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Wanderfalke in Hamburg

Ein Wanderfalke vor der Nikolaikirche. Die Innenstadt ist das Jagdrevier des schnellsten
Vogels der Welt. - Foto: NDR / © NDR/Thoralf Grospitz/Jens Westphalen

Naturdoku "Wildes Hamburg"

Der Wanderfalke

Große Augen, flinke Flügel! Der Wanderfalke hat ein Erfolgsrezept: Er ist der schnellste Vogel der Welt.

Aufgeräumt sieht anders aus. Im Kinderzimmer der Weltrekordler stapeln sich Federn und Knöchelchen. Reste der letzten Mahlzeit. Denn hier oben im Turm des Alten Regensburger Rathauses haust ein Wanderfalkenpaar mit seinem Nachwuchs.


TV-Tipp

Fr. 11.07.: "Wildes Hamburg" - Naturdoku über Tiere in der Großstadt, unter anderem über Wanderfalken; Arte, 19.30 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts)


40 Tage sind seit dem Schlüpfen vergangen, da wagt der erste Jungvogel den Abflug. Mit hastigen Flügelschlägen geht es himmelwärts, im Sturzflug hinab, um dann noch einige Runden um den Turm zu drehen. Schon nach kurzer Zeit werden die Nesthocker zu Akrobaten der Lüfte. Wie ihre Eltern. Denn Falken sind die schnellsten Jäger der Welt! Welche Spitzengeschwindigkeiten diese flinken Greifvögel wirklich erreichen, weiß niemand genau. "Wissenschaftlich fundiert sind Radarmessungen, die 180 bis 190 Stundenkilometer ergaben", sagt Ulrich Lanz vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Bei Messungen etwa für die TV-Sendung "Galileo" zeigten die GPS-Instrumente sogar bis zu 351 Stundenkilometer an.

Die Jagd der Wanderfalken

Für die Jagd spielen solche Rekorde aber kaum eine Rolle. Die Erfolgsstrategie ist viel komplexer. Meist kreist der Wanderfalke über der Landschaft oder lauert auf einem erhöhten Posten. Felsen und Bäume bieten die beste Aussicht. Mit den seitlich am Kopf sitzenden Augen hat der Jäger einen idealen Rundumblick. Die Dichte seiner Sehzellen liegt bis zu achtmal höher als beim Menschen, so kann er seine Beute noch aus mehr als einem Kilometer orten. Im Visier: Tauben, Drosseln, Möwen – eigentlich alles, was fliegt und nicht zu groß ist. Kaum taucht ein lohnendes Ziel in der Nähe auf, hebt er ab, und das Jagdmanöver beginnt. Ulrich Lanz: "Erst beschleunigt der Wanderfalke in der Horizontalen. Mit kurzen, schnellen Flügelschlägen nimmt er Tempo auf und geht dann in den Sturzflug über."

Vom Boden aus ist der Angreifer leicht zu erkennen: lange, spitze Flügel, relativ großer Kopf, gerundeter Schwanz. Das Opfer in der Luft sieht davon nichts. Geschickt nutzt der Wanderfalke den toten Winkel, um sich seiner Beute zu nähern. Leicht schräg geht's abwärts, die Flügel angelegt, der Körper aerodynamisch perfekt gestreckt. Erst kurz vor dem Ziel bremst er ab. Dann der Aufprall. Mit geschlossenen, nach vorn gerichteten Fängen trifft der Raubvogel die ahnungslose Taube – ein Boxhieb mit Bodycheck. Sie trudelt, oft bewusstlos oder schwer verletzt. In einer Kurve kehrt der Wanderfalke zurück, ergreift den fallenden Vogel, tötet ihn mit einem Nackenbiss und bringt ihn zu einem geeigneten Rupfplatz. Guten Appetit!

Fürs Jagdglück passt der Wanderfalke seine Strategie dem Flug der jeweiligen Beute an. Mal nähert er sich im Flachstoß von unten, mal durchstößt er einen Vogelschwarm immer wieder von allen Seiten. Die Gejagten haben trotzdem Chancen. Entdecken sie den Angreifer rechtzeitig, weichen sie aus oder fliegen enge Kreise. Denn wendig ist der Superjäger nicht. Bei seiner atemberaubenden Geschwindigkeit kann er die Flugbahn nur schwer korrigieren.

Wanderfalken in der Stadt

Die Strategie des Wanderfalken ist aber so erfolgreich, dass er alle Kontinente erobert hat – außer der Antarktis. Einzigartig im Reich der Raubvögel! Er kann in nahezu jeder Landschaftsform überleben. Hauptsache, es flattern genügend Beutevögel durch die Lüfte. Nur beim Brüten wird’s komplizierter. Wanderfalken bauen keine Nester. "Traditionell brüten sie in Felswänden etwa der Mittelgebirge und Alpen", erklärt Experte Ulrich Lanz. "Doch in den letzten 20, 30 Jahren weichen sie vermehrt auf 'künstliche Felsen' aus. Vom Kraftwerksturm bis zur Autobahnbrücke gibt es viele Möglichkeiten." Sie suchen sich einfach einen geeigneten Platz – wie eben den Turm des Rathauses in Regensburg.

Autor: Kai Riedemann