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Taucherin mit Kurzschnauzen-Seepferdchen

Taucherin mit Kurzschnauzen-Seepferdchen. - Foto: WDR / © Tesche Dokumentarfilm

Im TV: "Ritt durchs Riff"

Doku über Seepferdchen

Lange galten sie als Vorbild für ewige Treue. Nun weiß man: Seepferdchen haben ein reges Liebesleben – wenn sie die Chance dazu bekommen.

Hippocampus ist ihr wissenschaftlicher Name

Wenn sie majestätisch durch das Wasser schweben, wirken sie wie Wesen aus einer anderen Welt: winzige stolze Rosse mit kleinen Flossen. Seepferdchen gehören zu den skurrilsten Bewohnern der Ozeane. Ihr wissenschaftlicher Name Hippocampus stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Meerungeheuer".

Früher galten sie als geheimnisvolle Fabelwesen. Heute erscheinen sie uns eher als possierlich. Die kleinsten sind lediglich 1,3 Zentimeter lang – ein Grund dafür, dass nur wenige Menschen den scheuen Fischen im offenen Meer begegnen.

Sigurd Tesches Doku "Ritt durchs Riff"

Sigurd Tesche ist einer von ihnen. Der Naturfilmer war rund um den Globus unterwegs, um seine Dokumentation "Ritt durchs Riff - Auf den Spuren der Seepferdchen" (Fr., 5.7., 15.40 Uhr, Arte, siehe auch TV-Tipps rechts) zu drehen. Seine Tauchtour auf den Spuren der Seepferdchen beginnt im Mittelmeer in den geschützten Gewässern rund um die spanische Insel Tabarca. Hier finden die Tiere in weitflächigen Seegraswiesen ideale Lebensbedingungen. Eine Ausnahme, denn sie stehen auf der Liste der bedrohten Arten. Umweltschützer schlagen Alarm: Der Bestand hat sich in den vergangenen 20 Jahren um 80 Prozent verringert.

Bedrohte Tierart

Zum einen verschlechtern sich ihre Lebensbedingungen durch Umwelteinflüsse immer mehr. Zum anderen bedroht sie der Aberglaube, sie würden über heilende Kräfte verfügen. Besonders in der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt der Hippocampus als Allheilmittel. Chinesische Männer schlucken täglich 20 Pillen mit Seepferdchenextrakt, um ihre Potenz zu stärken. Auch gegen Kurzatmigkeit, Haarausfall, Vergesslichkeit und Falten soll diese Medizin helfen.

150 Millionen der winzigen Tiere werden jährlich vertilgt, ein Kilo kostet auf dem Weltmarkt 6000 Dollar. Damit sind sie ebenso begehrt wie Elfenbein oder Kaviar. Hongkong ist der weltweit größte Handelsplatz. Eine halbe Million getrocknete Seepferdchen werden hier gelagert, man kann sie in jeder der hier ansässigen 3000 Apotheken kaufen.

Umso erfreulicher, dass vor einigen Jahren in der kalten Nordsee Seepferdchen entdeckt wurden – obwohl sie dort seit 70 Jahren als ausgestorben galten. 2001 fing ein Krabbenfischer ein Tier vor Pellworm und gab es im Nationalparkzentrum Multimar Wattforum in Tönning ab. Als ein Jahr später ein weiteres Seepferdchen in St. Peter-Ording gefunden wurde, begann man eine Zucht. Inzwischen werden die Tiere auch in andere Aquarien abgegeben und vermehren sich fleißig.

Paarung der Seepferdchen

Finden zwei paarungswillige Exemplare im freien Meer zueinander, beginnt ein langer Liebestanz, bei dem sie die Bäckchen aneinanderreiben und die Schwänze ineinanderhaken, als würden sie Händchen halten. Nach dem ausgiebigen Vorspiel, das neun Stunden dauern kann, umschlingen sich die Paare. Schließlich legt das Weibchen seine Eier in die Bauchtasche des Männchens. Dieses brütet sie aus und bringt die Jungen auf die Welt.

Bisher meinten Forscher, die Seepferdchenpaare blieben sich ein Leben lang treu. Ein Mythos. In 15 Sea-Life-Centern in Deutschland und England wurden Tiere mit Farbbändern gekennzeichnet und beobachtet. "Sie sind sexuell ausschweifender als angenommen", sagt Sea-Life-Sprecher Paul Bullimor.

Einige davon hatten täglich 25 verschiedene Liebespartner, darunter auch gleichgeschlechtliche. Die Forscher vermuten, dass der neue Lebensraum Aquarium großen Einfluss auf dieses Verhalten hat: Hier finden die Tiere mehr Liebespartner als in freier Wildbahn. Weil sie sich dort meist nur an einer Koralle oder einem Seegrasbüschel aufhalten, treffen sie deutlich seltener einen paarungswilligen Partner. Haben sie einen gefunden, halten sie an ihm fest, um sich jede weitere Suche zu sparen. Die Treue der Seepferdchen ist also keine Frage der Liebe, sondern purer Pragmatismus.

Autor: T. Kunze