HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Königspinguine mit Küken

Königspinguinkolonie mit Küken. Bild: © picture alliance/WILDLIFE

Überleben im Eis

Die harte Kindheit der Königspinguine

Am Ende der Welt herrscht Radau. Die Brust stolz vorgeschoben, trompeten Hunderte Königspinguine mit weit geöffnetem Schnabel, was die Lungen hergeben. Der Chor der Männchen legt sich ins Zeug, um das Tosen des Windes zu übertönen, der hier am Volunteer Point, einer nasskalten Landzunge auf der östlichen Falkland-Insel, stürmisch pfeift.

"Diese Balzzeremonie ist ein erhabener Anblick, denn die Königspinguine wirken dank ihrer stattlichen Größe und ihres stolzierenden Gangs sehr majestätisch. Ganz anders als etwa die kleinen, quirligen Felsenpinguine", sagt Dr. Klemens Pütz, Direktor der Stiftung Antarctic Research Trust. 1999 auf den Falkland-Inseln gegründet, setzt diese sich für Erforschung und Schutz der antarktischen Fauna ein.

Pütz hat insgesamt 200 Königspinguine auf den Falkland-Inseln, auf Südgeorgien und anderen Archipelen der Subantarktis mit Sendern ausgestattet, die ihm Daten zu Standort, Tempo, Tauchtiefe oder Nahrung liefern.

Die Balz der Pinguine

Schon im Oktober tappen die ersten Königspinguine gemessenen Schrittes an Land. Im November und Dezember balzt dann der ganze von Hunderten weißen Bäuchen besiedelte Strand. Eine Massendemo im Frack. Mit ihren leuchtend orangefarbenen Flecken an Kopf, Schnabel und Brust gehören die Königspinguine zu den Prächtigsten ihrer Spezies. Nur vom Kaiserpinguin werden sie überragt.

Für das Vorspiel lassen sich die fast einen Meter großen, rund 13 Kilo schweren Seevögel bis zu zwei Wochen Zeit. Im Unterschied zu ihren Verwandten brauchen sie über ein Jahr, um ein Küken großzuziehen. "Deshalb sucht jeder einen besonders starken Partner", sagt Biologe Klemens Pütz.

Königspinguine bebrüten ihr einziges Ei auf den Füßen in ihrer Bauchfalte. Beim Schichtwechsel schieben die Eltern ihre Bäuche aneinander und rollen das Ei vorsichtig auf die Füße des ablösenden Vogels, der es sofort mit seiner warmen Bauchfalte zudeckt.

Die Aufzucht der Pinguinküken

Nach 55 Tagen schlüpft im Januar ein einziges Küken, das abwechselnd zwischen den Beinen von Mutter oder Vater gewärmt wird. Selbst in riesigen Kolonien – auf Südgeorgien leben ungefähr 450.000 Brutpaare – kennt und verteidigt jeder Pinguin seinen Grund und Boden mit Schnabelhieben und Flügelschlägen gegen Artgenossen und dreiste Seemöwen. Gesunde, erwachsene Pinguine haben an Land keinerlei Feinde.

Nach sechs Wochen können die Küken, denen ein teddybraunes Daunenkleid gewachsen ist, ihre Temperatur selbst halten. Die Eltern schwimmen jetzt immer weiter zu lohnenden Fischgründen und lassen ihr Junges oft tagelang allein. Nur einige erwachsene Aufpasser bleiben zurück im „Kindergarten“ der Pinguine.

Bei Schneesturm rücken manchmal Tausende Küken zusammen und wärmen sich gegenseitig. Währenddessen legen ihre Eltern auf der Suche nach Leuchtsardinen und Tintenfischen problemlos hundert Kilometer am Tag zurück – bei einem kraftsparenden Tempo von acht Stundenkilometern.

Pinguine auf Beutezug

"Wie ein Auto im fünften Gang", erklärt Pütz, der mehr über die Tauchkünste der Seevögel erfahren wollte und auf dem Rücken mehrerer Tiere kleine Fahrtenschreiber anbrachte. Ergebnis: Die Vögel passen ihren Eintauchwinkel und ihre Geschwindigkeit der Tiefe und Dichte des Fischschwarms an, den sie anpeilen. "Sie schwimmen nicht einfach auf gut Glück, sondern planen ihren Beutezug minutiös", so Pütz.

Königspinguine tauchen mühelos sechsmal pro Stunde auf 350 Meter ab, sogar über 400 Meter wurden schon gemessen. Nur Kaiserpinguine gehen tiefer.

Weil Königspinguine das Futter für ihre Küken oft aus großer Distanz heranschaffen müssen, arbeiten sie mit einem Trick. "Sie schalten ihren Magen dann vom Hochverbrennungsmotor auf Kühlschrankmodus", erklärt Pütz.

Fressen die Vögel für den Eigenbedarf, setzen sie die Energie schnell in Fett und Leistung um. Wollen sie ihre Beute dagegen "zum Mitnehmen" für die Küken präparieren, erzeugt der Magen weniger Säure, Wärme und Muskelbewegungen, sodass sie den Fischbrei auch nach langem Rückweg noch hervorwürgen können. So päppeln die Eltern ihr Küken bis Mai auf etwa zwölf Kilo hoch – um es dann vor eine noch härtere Prüfung zu stellen.

Die harte Kindheit der Pinguine

Im antarktischen Winter schwimmen Vater und Mutter zu weit entfernten Fischgründen und lassen ihren Schützling zurück. Nur auf sich allein gestellt trotzen die Kleinen Stürmen, Schnee und Frost – und hungern, bis die Altvögel wiederkommen. Manchmal fünf Monate lang.

Zum Glück können junge Königspinguine bis zu 70 Prozent Fettverlust verkraften. Erst ab vier Kilo Körpergewicht wird es lebensbedrohlich. Auf den Falkland-Inseln überleben 90 Prozent der Jungen, bis im September die Eltern zurückkehren und das große Füttern und die Mauser beginnen.

Mit neuer Fettschicht und eng anliegendem kurzem Gefieder, dem typischen "Butler-Look", sind die Halbstarken nun gut gewappnet für das kalte Südpolarmeer. Ihre "Taucheranzug" imprägnieren sie mit Öl aus der Bürzeldrüse. Zum Jahreswechsel tappen dann die ersten Jungpinguine ins Meer. Erst nach fünf Jahren werden sie zurückkehren, um dann – äußerst lautstark – eine eigene Familie zu gründen.

  • 5 Pinguinarten
  • Vom flinken Esel bis zum frostfesten Kaiser: die fünf interessantesten Vertreter der 18 Pinguinarten.

    Kaiserpinguin - Aptenodytes forsteri

    Seine Majestät trägt den Titel zurecht: Der Kaiser ist der größte, südlichste und frosttauglichste aller Pinguine. Als Überlebenskünstler im Eis läuft er über 100 Kilometer zu seinen Brutstätten auf der Antarktischen Halbinsel, trotzt Schneestürmen und wochenlanger Kälte von minus 70 Grad Celsius.

    Eselspinguin - Pygoscelis papua

    Langsam oder grau wie ein Esel? Mitnichten. Eselspinguine haben einen roten Schnabel und orangefarbene Füße. Droht ihnen im Wasser Gefahr, flitzen sie mit bis zu 40 Stundenkilometern davon wie Torpedos. Alle größeren Pinguine sind ähnlich schnell, kleinere dagegen deutlich langsamer. Ihren Namen verdanken sie den eselsartigen Rufen.

    Goldschopfpinguin - Eudyptes chrysolophus

    Unverkennbar ist er durch seine fingerlangen Prachtfedern auf dem Kopf. Der Goldschopfpinguin fällt auch durch seine ungewöhnliche Rollenverteilung während der Brutzeit auf: Als Hausmann hudert nur der Vater das Küken, während die Mutter auf Futtersuche geht. Erst wenn der Nachwuchs allein bleiben kann, gehen beide Eltern auf die Jagd.

    Magellanpinguin - Spheniscus magellanicus

    Typisch für die an den Küsten Südamerikas lebenden Tiere ist das weiße Band am Kopf. Magellanpingiune sind Häuslebauer und graben ihre Bruthöhlen metertief in lehmige Böden. Sie zeigen aber auch südamerikanisches Temperament: Immer wieder behacken sie sich untereinander. Feinde verjagen sie mit aufgestellten Federn und wildem Geschrei.

    Galápagospinguin - Spheniscus mendiculus

    Dieser Verteter der Brillenpinguine ist ein seltener Winzling. Einzig der Zwergpinguin ist mit gerade mal 30 Zentimeter Körpergröße noch kleiner. Nur noch etwa 1200 Tiere des vom Aussterben bedrohten Galápagospinguins leben auf dem gleichnamigen Archipel im Pazifik auf Höhe des Äquators und somit in tropischen Breiten, die aber vom kalten Humboldtstrom abgekühlt werden.

    Autor: Dagmar Weychardt