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Auch in Hochlagen der Alpen ist der Rothirsch heimisch.

Bergwanderer: Auch in Hochlagen der Alpen ist der Rothirsch heimisch. - Foto © picture alliance / blickwinkel/S

TV-Tipp: Expeditionen ins Tierreich

Der Rothirsch

In der Ruhe liegt die Kraft: Im Winter setzt der mächtige Rothirsch voll aufs Energiesparen. Wenn Sie ihn treffen sollten: Psst! Bitte nicht stören.

Schneeflocken tanzen, still ruht der Winterwald. Nicht mal der mächtige Rothirsch lässt von sich hören. Noch im Herbst punktete er als echter Brüller bei den Damen, jetzt ist Schonung angesagt. Ganz schön anstrengend, so eine Brunft. Und weil bei eisigen Temperaturen auch der Tisch nur spärlich gedeckt ist, greift der König der Wälder zu einem Trick: Er stellt auf Energiesparmodus um.

Winter Rothirsch
Foto © picture alliance / Reiner Bernha

"Partielle Winterruhe lautet der Fachbegriff", erklärt Rotwildexperte Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung. "Der Hirsch fährt seinen Stoffwechsel stundenlang so weit herunter, dass sein Körper auf Sparflamme läuft." Das Herz schlägt nur noch 40- statt 60- bis 70-mal in der Minute, die Körpertemperatur sinkt, der Atem geht flacher. Manchmal verharren die Tiere sogar fast bewegungslos auf der Stelle.

Bedrohung für den Rothirschen

Wer im Winter durch verschneite Wälder wandert, merkt davon allerdings wenig. Schlafende Hirsche unter Tannenzweigen? Keine Chance. Denn schon bei der geringsten Störung ist es vorbei mit der ersehnten Ruhe. Andreas Kinser: "Überall sind heutzutage Spaziergänger, Skilangläufer oder Mountainbiker unterwegs. Für die Tiere wird das zum ernsten Problem." Denn sie brauchen enorm viel Energie, um den Körper wieder hochzufahren und zu flüchten. Dazu kommt die Bedrohung durch die Jagd. Stress pur, wenn es irgendwo knallt. "Deshalb fordern wir, dass nach dem 31. Dezember Rotwild nicht mehr gejagt werden darf", sagt der Wildtierexperte.

Um die Körperheizung wieder mit Brennstoff zu versorgen, müssen die Tiere mehr fressen. Notgedrungen knabbern sie dann auch an jungen Bäumen und Rinden – Wildschäden, die für den schlechten Ruf des Rotwilds sorgen. Zumindest bei Jägern. Für den Energiesparmodus würden Flechten, Moose, Gräser reichen, die unter der Schneedecke liegen.

Winter Rothirsch
Foto © picture alliance / blickwinkel/S

Hart wird die Winterzeit vor allem für den Nachwuchs. Die Kälber sind erst im Mai oder Juni zur Welt gekommen und noch lange nicht reif für große Abenteuer. Bis zu neun Monate nuckeln sie Mamas Milch, also noch weit in den frostigen Februar hinein. Ihre körperliche Entwicklung endet sogar frühestens im fünften Lebensjahr. Andreas Kinser: "Die Bindung zwischen Alttier und Kalb ist so eng, dass es unbedingt weiter der Führung bedarf." Die Kleinfamilien bestehen meist aus der Mutter, einem im Mai geborenen Kalb und einem Jungtier aus dem Vorjahr. Sie schließen sich mit anderen Familien zu Kahlwildrudeln zusammen.

Ein König im Exil

Kahlwild? So heißen die weiblichen Rothirsche in der Fachsprache, weil sie kein Geweih tragen. Die männlichen Tiere bilden eigene Rudel oder streifen als Einzelgänger durch den Wald. Auch sie werden übrigens bald kahl: Zwischen Februar und April, wenn der Testosteronspiegel der Machos am niedrigsten ist, werfen sie ihre gewaltigen Geweihe ab. Die Abbruchstelle schließt sich in wenigen Stunden mit einer Hornschicht, und ein neues Geweih wächst. Dafür müssen bis zu 15 Kilo Knochenmasse gebildet werden.

Auf der Futtersuche wandern Rothirsche durch die romantische Winterlandschaft – und stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. "In sechs Bundesländern ist die Ausbreitung per Gesetz verboten", erklärt Andreas Kinser. Vor allem Bayern und Baden-Württemberg nehmen unserem größten Wildtier die Freiheit. Nur innerhalb amtlich festgelegter Gebiete darf der Hirsch noch eine echte Majestät sein.

Autor: Kai Riedemann