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Fuchswelpe Rehkitz

Tapsig: Fuchswelpe und Rehkitz - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Reh, Fuchs oder Hase

Die Tierbabys sind da

Lange, neugierige Ohren horchen in die Welt, Kulleraugen blicken ins frühe Morgenlicht, überall tapst, stakst, hoppelt, trottet jemand vorsichtig und vorwitzig zugleich durchs Gras. Felder, Wälder und Wiesen sind jetzt im Juni nicht mehr dieselben. Ihr Geheimnis: neues Leben. Deutschlands Wildtiere haben Junge. Unser grünes Land – lebendiger denn je. Eine einzige Kinderstube für Hirsche, Rehe, Feldhasen, Füchse und unzählige Waldvögel. Bloß nicht gesehen werden – die jungen Kitze und Hirschkälber drücken sich normalerweise im hohen Gras oder Unterholz stundenlang flach auf den Boden. Warten auf Mama, die immer mal wieder zum Säugen vorbeikommt. Und die sofort zur Stelle ist, wenn ihr Junges den hohen, schrillen Pfeifton der Angst ausstößt.

Manchmal dürfen die jungen Kitze ihre Mutter auch schon ein wenig begleiten. "Ohne seine Mutter verkümmert ein Rehkitz", weiß Andreas Kinser, Forstexperte bei der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. "Es irrt dann tagelang durch den Wald und sucht nach ihr, wächst nicht richtig oder stirbt sogar." Die frisch geborenen Hirschkälber, häufig Einzelkinder, sind eher ans Alleinsein gewöhnt. In zwei Monaten werden die Jungtiere auf einsamen Wiesen und Waldlichtungen zusammen raufen, fangen spielen, übermütige Bocksprünge machen. Oder sie erklimmen kleine Anhöhen und schubsen sich gegenseitig hinunter. Der Wald – ein fröhlicher Kindergarten.

Eine alte Hirschkuh passt dabei immer ein wenig auf die Jungen auf. Auch bei Fuchsens geht es hoch her – vier bis sechs Welpen erblicken nach sieben dunklen Wochen unter Tage ihre ersten Sonnenstrahlen und tollen nun vor dem Fuchsbau herum, tragen erste kleine Kämpfe aus, lernen ganz nebenbei das Anschleichen. Aus graubraunen Fellknäueln sind nach etlichen von Muttern angeschleppten Mäusen und dem ersten Fellwechsel knuffige, rötlich gefärbte Tierchen geworden, die mit ihren Milchzähnen Fundstücke, gern auch mal alte Schuhe, anknabbern. "Dieser Tage beginnen sie sogar schon mit eigenen Touren", sagt Kinser. Noch etwas ungeschickt angeln sie etwa auf frisch gemähten Wiesen nach Mäusen.

Gut für die kleinen Feldhasen, dass sie noch nicht nach Hase riechen und sich still als kleine, graue Bällchen in ihre Ackerfurchen und Grasmulden drücken. Einmal am Tag nur kommt Mutter zum Säugen vorbei. In wenigen Wochen schon flitzen die Kleinen jedoch herum – Hasen sind Nestflüchter. Interessant für Spaziergänger: Feldhasen werfen gleich mehrmals im Jahr, für die meisten ist es bereits der zweite oder dritte Wurf, der jetzt in den Wiesen liegt: "Da kann man die Junghasen schön in den verschiedenen Phasen sehen", sagt Kinser.

In den Baumriesen piept es derweil schon aufgeregt. Hungrige Schnäbel recken sich in die Höhe. Auch in den Nestern von Deutschlands kleinster Adlerart – dem Schreiadler. Leider ist er, anders als andere Wildtiere Deutschlands, selten geworden, gerade mal 100 Brutpaare haben die Mitarbeiter der Deutschen Wildtier Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gezählt. In jedem Nest liegen gewöhnlich zwei Eier – und irgendwann zwei ständig nach Futter jammernde Vögelchen. Gesetz der Natur: Der Erstgeschlüpfte hackt mit seinem Schnabel seinen Bruder stets zu Tode. Kain-und-Abel-Prinzip nennen es die Biologen.

Jetzt wartet der Sommer auf die jungen Feld-, Wald- und Wiesen-Wilden. Leider mit nicht wenigen Gefahren. Wenn die Wiesen gemäht werden, geraten die Kitze zum Beispiel schon mal in eine Mähmaschine. "Die Jäger versuchen, die Tiere häufig zu warnen, indem sie große Tüten an den Rändern der Wiesen platzieren, die am nächsten Tag dran sind", erzählt Kinser. "Das ist der Ricke, der Rehmutter also, nicht richtig geheuer, und sie legt ihre Jungen dann lieber anderswo ab." Lust auf Animal-Watching? Kinser rät, mit dem Auto an eine Wiese oder ein Feld zu fahren und mit einem Fernglas einfach abzuwarten. Besonders leise zu sein nützt übrigens gar nichts: "Für ein Reh sind die Jäger, die versuchen, sich möglichst still zu verhalten. Die harmlosen Spaziergänger dagegen sind lauter", erklärt Kinser. "Wenn ich plötzlich vor mir ein Reh sehe, fange ich immer an, leise Selbstgespräche zu führen. Das beruhigt das Tier."

Tipps für Spaziergänger: So stören Sie nicht im Wald-Kindergarten

1. Hunde unbedingt anleinen. Viele Jungtiere haben noch keinen Fluchtreflex, außerdem werden Muttertiere aufgeschreckt.
2. Am besten nicht in der Dämmerung spazieren gehen. Die Wälder wirken dann sehr still – aber genau in dieser Zeit des Tages gehen die Wildtiere auf Futtersuche.
3. Falls man Nester in der Nähe vermutet, Katzen nur nachts hinauslassen. Die Elterntiere schlafen dann in den Nestern, die Jungen sind also nicht allein und schutzlos.
4. Unter Umständen Katzen ein Glöckchen umbinden, das Wildtiere warnt.
5. Keine vermeintlich verwaisten Tiere aufsammeln. Dass ein Tier mutterlos ist, kommt selten vor, meistens warten die Eltern versteckt, bis der Mensch weg ist. Wenn ein Tier eindeutig hilflos ist, lieber dem Jäger oder einem Naturschutzverein Bescheid sagen.
6. Beim Spazierengehen immer auf den Wegen bleiben.

Foto Flashbühne © dpa Picture-Alliance GmbH

Autor: Silke Pfersdorf