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Nachwuchs: Das Weibchen legt nach der Paarung fünf bis sieben Eier.

Nachwuchs: Das Weibchen legt nach der Paarung fünf bis sieben Eier. Bald nach dem Schlüpfen teilen sich die Eltern die Futtersuche. - Foto © picture-alliance/ dpa

TV-Tipp: Doku um 19:30 Uhr auf Arte

Der Wiedehopf

Tolle Haube, grelles Muster: Dabei will der Wiedehopf nicht immer auffallen. Der Federschmuck ist auch perfekte Tarnung.

Mit einer Grille im Schnabel landet der Wiedehopf neben der Auserwählten. Der Hahn wirft sich in Pose, stellt seine glänzende Federhaube steil auf, nickt ihr zu und präsentiert so die Grille, sein Brautgeschenk. Seine Botschaft: Schau her, ich bin ein starker, gesunder Ernährer. "Doch sie guckt überallhin, nur nicht zu ihm", sagt Engelbert Mayer, Wiedehopf- Beauftragter der Nabu-Ortsgruppe am Kaiserstuhl, dem sonnenverwöhnten Mittelgebirge Baden-Württembergs.

Die perfekte Tarnung des Wiedehopfs

Dort hat Mayer schon viele solcher Vogelhochzeiten beobachtet. Das Weibchen lässt den Verehrer schmoren. Dabei ist der Wiedehopf mit seiner gepunkteten Irokesenfrisur und dem kontrastreichen Zebramuster ein echter Hingucker. Auch sein gaukelnder Flugstil wirkt spektakulär: Er bewegt sich ruckartig nach Schmetterlingsart, erreicht dabei aber rasante 40 Stundenkilometer. Das imposante Federkleid dient erstaunlicherweise auch der Tarnung. Auf vulkanischem Lössboden hebt sich die rötliche Grundfarbe kaum ab. Wenn ein Greifvogel naht, breitet der Wiedehopf zudem die Flügel aus, sodass die Vogelkontur verschwimmt. Das extravagante Tier ist also gut getarnt.

Vogel Wiedehopf

Der Wiedehopf liebt Höhlen als Nistplätze und viel Sonne. - Foto © picture alliance / dpa

Nur zur Balz verrät es sein lauter Dreisilber "Hup-Hup-Hup". Das Werben braucht Zeit: Hat sich das Weibchen dem Verehrer zugewandt, legt sie ihrerseits den Schnabel um das Beutegeschenk. Schnabel an Schnabel schieben die beiden nun ihre Köpfe mehrmals vor und zurück. Dann folgt eine weitere schwere Prüfung für den Hahn: die Wohnungsbesichtigung. Unter lauten Rufen lädt er sie in die von ihm gewählte Behausung ein. Gefällt das Domizil, legt das Weibchen nach der Paarung fünf bis sieben Eier. Bald nach dem Schlüpfen teilen sich die Eltern die Futtersuche.

Der Wiedehopf ist vom Aussterben bedroht

Noch bis in die 50er-Jahre war der Wiedehopf fast in ganz Eurasien und Afrika verbreitet. Er bevorzugt wärmere Lagen und offene Landschaften mit alten Bäumen, etwa Streuobstwiesen. Doch der Vormarsch der Städte, Insektizide, die Flurbereinigung und die gezielte Vogeljagd mit Fangnetzen in Afrika ließen die Bestände schrumpfen. Vor 25 Jahren brüteten nur noch drei Paare am Kaiserstuhl. Bis heute gilt die Art als bedroht. "Nahrung gab es bei uns immer genug, aber es fehlte an Nistplätzen", erklärt Mayer.

Auch am Kaiserstuhl mit seinen typischen Weinterrassen hatte man alte Bäume gefällt und Holzstapel entfernt – die natürlichen Brutplätze der schönen Zugvögel. Also starteten Mayer und seine Mitstreiter eine Rettungsaktion. Sie montierten breite Nistkästen in niedriger Höhe – über die Jahre wurden rund 300 solcher Behausungen in kleine Rebhütten geschraubt und das Einflugloch durch die Wand gebohrt. Höhere Standorte sind schon von Staren und Meisen besetzt, wenn der Wiedehopf Ende März aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurückkehrt. Das Wohnungsprogramm hat Erfolg: Am Kaiserstuhl brüten heute rund 100 von bundesweit etwa 400 Wiedehopfpaaren.

TV-Tipp: "Die Rückkehr des Wiedeshopfs"

Ein ähnliches Projekt gibt es in Österreich am Höhenzug des Wagram. Die Filmemacher der bildgewaltigen Doku "Die Rückkehr des Wiedeshopfs" (siehe TV-Tipp rechts) haben einen Vogelschützer im Donautal durch die Saison begleitet. Der Film zeigt auch die kuriose Verteidigungsstrategie der Jungvögel: In den niedrigen Nistkästen sind die Küken besonders gefährdet – aber nicht wehrlos. Wenn sich ein Fuchs oder Marder nähert, wenden ihm die Nestlinge ihre entblößte Kehrseite zu und "beschießen" ihn aus der Bürzeldrüse. Ihre Munition: ein übel riechendes, mit Kot vermischtes Sekret.

Der Geruch dieser "Stinkbomben" verschlägt Angreifern Atem und Appetit. "Deshalb heißt der Wiedehopf bei uns auch Stinkbübbler", erklärt Mayer. Der neue alte König am Kaiserstuhl – extravagant von Kopf bis Bürzel. In der Saison 2013 gab es hohe Verluste durch einen ganz anderen Feind: das Wetter. Wegen des kalten und nassen Frühjahrs flogen kaum Insekten, nur wenige Bruten hatten Erfolg. Immerhin: Einige Paare legten im Juli nach.

Noch im August konnte Engelbert Mayer einen Jungvogel bei Flugübungen beobachten, spätestens im September zog der letzte gen Süden. Auf lange Sicht aber breitet sich der Wiedehopf wohl zaghaft aus. "Ich bekomme immer mehr Anrufe aus benachbarten Kreisen, weil ein Wiedehopf gesichtet wurde und nach Nistkästen gefragt wird."

Autor: Dagmar Weychardt