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Ein aufgepäppelter kleiner Heuler.

Aufgepäppeltes Robbenbaby: In nur vier Wochen muss das Neugeborene sein Gewicht von acht auf etwa 30 Kilo vervielfachen, um überlebensfähig zu sein. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Doku am 12.07., 21.15 Uhr, NDR

Die Seehund-Retterin

Auf der Nordseeinsel Föhr kämpft Tierärztin Janine Bahr für gestrandete Robbenbabys – und gegen die amtlich bestellten Seehundjäger. Die Doku über die Robbenretterin wird am Freitag, den 12.07., um 21.15 Uhr im NDR ausgestrahlt.

Heute ist so ein Tag, von dem Janine Bahr noch nicht weiß, ob er für sie und ihre Mission ein Glückstag wird oder nicht. Schon frühmorgens klingelt ihr Mobiltelefon mit jener Nachricht, die sie erwartet und zugleich fürchtet. Heuleralarm! Ein Tier wurde am Strand von Föhr gesichtet, nicht weit vom Hauptort Wyk. Wenn ein Notruf eingeht, geht es für die Tierärztin um Minuten. Sie muss da sein, bevor Spaziergänger das Tier streicheln, bevor Hunde an ihm schnüffeln, bevor es womöglich aus Stress oder wegen Flüssigkeitsmangels verendet.


Erste Hilfe für gestrandete Seehundbabys

Die ersten Tage im Leben einer kleinen Robbe sind gefährlich. In nur vier Wochen muss das Neugeborene sein Gewicht von acht auf etwa 30 Kilo vervielfachen, um überlebensfähig zu sein. Wird ein verirrter kleiner Seehund, auch Heuler genannt, am Strand gefunden, gilt: Nicht anfassen! Hunde anleinen und die staatlich bestellten Seehundjäger informieren! Auf Föhr hilft Janine Bahr: www.robbenzentrum-foehr.de


Der Juni ist die Hochzeit für Heuler. In diesen Wochen legen die Seehunde ihre Neugeborenen auf den vorgelagerten Sandbänken ab, um auf die Jagd zu gehen. Manchmal geschieht es dann, dass ein Junges von einer Welle erfasst und ans Ufer der Insel gespült wird. Manchmal wird es dort von der Mutter wiedergefunden – manchmal nicht.

Föhr Robbenstation

Der kleine, gerettete Heuler wird im Robbenzentrum aufgepäppelt. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Für diesen Fall gibt es Janine Bahr (46). Die greift jetzt zu Handtuch, Mundschutz und Handschuhen, rennt zu ihrem Auto. Die Operation Rettung läuft an: In ihrem Robbenzentrum am Hafen von Wyk ist schon alles vorbereitet. Janine Bahr ist nicht einfach eine Tierärztin, die mutterlose Seehundbabys rettet. Sie ist eine Frau mit einer Vision. "Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz." So sah es der Mönch und Tierschützer Franz von Assisi, so sieht sie es auch.

Den klagenden Ruf, den verlassene Jungtiere ausstoßen, kann sie so täuschend echt nachmachen, dass die Besucher des Robbenzentrums nur staunen. Jetzt also der erste Einsatz in diesem Jahr. Jeder Heuler soll gerettet werden, egal ob er krank ist oder das Mindestgewicht erreicht hat, das gemeinhin für Rettungseinsätze vorgeschrieben ist. Heute, so scheint es, wird ein glücklicher Tag. Das knallrote Auto stoppt, in wenigen Sekunden ist sie bei dem Jungtier, legt ihm gegen die Angst ein Handtuch über die Augen, trägt es zum Wagen. Ihre Handgriffe sind schnell und zupackend, sie hat lange bei der Seehundrettungsstation Pieterburen in den Niederlanden gearbeitet, sie kennt sich aus.

Robbenbabys zurück in die Freiheit

In der Station wird der Patient, ein männliches Jungtier, wohl erst zwei Tage alt, vermessen und gewogen. Er erhält durch einen Schlauch Nährflüssigkeit und wird in eines der acht Becken gelegt. Janine Bahr ist zufrieden: "Das Tier war dehydriert, jetzt wirken die Augen gleich klarer." Erstversorgung nennt sich das. Mehr darf sie nicht leisten. Das ist das ständige Hemmnis, das ihre Arbeit erschwert: Die Tierärztin von Föhr kämpft nicht nur für die Heuler, sondern auch gegen das Umweltministerium Schleswig-Holstein, das die Versorgung der Tiere den staatlich bestellten Seehundjägern übertragen hat.

Föhr Robbenstation

Maximal drei Tage darf der Heuler nur auf Föhr bleiben, dann wird er aufs Festland in die Seehundstation Friedrichskoog transportiert. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Seit die kleine Frau mit der überschäumenden Energie 1998 ihr Tierschutzhaus eröffnete und später die Robben-Rettungsstation, gibt es ein Tauziehen zwischen ihr und den Behörden. Maximal drei Tage darf der Heuler nur auf Föhr bleiben, dann wird er aufs Festland in die Seehundstation Friedrichskoog transportiert. Stress für das Tier, Stress für Janine Bahr. Dabei geht es doch anders.

Als Beispiel zeigt sie gern einen Film aus Pieterburen bei Groningen. Man sieht, wie aufgepäppelte Seehunde aus Transportkörben entlassen werden, in langer Reihe über den Strand robben und in den Wellen verschwinden. Genau das wünscht sich Janine Bahr für ihre Insel: eine Rehastation und ein Auswilderungsbecken. "Damit den Heulern die Fahrt auf der Fähre erspart bleibt." Bis ihr Traum wahr wird, behält sie den Strand und die Seehundbänke im Blick und hofft darauf, dass der Tag gut endet. Für sie und die Heuler von Föhr.

Autor: Angela Meyer-Barg