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Luchs

Pinselohr und ein gelbbraunes Tupfenfell: der Luchs. - Foto © www.piqs.de / gerdi, CC

Rückkehr der Raubkatze

Der Luchs wird wieder heimisch

Es ist ein stiller, kalter Märzabend in Wernigerode im Harz. Einige Bewohner drehen noch eine späte Runde mit ihrem Hund – als plötzlich hohe Fistel-Schreie die Stille zerschneiden. Das nächtliche Konzert, das mehr ein Geheul ist, dauert mehrere Minuten. Es sind die "Ranzrufe" eines Luchses, also sein Balzlied. Eine Luchsin würde es über Dutzende Kilometer hören, denn die langbeinige Großkatze hat ausgezeichnete Ohren. Aber an diesem Abend bleibt das Werben erfolglos. Fast. "Schließlich bellten die Hunde mit", sagt Ole Anders, Forstingenieur im Nationalpark Harz. Zwar ist es selten, dass ein liebeshungriger Luchs den Menschen so nahe kommt, aber viele Anwohner erkennen das spätwinterliche Geheul ihres neuen Nachbarn.

Der Luchs, Europas größte Raubkatze, ist nach rund 200 Jahren wieder heimisch in den weiten Wäldern rund um den Brocken. Das elegante Raubtier, das sechsmal schärfer sieht als der Mensch und drei Meter hoch springen kann, gibt immer noch Rätsel auf: Ob die Haarpinsel an seinen Ohren etwa den Schall besser leiten, ist pure Spekulation. Vor zehn Jahren starteten Ole Anders und sein Team ein in Deutschland einmaliges Wiederansiedlungs-Projekt. Sie suchten in Wildparks und Zoos nach Luchsen, die sich in der Freiheit bewähren könnten. Bei ihrem "Casting" zählten Natürlichkeit und Zurückhaltung. "Kam ein Tier auf uns zu, hatte es keine Chance", sagt Anders. "Ein zutraulicher Luchs eignet sich nicht für die Wildnis."

In einem vier Hektar großen Auswilderungs-Gehege an der Harzer Rabenklippe gewöhnten sie die Tiere ein. Heute leben dort ständig drei Luchse – ein Besuchermagnet. Nach einigen Wochen folgte der letzte Test: Wieder kamen nur die scheuesten Tiere durch. Zwischen 2000 und 2006 wurden insgesamt 24 Luchse ausgewildert, seitdem gilt der Bestand als gesichert. Im Harz finden die schäferhundgroßen, nachtaktiven Raubkatzen genüend Beute, hauptsächlich Rehe. Und viel Platz. Ein Kuder, der männliche Luchs, beansprucht ein Revier von bis zu 400 Quadratkilometern, etwa so groß wie Köln. Immerhin duldet der Einzelgänger weibliche Tiere im Revier.

Bei aller Freude über die Harz-Luchse wissen die Experten: Kleine Bestände sind anfällig. Zumal nur ein Drittel des Nachwuchses die Geschlechtsreife erreicht. "Wir brauchen besetzte Reviere im Harz, damit junge Luchse abwandern und woanders Kontakt suchen", so Anders. "M2" ist so ein Streuner nach seinem Geschmack. Der Luchs ist einer von derzeit drei Genossen aus dem Harz, der ein Sender-Halsband trägt. Im Juni 2009 verließ M2 seine neue Heimat, wanderte 100 Kilometer weit und landete südlich von Kassel. Im März machten hessische Forstleute eine hoffnungsvolle Entdeckung: In der Nähe seiner handtellergroßen Pfoten-Abdrücke fanden sie eine zweite Fährte – von viel zierlicheren Pfoten.

Auf Reviersuche: die größte Katze Europas
Seit den 70er-Jahren kehren Luchse allmählich nach Deutschland zurück: Die größten Populationen mit etwa je 20 Tieren gibt es dank des Wiederansiedlungs-Projekts im Harz und durch die Einwanderung von Tieren über die tschechische Grenze in Ostbayern. Im Schwarzwald und im Pfälzer Wald wurden wiederholt Tiere gesichtet, ebenso vereinzelt im Erzgebirge, Spessart und in der Eifel.

Autor: Dagmar Weychardt