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Expedition Himalaja Königstiger in Bhutan
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Das Bild eines Königstigers in Bhutan konnte nur mit einer Kamerafalle eingefangen werden; Bild: © NDR/Henry Mix/NDR Naturfilm

TV-Doku "Expedition Himalaja"

Die letzten Königstiger im Himalaja

Dem Königstiger auf der Spur

Aufgeregt beschnuppert der Hund eine Stelle des Waldbodens. Dann schlägt er Alarm. Labrador Bruiser, spezialisiert auf das Erschnüffeln von Großkatzen, blickt seinen Begleiter triumphierend an. Schon ist der deutsche Naturfilmer Henry M. Mix (s. Bildergalerie) an seiner Seite, geht in die Knie und bestaunt den Fund: ein Büschel Haare. "Die sind von einem Tiger", ruft er euphorisch und winkt die Mitglieder seiner Expedition zu sich.

Bruiser bekommt zur Belohnung einen Tennisball, die Crew beugt sich begeistert über seine Entdeckung. "Wir sind auf der richtigen Spur!", freut sich Mix. "Die Reise nach Bhutan hat sich gelohnt!"

Königstiger in Bhutan

Bhutan ist ein kleines Himalaja-Königreich nördlich von Indien, in etwa so groß wie die Schweiz. Nur 700.000 Menschen leben hier, im "Land des Donnerdrachens", das lange von der Außenwelt abgeschlossen war. Jetzt könnte Bhutan für eine wissenschaftliche Sensation sorgen – zumindest hofft das Henry M. Mix. Der Tierexperte nimmt teil an der "Expedition Himalaja" (siehe TV-Tipp rechts), um einem Mythos auf die Spur zu kommen.

In den Höhen dieses Gebirgszuges will er den Königstiger finden, auch Bengal-Tiger genannt, die größte Unterart dieser Großkatzen neben dem russischen Amur-Tiger. "Meine sechswöchige Forschungsreise war die erste ihrer Art und musste in Bhutan vom König persönlich genehmigt werden", berichtet der Naturfilmer. "Ihr Ziel war es, zwei Fragen zu klären. Erstens: Leben die Großkatzen tatsächlich hier – oder sind 'Himalaja-Tiger' nur ein Mythos wie der Yeti? Zweitens: Dringen die Tiere in Höhen über 4000 Meter vor?"

Tigersuche führt vom Dschungel in den Schnee

Mix’ Suche beginnt in den subtropischen Regenwäldern an der Grenze zum indischen Assam und führt ihn über die Monsunwälder des Vorhimalaja hinauf in die Schneezone des höchsten Gebirges der Welt. Gemeinsam mit Expeditionsleiter Dr. Alan Rabinowitz, dem weltweit führenden Tigerexperten, muss Mix auf rund 150 Kilometern Strecke einen Höhenunterschied von knapp 5000 Metern bewältigen – anfangs bei 30 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit.

Mit Maultieren, Arbeitselefanten und Hubschraubern transportieren die Forscher ihre Ausrüstung durch die Bergwälder. "Wir mussten 30 Spezialkameras hinaufschleppen", so Mix zu HÖRZU. "Jede von ihnen ist ausgestattet mit Sensoren, die Bewegungen vor der Linse registrieren und daraufhin für etwa 30 Sekunden die Kamera auslösen."

Rettung für die Königstiger

Doch Ziel der Expedition ist es nicht nur, Königstiger aufzuspüren. Rabinowitz und Mix wollen auch einen "Tiger-Korridor" einrichten, eine Schutzzone für die bedrohten Tiere. "Sonst könnten sie in nur 20 Jahren für immer verschwunden sein", warnt Rabinowitz.

Für die Himalaja-Tour geht der Experte bis an seine Grenzen: Trotz unheilbarer Leukämie erklimmt er Höhenmeter um Höhenmeter. Die Reise nach Bhutan wird seine letzte sein, doch ihn treibt ein großes Ziel an: "Bevor ich die Diagnose Leukämie bekam, dachte ich oft: 'In zehn Jahren sollte ich mein Leben langsamer angehen.' Nun habe ich keine Zeit mehr dafür – und den Tigern bleibt auch nicht mehr viel Zeit."

Nur noch 1500 Königstiger in freier Wildbahn

Nur noch 3000 der majestätischen Großkatzen gibt es in freier Wildbahn, davon 1500 Königstiger. Allein im letzten Jahrhundert sind 98 Prozent der Art weltweit verschwunden. Die letzten Tiger leben gefangen in kleinen, isolierten Gebieten, in denen sie leichte Beute für Wilderer werden. Eine gute Chance bieten die Bestände am Fuß des Himalaja.

Rabinowitz: "Ich will beweisen, dass Bhutan mehr als nur Hoffnung für die Tiere bedeutet. Ich glaube, dass das Land sogar Vorbild für den Tigerschutz werden könnte. Mein Ansatz für die Rettung der Königstiger wäre es, die isolierten Reservate durch Korridore zu verbinden, damit sich die Tiger frei bewegen können. Die einzelnen, heute noch getrennten Gebiete würden dann zu einer großen Einheit verschmelzen. Bhutan könnte dabei das Herzstück bilden."

Königstiger vor der Kamera

Plötzlich stoppt der Wissenschaftler und bückt sich. Nach dem Haarbüschel hat er ein zweites Indiz für die Anwesenheit der Tiger gefunden – einen Kothaufen. Rabinowitz freut sich: "Damit hat eine Raubkatze ihr Revier markiert." Auch das nächste Puzzlestück – der Kadaver eines Yaks, der am Kopf noch unversehrt ist – gibt einen weiteren Hinweis auf die Existenz der Tiere: "Die meisten Raubkatzen fangen von hinten an zu fressen."

Kameramann Gordon Buchanan installiert eine versteckte Kamera neben dem Fund. Von nun an fungiert sie als Auge des "Expedition Himalaja"-Teams. Dass es hier Tiger gibt, ist nicht mehr fraglich. Nur noch: wie viele. Die ersten Aufnahmen werden auch das beantworten. "Nach zwei Wochen hielten wir elf Fotos von Königstigern in Händen", berichtet Mix. "Jetzt galt es herauszufinden, wie viele verschiedene Tiere die Bilder zeigten."

Das zu ermitteln war leicht: Die Streifenzeichnung des Fells ist so individuell wie der menschliche Fingerabdruck. "Als wir alles ausgewertet hatten, kamen wir auf etwa sechs bis sieben Tiger auf 100 Quadratkilometern", so Mix. "Einige der Aufnahmen entstanden sogar in über 4500 Metern Höhe!" Daraus schließt der Naturfilmer: "Tiger sind nicht nur reine Dschungeltiere, sondern vermehren sich auch in extremen Höhenlagen.

Bhutan könnte das fehlende Verbindungsstück für einen groß angelegten, 2000 Kilometer langen Tiger-Korridor sein. Stellt man sich diesen als Körper vor, könnte Bhutan das Herz bilden, das Blut durch den gesamten Organismus pumpt. Selbst wenn einige Körperteile abzusterben drohen, Bhutan hat das Potenzial, sie am Leben zu halten. Ja mehr: den ganzen Körper zu stärken. Unsere 'Expedition Himalaja' (s. Bildergalerie) hat sich gelohnt. Hier gibt es die letzten Königstiger!"

Fakten über Bhutan

  • 80 Prozent
  • des unabhängigen Königreichs Bhutan liegen auf einer Höhe von mehr als 2000 Metern. Das Land bietet beste Voraussetzungen für vitale Tigerpopulationen: etwa zusammenhängende Waldgebiete und eine Vielzahl von potenziellen Beutetieren. Zudem gibt es keine Wilderer.

  • 7541 Meter
  • erreicht der mächtigste Berg von Bhutan, der Gangkhar Puensum. Er ist der höchste bisher von Menschen unbezwungene Berg der Erde.

  • 2000 Kilometer
  • lang soll der "Tiger- Korridor" entlang des Himalaja werden. Sein Herz liegt in Bhutan. Die Tiere brauchen solche zusammenhängenden Ökosysteme, um stabile Populationen zu bilden.

    Autor: Mike Powelz