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Quastenflosser, Gombessa

Galt lange als ausgestorben: der Quastenflosser, auch Gombessa genannt. Nie zuvor wurde der geheimnisvolle Fisch so hautnah in seiner natürlichen Umgebung in der Tiefsee gezeigt. - Foto: ARTE France / © Les Films d?Ici/Andromède Océanologie

Im TV: "Gombessa, Urtier in Untiefen"

Doku über Quastenflosser

Südafrika, 22. Dezember 1938. Im Fang eines Küstenschiffs macht die Biologin und Museumsleiterin Marjorie Courtenay-Latimer die spektakulärste Entdeckung ihres Lebens: ein Fisch, blau mit weißen Flecken, etwa 1,5 Meter lang, 60 Kilo schwer. Ein Quastenflosser! Bis dahin war das Tier nur als Fossil bekannt, galt als ausgestorben am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren. Und doch schwamm es munter im Indischen Ozean. Es war, als hätten Forscher einen Tyrannosaurus Rex entdeckt – lebend.

Wie viele Quastenflosser es noch in den Tiefen der Meere gibt, weiß niemand genau. 100? 1000? Gar 10.000? Vor der Ostküste Afrikas wurden bislang die meisten gesichtet. Dort startete der französische Meeresbiologe Laurent Ballesta auch das bislang aufwendigste Forschungsprojekt: eine sechs Wochen dauernde Tauchexpedition in über 120 Meter Tiefe.


TV-Tipp

Sa 3.5. "Gombessa, Urtier in Untiefen" - Doku über eine Tauchexpedition zu den Quastenflossern, Arte, 20.15 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


"Der Quastenflosser weckt Leidenschaft", schwärmt Ballesta. "Und er ist ein Symbol, weil ihm eine einzigartige Stellung in der Evolution zukommt." Das Geheimnis steckt in den Flossen. Wo andere Fische lediglich dünne Strahlen haben, sitzen hier Knochen, die im Aufbau verblüffend an Arme und Beine erinnern. So ähnlich müssen die Tiere ausgesehen haben, die vor 360 Millionen Jahren das Wasser verließen und das Land eroberten. Aus ihren Flossen entwickelten sich die Gliedmaßen aller Landlebewesen – auch die des Menschen.

Lebensraum der Quastenflosser

Ist der Quastenflosser etwa unser Urahn? "Wohl eher ein uralter Vetter", fasst Laurent Ballesta neue Studien zusammen. Der seltene Fisch steht an einer Gabelung der Evolution: Während sich viele Arten im Wasser zu den heutigen Fischen weiterentwickelten, wurden andere zu Amphibien und krabbelten auf allen vieren übers Land. Der Quastenflosser selbst, auch Gombessa genannt, blieb im Meer und zog sich sogar weiter in die Tiefe zurück. Dort überlebte er alle Massensterben der Erdgeschichte, denen etwa die Saurier zum Opfer fielen.

Sodwana-Bucht
Die Sodwana-Bucht in Südafrika: Hier sichteten Forscher im Jahr 2000 erstmals Quastenflosser. - Foto: ARTE France / © Les Films d?Ici/Andromède Océanologie

Bis heute ist es Wissenschaftlern nicht gelungen, das Erfolgsrezept des Quastenflossers zu entschlüsseln. Zu wenig wissen sie über seine Lebensweise. Gesichtet wurde er vor allem in Höhlen an Riffs und Felsenküsten – in über 100 Meter Tiefe. Erst modernste Tauchtechnik macht es möglich, ihn dort länger zu beobachten und Daten zu sammeln. "Bei unserem Projekt haben wir uns auf die Erforschung der Gliedmaßen des Quastenflossers konzentriert", erklärt Laurent Ballesta. "Die zentrale Frage ist, ob seine Schwimmbewegungen etwas über die ersten Fortbewegungsversuche auf dem Land vor nicht weniger als 360 Millionen Jahren verraten." Dazu entwickelte das Team von "Projekt Gombessa" ein neues Doppel-Kamerasystem, das die Flossen dreidimensional erfasst. Hochgeschwindigkeitskameras zerlegen alle Bewegungsabläufe. Spezialtechnik macht sogar das unter den Schuppen liegende bewegliche Skelett der Flossen sichtbar.

Besondere Flossen

Schauplatz der Expedition: die Sodwana-Bucht vor Südafrikas Küste. Dort hatte Ballesta schon zuvor gigantische Quastenflosser aufgespürt. Rund 20 Minuten harren die Taucher jeweils in der Tiefe aus. Vier Stunden dauert dann die Dekompression, damit der Körper den Druckausgleich herstellen kann. Gleich beim ersten Versuch wird das Team in 114 Metern fündig. "Als ich das Licht einschaltete, sah ich direkt in seine Augen", erinnert sich der französische Meeresbiologe. Scheu ist das lebende Fossil nicht. Geradezu gemächlich schwimmt der Urzeitfisch geradeaus oder verharrt sogar auf der Stelle. So spart er Energie und muss weniger fressen. Mit geschickten Bewegungen aller Flossen manövriert der Gombessa in der Dunkelheit. "Seine Flossen sind tatsächlich so beweglich wie unsere Hände", schildert Laurent Ballesta sein Erlebnis in der Sodwana-Bucht.

Es wird Jahre dauern, bis alle unter Wasser gesammelten Bilder und Daten am Pariser Museum für Naturgeschichte ausgewertet sind. Eine neue Ära der Forschung. Denn erst durch das "Projekt Gombessa" ist der detaillierte Vergleich zwischen Mensch und Quastenflosser möglich. Vielleicht verrät ja jetzt ein uralter Vetter seine letzten großen Geheimnisse.

Autor: Kai Riedemann