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Feldhamster

Der Feldhamster: ein kluger kleiner Kerl - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Klug und eine echte Kämpfernatur

Der Überlebenskampf der Feldhamster

Einschüchtern lässt er sich nicht. Steht der Feldhamster einem Rivalen gegenüber, macht er sich so groß, wie er nur kann: Mutig stellt er sich auf die Hinterbeine, um seine vollen 30 bis 40 Zentimeter Körpergröße aufzurichten, bläst die Backen auf, springt hoch, fletscht die Zähne und knurrt. Ein so energisches Auftreten traut man dem großen Bruder des Goldhamsters auf den ersten Blick gar nicht zu.

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Leben unter der Erde

Feldhamster legen ihren Bau in Böden an, die breite Löss- und Lehmschichten bieten. Normalerweise gibt es mehrere schräge Ein- und Ausgänge sowie weit verstreute senkrechte Fallröhren für den Notfall. Der Bau ist gegliedert wie eine Mehrzimmerwohnung: in Schlaf- und Wohnkessel, Vorratskammern und Kotraum. Im Spätherbst gräbt sich der Feldhamster tiefer in die Erde und verstopft die Zugänge zum Bau, um Winterruhe zu halten.

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Tatsächlich ist Angriff für ihn nur die zweitbeste Verteidigung. Zwar muss der Feldhamster sein Revier gelegentlich vor eindringenden Artgenossen schützen, doch ehe es zum ernsthaften Kampf kommt, zieht sich der Schwächere meist zurück. Auch wenn er gefährliche Fressfeinde wie Greifvögel wittert, tritt der Feldhamster schnell die Flucht in seinen Bau an. Dafür hat er sich strategisch geschickt viele senkrechte Fallröhren gegraben, in denen er blitzartig verschwinden kann. Überhaupt ist sein Bau gut durchdacht und klug strukturiert: Er besteht aus mehreren "Kammern" und "Kesseln", die alle spezielle Funktionen haben.

So lebt der kleine Nager sehr hygienisch: mit separater Toilette. Und gut klimatisiert: im Sommer etwa einen Meter unter der Erde, im Winter mindestens zwei. Doch weder die ausgeklügelten Fluchtwege noch seine Kämpfernatur können den Feldhamster vor seinem größten Feind schützen: dem Menschen. Noch bis in die 70er-Jahre galten die Tiere, die einst zu den häufigsten Kleinsäugern Deutschlands gehörten, als ernteschädigende Plage und wurden von der Landwirtschaft massiv bekämpft. "Erst seit den 90er-Jahren steht der Feldhamster unter Schutz und wird heute als stark gefährdet eingestuft", sagt Margit Meergans von der Deutschen Wildtierstiftung.

Zwar dürfen die Tiere jetzt nicht mehr gefangen oder getötet werden, doch leicht haben sie es trotzdem nicht: "Die Felder werden mittlerweile so extrem schnell und effektiv abgeerntet, dass die Hamster dort weder optischen Schutz noch geeignete Nahrung finden", sagt die Expertin. Obwohl sie bei ihrem Futter eigentlich nicht wählerisch sind: Neben Samen, Kernen und Nüssen fressen Feldhamster gern krautige Pflanzen, Früchte, ja sogar Insekten, Larven und kleine Vögel. Das Problem ist die Menge: Für ihre Winterruhe müssen sie zusätzlich zu ihrem täglichen Bedarf zwei bis vier Kilo Nahrung "hamstern".

Das Futter sammeln sie in ihren sprichwörtlich gewordenen Hamsterbacken und legen es dann in ihrer Vorratskammer ab, indem sie sich mit den Pfoten über die Backentaschen streichen. Weil ihre Ausbeute oft jedoch nicht mehr ausreicht, verhungern immer wieder Jungtiere. Viele Feldhamster werden inzwischen nur noch ein Jahr alt. Um den Tieren zu helfen, fördert die Deutsche Wildtierstiftung eine 100 Hektar große Projektfläche in Baden-Württemberg, wo außerhalb der Hauptverbreitungsgebiete in Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nun eine weitere vitale Population lebt. "Sechs Landwirte konnten wir von einer hamstergerechten Bewirtschaftung überzeugen", so Margit Meergans. "Sie lassen beim Mähen ihrer Getreidefelder einen Randstreifen als möglichen Rückzugsort stehen und fahren den herbstlichen Stoppelumbruch erst im Oktober, wenn die Tiere schon in der Winterruhe unter der Erde sind."

Für die wirtschaftlichen Nachteile, die den Bauern entstehen, erhalten sie entsprechende Ausgleichszahlungen. Der Erfolg wird demnächst mit einer Zählung überprüft. "Wir freuen uns zwar schon darüber, dass die Population nicht ausgestorben ist, hoffen aber natürlich auf eine Vergrößerung der Gruppe", so Projektmanagerin Meergans. Dann soll es weitere Schutzgebiete geben. Beim Überlebenskampf ist der Feldhamster nicht mehr allein.

Foto © dpa Picture-Alliance GmbH
Foto Flashbühne © dpa Picture-Alliance GmbH

Autor: Melanie Schirmann