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Ein junger Rotfuchs schaut neugierig in die Welt.

Ein junger Rotfuchs schaut neugierig in die Welt. Füchse sind keine Einzelgänger, helfen sich sogar bei der Aufzucht der Jungen. - Foto © picture-alliance / dpa

Meister der Anpassung

Der Rotfuchs

Es ist Berlins verrückteste Wohngemeinschaft. Am Rande eines Parkplatzes, ganz in der Nähe des Kanzleramtes, lebt ein Fuchs in seinem Bau – zusammen mit Kaninchen. "Der Fuchs weiß offenbar nicht, wie gut die schmecken", sagt Derk Ehlert, Wildtierbeauftragter des Senats. "Das ist einmalig in der Welt." Seit vier Jahren schon gehen die Tiere hier ein und aus, tagsüber die Kaninchen, nachts die Füchse. Ein besonderer Burgfrieden. Und ein Beweis dafür, dass die Räuber mit dem roten Fell ihrem Ruf nicht immer gerecht werden. Denn der ist schon seit Jahrhunderten nicht der beste.

In Märchen spielt "Reineke Fuchs" fast immer den Dieb oder Verräter. Dass er schlau sei, ist das Netteste, was man über ihn erzählt – aber damit ist oft etwas anderes gemeint: clever, gerissen, falsch. Tatsächlich ist der Rotfuchs, der mit mehr als 40 Unterarten beinahe auf der gesamten nördlichen Halbkugel und in Australien vorkommt, vor allem eines: nicht wählerisch. Ob Kaninchen oder Katzenfutter, Rebhuhn oder Regenwurm, sogar Aas und Abfall – der Fuchs frisst einfach alles. Er ist ein Nahrungsopportunist – und auch das klingt ja nicht wie ein feiner Charakterzug.

Der Rotfuchs hat sich ans Stadtleben gewöhnt

Anders als seine natürlichen Feinde, etwa Wölfe oder Luchse, hat er sich auch an das Leben in der Stadt gewöhnt. In Metropolen wie Hamburg und Berlin findet er nicht nur an jeder Ecke Futter, sondern ist auch vor Jägern sicherer als im Wald. Rund 1600 Füchse, schätzt Ehlert, leben allein in der Hauptstadt, deutlich mehr als in den angrenzenden Forsten. Eine Bedrohung sind sie trotz aller Vorurteile nicht: Die Tollwut gilt seit 20 Jahren als besiegt, seit 15 Jahren hat sich kein Berliner mehr mit dem Fuchsbandwurm angesteckt.

Dass der Rotschwanz ein Einzelgänger sei, gehört auch zu den verbreiteten Irrtümern. Erst vor rund 40 Jahren fanden Wissenschaftler bei Beobachtungen nahe Oxford heraus, dass die mit den Hunden verwandten Tiere zwar allein auf die Jagd gehen, ihre Partner dabei aber regelmäßig treffen – in bis zu 2000 Hektar großen Revieren. Im Bau sind sie sogar echte Familientiere: Die Weibchen, auch Fähen genannt, unterstützen sich gegenseitig bei der Aufzucht der Jungen.

Mutig wie ein Löwe, klug wie die Eule, sanft wie eine Taube – aber (hinter-)listig wie ein Fuchs: Weil Bauern früher verzweifelt versuchten, Hühner und Gänse vor ihm in Sicherheit zu bringen, kam der Fuchs wohl zu seinem miesen Image; er beraubte die Menschen ihrer eigenen Vorräte. Dabei ist er für Fallen zu schlau: Statt hineinzutappen, nimmt er nur den Köder. "Es scheint, als habe er die Funktionsweise der Falle durchschaut", urteilt der Biologe Felix Labhardt, der einen Fuchs einmal dabei beobachtete.

Der Fuchs lebt von dem, was da ist

Auch Verhaltensforscher Vitus B. Dröscher war beeindruckt von der Klugheit der Füchse: Ein Tier fand im Winter 43 von 44 Futterverstecken problemlos wieder – und suchte die mit den leckersten Vorräten zuerst auf. Bei der Jagd, so haben tschechische Forscher festgestellt, bestimmt der Fuchs die Entfernung zur Beute mithilfe des Magnetfelds der Erde. Doch so geschickt der Fuchs sich beim Überleben auch anstellt, älter als ein Jahr wird er meist nicht. Im Herbst und Winter werden viele der fünf bis acht Kilo schweren, bis zu 75 Zentimeter großen Tiere geschossen oder überfahren.

Doch selbst bei der Fortpflanzung stellen sie sich geschickt an: Sterben in einem Gebiet besonders viele Artgenossen, bekommen die Fähen sechs Junge. Ist die Population stabil, sind es nur vier. "Trotz aller Versuche haben die Menschen es nicht geschafft, den Fuchs auszurotten", sagt Ehlert. Der Fuchs lebt von dem, was da ist, passt sich immer wieder an. Vielleicht ist es ja das, was wir ihm übel nehmen: dass er uns darin so ähnlich ist.

Autor: Michael Fuchs