilderer trotz Handelsverbots 38.000 Elefanten. Vor allem im aufstrebenden China, wo Elfenbein als Statussymbol gilt, herrscht große Nachfrage. In Kenia setzte sich David Sheldrick (1919 bis 1977) als Leiter des Tsavo East Nationalparks für die Dickhäuter ein. Seine Witwe gründete die nach ihm benannte Stiftung. Ihr gelang 1987 die weltweit erste Handaufzucht eines Elefantenbabys.

Autor: Ranga Yogeshwar