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Seeadler

Die Flügel des mächtigen Seeadlers erreichen eine Spannweite von 2,60 Meter. / Fotos: © picture alliance / Arco Images GmbH

TV-Tipp: "NaturNah - Musketiere des Königs"

Der Seeadler kehrt zurück

Ein wahrer König kennt keinen Stress. Stundenlang sitzt der Seeadler auf der knorrigen Eiche am Ufer, den Blick aufs Wasser gerichtet. Schließlich breitet der geschickte Jäger die Schwingen aus, steigt hoch – und stürzt sich mit vorgestreckten Krallen auf den Fisch.

"So ein Seeadler strahlt majestätische Ruhe aus", schwärmt WWF-Experte Thomas Neumann. "Einmal am Tag fliegt er vielleicht los und holt sich Beute. Ansonsten ist er einfach nur Herrscher über sein Revier." Wer dem 65-jährigen Naturschützer zuhört, spürt, dass er Europas größtem Greifvogel verfallen ist: "Dieser mächtige Reißhakenschnabel und dann dieses kühne gelbe Auge – da steckt Kraft und doch viel Gelassenheit drin."

Vielleicht ist es diese Ausstrahlung, die den Seeadler zum Wappenvogel von Städten und Staaten wie Österreich machte – und gleichzeitig zum Opfer. "Die Menschen waren von der Erhabenheit des Vogels beeindruckt, sahen in ihm aber auch stets den Feind", erklärt Neumann. Gnadenlos wurde der Seeadler gejagt, bis er vor 100 Jahren bei uns fast ausgerottet war. Nur in Mecklenburg-Vorpommern, dem für die Greifvögel idealen Land der tausend Seen, überlebten einige Paare.

Es ist Tierschützern wie Thomas Neumann zu verdanken, dass heute in Deutschland wieder rund 650 Seeadlerpaare brüten. "Wer Glück hat, erlebt sogar die Balz der imposanten Tiere", erzählt der Experte der Umweltstiftung WWF. "Dann schallt es durch den Wald, ein wahres Schmettern von Stimmen." Vor allem in der Morgenund Abenddämmerung erklingt das hohe, leicht heisere Duett.

Seeadlerpaare führen "Dauerehen" und bleiben das ganze Jahr über in ihrem Revier. Meist bauen sie ihre Horste auf hohen alten Bäumen, verteidigen sie wehrhaft gegen fremde Adler und nutzen sie jahrzehntelang. Deshalb kann so ein Horst einen Durchmesser von zwei Metern und ein Gewicht von 600 Kilogramm erreichen.

Mitte Februar bis Anfang April beginnt die Brutzeit. Früher hieß das: harte Arbeit auch für Seeadlerfreunde. Denn ab den 1970er-Jahren hielten sie Wache in den Wäldern, beschützten die Nester vor Störenfrieden und Eierdieben. "Das ist heute nicht mehr nötig und auch undurchführbar", sagt Experte Neumann. "Die meisten Seeadler leben in National- und Naturparks. Dort gibt es glücklicherweise Horstruhezonen. Kein Holzeinschlag stört die Adler zur Brutzeit."

Gefahr gebannt? Nicht ganz. Bedrohten früher die Jagd und das inzwischen verbotene Pflanzenschutzmittel DDT die Tiere, gehen heute immer noch einige an ausgelegten Giftködern oder Bleivergiftung zugrunde. Die Greifvögel erbeuten zwar Fische und Wasservögel, stürzen sich aber auch auf geschossenes Wild. Ihre Magensäure zersetzt die Bleimunition – eine auf Dauer tödliche Dosis.

Es wird noch dauern, bis der Seeadler endgültig im Aufwind ist: "Wenn der mächtige Vogel mit 2,60 Meter Spannweite über einem kreist", schwärmt Thomas Neumann weiter, "dann wirken die breiten durchgehenden Flügel wie ein Brett." So spricht nur ein Mann mit echtem Adlerblick.

Autor: Kai Riedemann