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Vereint: Die ersten Monate klammert sich das Kleine am Fell fest.

Die ersten Monate klammert sich das Kleine am Fell der Mutter fest. Bonobobabys brauchen viel Liebe. Bis zu vier Jahre werden sie gesäugt. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Wilderer bedrohen die Zwergschimpansen

Die Bonobos

Bonobos sind verschmust, friedliebend und klug in Konflikten: weil bei ihnen die Weibchen das Sagen haben. Doch gegen Wilderer sind auch sie machtlos.

Wer sich in den Regenwald wagt, hört sie schon von Weitem. Leise sind Bonobos nicht. Die Affen kreischen, streiten, rütteln an den Ästen. Trotzdem fliegen keine Fetzen. Denn die Zwergschimpansen gehören zu den friedlichsten Menschenaffen. Vielleicht liegt das an einer Besonderheit: Bei den Bonobos haben die Frauen das Sagen. Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie untersuchten das Phänomen nahe dem Salonga-Nationalpark. In einem Schutzgebiet, das mit 36.000 Quadratkilometern so groß ist wie Baden-Württemberg, finden die Affen hier im Kongo eine letzte Zuflucht.

Was Bonobo-Weibchen mächtig macht

Bekannt war bereits, dass jeweils bis zu 120 Bonobos zusammenleben. Innerhalb dieser Gemeinschaften gibt es Kleingruppen, die durchs ganze Territorium ziehen. Im Gegensatz zu den "Männercliquen" der größeren Schimpansen verbünden sich bei den Bonobos die Weibchen. Auch beim Fressen haben sie meist den Vortritt. Ihr Erfolg, so stellten die Forscher verblüfft fest, beruht auf einem alten Trick: Attraktivität.

Zeigten die Weibchen sexuelle Bereitschaft, triumphierten sie im Streit leichter. Die Männchen wurden sanft. Imponiergehabe? Keine Chance gegen Lust und Empfängnisbereitschaft. "Sie waren zu diesen Zeiten von sich aus weniger aggressiv", betont Martin Surbeck, ein Mitautor der Studie. Auch gewannen die Weibchen alle Konflikte, in denen ihr Nachwuchs bedroht war. Motto: Leg dich nicht mit Mama an!

Fast schon paradiesisch wirken die Bilder aus den Tieflandregenwäldern: Hoch im Geäst basteln sich Bonobos mit Zweigen und Blättern ihre Tag- und Schlafnester. Sie genießen Früchte, Nüsse, Kräuter, Samen, Blüten, Mark und Rinde. Ab und zu runden auch Termiten oder Würmer den Speiseplan ab. Und immer wieder wird gekuschelt, geschmust, gestreichelt – fast wie in einer Hippiekommune.

Der Nachwuchs ist stets dabei. Er festigt die Macht der Mütter. Denn Bonobobabys brauchen viel Liebe. Bis zu vier Jahre werden sie gesäugt. Bei gewagten Kletterpartien klammern sie sich an Mamas Bauch, reiten wie ein Jockey auf ihrem Rücken, toben sich später in Spielgruppen aus. Bis zu zehn Jahre genießen sie mütterliche Fürsorge. Die Männchen bleiben sogar lebenslang in ihrer Großgruppe. Nur die Weibchen wechseln in die Fremde – um dort andere Männer zu betören.

Doch auf dieses Paradies fallen Schatten. Gut organisierte Wilderer machen im Kongobecken Jagd auf alles, was sich bewegt. Nicht mal das Refugium der Bonobos ist vor ihnen sicher. "Die Demokratische Republik Kongo ist momentan nicht in der Lage, das riesige Gebiet zu schützen", beklagt Johannes Kirchgatter, WWF-Projektleiter für den Salonga-Nationalpark. Die Naturschutzorganisation will die Ranger in Zukunft unterstützen. Ein Hoffnungsschimmer.

Autor: Kai Riedemann