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Wuestenloewe

Im Sand sind die Wüstenlöwen bei der Jagd nahezu perfekt getarnt.
Foto: ARTE / ORF / © Will & Lianne Steenkamp

Eine bedrohte Art

Doku über Wüstenlöwen auf Arte

Sie trotzen den Gesetzen der Natur: In der Namib leben die letzten Wüstenlöwen.

Die alte Löwin kann nicht mehr. Ganz langsam lässt sie sich zu Boden sinken. Und liegt nur noch da, reglos, kraftlos, abgemagert. Sie weiß, dass ihre Zeit gekommen ist. Und noch während ihr Atem flacher wird, bedeckt der Wind sie schon mit feinem Sand. Die Wüste verzeiht keine Schwäche.

Die Sonne steht tief über der Skelettküste Namibias. Die Namib ist eine der ältesten Wüsten der Welt und zieht sich rund 2.000 Kilometer direkt am Atlantik entlang. Die endlosen Dünen werfen lange Schatten. Doch so faszinierend schön diese Landschaft im Westen Afrikas ist, so karg und erbarmungslos ist sie auch.

Im Hoanib-Tal der Namib leben die letzten Wüstenlöwen

Hitze, Sand, Ödnis: Das ist keine Gegend, in der Raubtiere normalerweise überleben können. Und tatsächlich galten die Wüstenlöwen, die es nur in dieser Region der Erde gibt, noch vor 20 Jahren als Ausgestorben. Doch im abgelegenen Hoanib-Tal der Namib existieren bis heute welche.

Eine kleine Population von etwa 150 Tieren widersetzt sich den Gesetzen der Natur. Dr. Philip Stander hat ihnen sein Leben gewidmet. Seit mehr als 20 Jahren beobachtet der Biologe und Gründer der Organisation Desert Lion Conservation schon "seine" Löwen, verfolgt ihre Wege mithilfe der Signale von Satellitenhalsbändern.

Er will die letzten Wüstenlöwen um jeden Preis schützen - vor den Fallen der Wilderer und den Gewehren der Rinderhirten. Denn deren Herden, die am Rand der Namib weiden, sind für die hungrigen Tiere manchmal die letzte Chance auf Nahrung.

Die Naturfilmer Will und Lianne Steenkamp haben mit Standers Hilfe ein Rudel Wüstenlöwen beim Kampf ums Überleben begleitet. Fünf Junge, ihre beiden Mütter und die Anführerin, eine 17 Jahre alte Löwin. "Irgendwann waren die Löwen unseren Wagen so gewohnt, dass sie den Schatten unterm Auto suchten", so Will Steenkamp. "Wir kamen stundenlang nicht vom Fleck. Wir waren Gefangene unserer Löwen."

Zwei Jahre haben die Steenkamps für ihre Aufnahmen gebraucht. Ihr Film "Wüstenkönige" wird jetzt auf Arte gezeigt (Mi., 23.12, Arte, 19.30 Uhr). Er berührt mit faszinierender Nähe.

Nur einmal im Jahr fällt hier im Nirgendwo der Namib nach heftigen Gewittern Regen. Schon nach einem Tag ist die letzte Feuchtigkeit im Boden versickert, aber sie schafft noch Gewaltiges: Aus der Steppe der Wüste sprießen plötzlich Pflanzen, wie ein grüner Teppich breiten sich Gräser aus. Dieses Wüstenwunder macht den Löwen allerdings das Leben schwer, denn Giraffen und Spießböcke ziehen aus dem Tal zu den neuen Weiden. Im Revier der Raubtiere wird das Futter knapp.

Perfekt getarnt auf der Jagd

Anders als ihre Artgenossen in der Savanne jagen Wüstenlöwen tagsüber, wenn es mehr Möglichkeiten gibt, Beute aufzustöbern. Und ihre Konkurrenzkämpfe enden nicht tödlich - so steigt die Chance, dass die Population überlebt.

Eine Giraffe und ihr Kalb grasen im Hoanib-Tal, immer wieder hebt das Muttertier den Kopf, hält nach Feinden Ausschau. Doch im Sand sind die Löwen schwer zu entdecken. Die alte Löwin springt die Giraffe von hinten an, beißt sich an ihr fest, zwingt sie dazu, sich von ihrem Kind zu entfernen. Am Ende frisst das Rudel beide.

95.000 Quadratkilometer groß ist die Namib-Wüste, ein gigantisches Revier. Löwenhüter Stander hat hier trotzdem nur ein erwachsenes Männchen entdecken können. Es ist der einzige Löwe weit und breit, der für die Fortpflanzung sorgen könnte, die fünf jungen Tiere sind noch nicht geschlechtsreif. Tatsächlich machen sich die Weibchen des Rudels auf die Suche nach einem Partner - ohne zu ahnen, dass es in ihrem Revier nur einen einzigen gibt. Wenn sie ihn finden. Und er noch lebt.

Die alte Löwin jedenfalls ist tot. Stander nimmt ihr das Satellitenhalsband ab. Irgendwann hat das Tier einen Fehler gemacht, hat sich von einer Giraffe mit dem Huf erwischen lassen und sich eine Wunde am Bein eingehandelt. Das war der Anfang vom Ende. Nun hat der Sand die einst so stolze Kreatur schon halb begraben. Und mit ihr eine der letzten Hoffnungsträgerinnen ihrer Art.

Autor: Michael Fuchs