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Die Hauskatze ist der Liebling der Deutschen.

Die Hauskatze ist der Liebling der Deutschen. 8,2 Millionen Katzen schnurren in Deutschland. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Faszination Stubentiger

Die Magie der Katzen

Seit Jahrtausenden, so sagt man, begleiten Katzen den Menschen durch die Welt. Wer sein Leben mit einem so stolzen Geschöpf teilt, wird diesen Satz wohl anders formulieren: Seit Jahrtausenden begleitet der Mensch die Katze durch die Welt. Sie schnurrt und faucht und macht, was sie will. Mal wird gekuschelt, mal fährt sie ihre Krallen aus. Daran hat sich seit der Zeit der Pharaonen wenig geändert.

Katzen finden Schleichwege ins Herz

Wir und die Samtpfoten – eine geheimnisvolle Beziehung. Forscher der Uni Oxford machten sich deshalb auf die Suche nach der Urmutter aller Hauskatzen. Sie verglichen deren Erbgut mit dem wilder Verwandter. Die Spur führte in den Nahen Osten. Felis silvestris lybica nennen Biologen die Art, die noch heute in Ländern der Arabischen Halbinsel lebt. Ihr Fell ist sandfarben, der Körper schlank, der Schwanz geringelt mit dunkler Spitze.


Die ältesten Katzenrassen

Gezüchtet wird eigentlich erst seit 150 Jahren. Doch viele Samtpfoten haben trotzdem eine lange Tradition:

1. Ägyptische Mau
Sie könnte direkt von Katzen der Pharaonenzeit abstammen. Die gezielte Zucht begann aber erst in den 1950er-Jahren. Auffällig: Tupfenmuster und mandelförmige Augen.
2. Türkisch Angora
Vermutlich ist sie die Urmutter aller Langhaarkatzen, angepasst an die Kälte türkischer Hochebenen. Sie kam als Erste an Europas Adelshöfe. Neben Weiß gibt es viele andere Fellfarben.
3. Abessinier
Als Heimat dieser Kurzhaarkatze gilt Südostasien. Ende des 19.Jahrhunderts wurde sie erstmals in England gezüchtet. Besonderes Merkmal: Jedes Haar ist hell-dunkel gebändert (Ticking).
4. Chartreux
Ihr dichtes bläuliches Fell machte sie vor allem in Frankreich beliebt, leider bis ins 19. Jahrhundert auch als Pelzlieferant. Die Vorfahren sollen aus Syrien stammen. Auffällig: stämmiger Kopf, kräftiges Kinn.
5. Perser
Die Herkunft dieser Langhaarkatze ist umstritten. Möglicherweise stammt auch sie aus dem türkischen Raum, hat sich aber durch Züchtung stark verändert. Merkmale: gedrungener Körper, kurze Beine, kleine Ohren.
6. Siamkatze
Ihre Vorfahren stammen aus Siam, dem heutigen Thailand, wo sie schon vor über 600 Jahren erwähnt wurde. Typisch sind blaue Augen und weißes Fell mit dunkler gefärbten Stellen.
7. Britisch Kurzhaar
Experten führen die Rasse auf Hauskatzen zurück, die mit den Römern vor 2000 Jahren nach England kamen. Dort entwickelten sie sich weiter. Die British Shorthair war auch Star der ersten Katzenausstellung, die 1871 in London stattfand.


Wann sich die Katze uns erstmals anschloss, liegt im Dunkeln. "Das früheste Zeugnis ist 9500 Jahre alt und stammt von der Mittelmeerinsel Zypern", sagt Experte und Autor Detlef Bluhm (Hier bestellen: "Das große Katzenlexikon", Insel). In einem Grab fanden Archäologen gemeinsam bestattete Überreste von Mensch und Katze. Beide waren mit dem Gesicht nach Westen ausgerichtet. Beweis einer engen Beziehung im Leben?

Der Fund passt zur Geschichtsschreibung: Vor 10.000 Jahren entwickelte sich im Nahen Osten erstmals Landwirtschaft. Der Mensch wurde sesshaft, lagerte Getreide. Kornspeicher zogen Mäuse an. Und wer liebt Mäuse? Katzen. Eine Portion Egoismus war wohl dabei, als die eigensinnigen Raubtiere die Nähe menschlicher Ansiedlungen suchten. An gezielte Zucht war allerdings nicht zu denken. Damals wie heute streunten Katzen frei herum und suchten sich ihre Paarungspartner selbst. Deshalb hat sich zwar der Hund durch Zucht zu zahllosen Rassen verändert, viele Hauskatzen jedoch sehen ihren wilden Ahnen verblüffend ähnlich.

Ägyptische Mau: Die Hüter der Kornkammern

Auch die Ägyptische Mau, auf die man noch heute in den Straßen Kairos trifft, könnte einer alten Wandmalerei entsprungen sein. Statuen, Inschriften in Pyramiden und einbalsamierte Katzenmumien zeugen von der Rolle der Mau im Pharaonenreich. 7000 Jahre alt sind die ersten Funde. Je wichtiger Getreide für die Ägypter wurde, umso mehrverehrten sie die Katze. Die Hüter der Kornkammern wurden geradezu vergöttert. Bastet heißt die Katzengöttin jener Zeit, Symbol für Fruchtbarkeit, Anmut, Liebe.

Fest steht: Die Ägypter huldigten nicht nur dem Katzenkult, sondern versuchten auch, das Tier zu zähmen. Detlef Bluhm: "Vermutlich haben sie die Mäusevertilger lieb gewonnen und versucht, sie an sich und die Häuser zu gewöhnen." Das beweisen 4500 Jahre alte Bilder von Falbkatzen mit Halsband und kleine Töpfchen für Milch als Grabbeigaben.

Auf Handelswegen gelangten Katzen nach Europa, viele wurden von phönizischen Kaufleuten geschmuggelt – in Ägypten galt lange ein Ausfuhrverbot für die göttlichen Tiere. In Nordeuropa spielt aber auch das dunkelste Kapitel ihrer Historie: Zwar verehrten die Germanen wilde Verwandte unseres Hausgenossen, selbst der Wagen der Göttin Freya wurde von Waldkatzen gezogen, doch mit dem Mittelalter kam der Tod. Die Kirche machte sie zum heidnischen Tier! Hinterhältig, unberechenbar, unzähmbar – das konnten nur Dämonen sein. Katzen zeigen keine Demut, ziehen nachts los, haben leuchtende Augen. Papst Innozenz VIII. erklärte sie in der Hexenbulle von 1484 zu "Geschöpfen und Gestalten des Satans".

Die Folgen von Fanatismus und Aberglauben waren grausam: Katzen wurden gejagt, an Türen genagelt, auf Scheiterhaufen verbrannt.Katzen mussten als Sündenböcke herhalten für Krankheiten und Katastrophen. Man hielt sie für Bringer der Pest. Die Massentötung der so verteufelten Tiere bewirkte damals das Gegenteil: Es waren Ratten, die den Schwarzen Tod nach Europa brachten. "Nur in Klöstern blieben die Mäuse- und Rattenvertilger willkommen", sagt Bluhm. "Sie schützten Vorräte und wertvolle Bücher vor Nagern."

Zum Glück ließ das Zeitalter der Aufklärung so manchen Aberglauben verblassen. Und auch an Europas Höfen erwachte das Interesse. Vor allem langhaarige Schönheiten wie die Angora eroberten Schlösser von Paris bis London. Frankreichs König Ludwig XV. zeigte sich als Bewunderer der Samtpfoten mit den rätselhaften Augen und verschenkte sie als Zeichen seiner Gunst.

Im 19. Jahrhundert verfielen der Katze immer mehr Dichter, Denker und Maler, die sie in ihren Werken unsterblich machten. "Komm an mein liebreiches Herz, schöne Katze. Verbirg die Klauen der Tatze, wenn mein Auge naht", dichtete Charles Baudelaire (1821–1867). Detlef Bluhm: "Die entscheidende Wende kam Mitte des 19. Jahrhunderts mit Wissenschaftlern wie Alfred Brehm. Sie sorgten dafür, dass Katzen in Nachschlagewerken nicht mehr als falsche, gefährliche Wesen beschrieben wurden.“ Heute sind sie in Europa Wegbegleiter, in China Glücksbringer, in Südamerika ein vergöttertes Raubtier. Wer ihnen in die stolzen Augen schaut, spürt denselben Bann wie schon die Pharaonen: Ach, Mensch, du darfst dein Leben mit mir teilen.

Autor: Kai Riedemann