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Erinaceus europaeus Igel

Erinaceus europaeus, der Europäische Igel. - Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Stacheltiere

Der Igel und sein Lebensraum

Wieder eine Stunde durch die Nacht geschnüffelt, wieder schmatzend vier Käfer, zwei Regenwürmer und eine Spinne verspeist. Der Ausflug zum Park hat sich gelohnt. Ausgerechnet in der Stadt fühlt sich der Igel besonders wohl. Dabei sind doch lichte Wälder, wilde Wiesen, Hecken und Gehölze seine eigentliche Heimat.

Während wir von Bauernhofromantik träumen, zieht es das kleine Stacheltier in den Großstadtdschungel. "Dort ist die Populationsdichte inzwischen neunmal höher als auf dem Land", sagt die Wildtierexpertin Dr. Lisa Warnecke. "Diese tolle Erfolgsgeschichte zeigt, wie anpassungsfähig der Igel ist." Wo Menschen siedeln, findet er die Strukturvielfalt, die er braucht: naturnahe Gärten, Stadtparks, Friedhöfe mit bodendeckenden Sträuchern, Hecken, Laubhaufen als Versteck. Mit seinem genialen Orientierungssinn geht er bei Einbruch der Dämmerung auf Streifzug.

Igel erstellen im Laufe des Lebens eine Landkarte im Kopf. Verzeichnet sind Hindernisse, praktische Durchschlüpfe, gute Futterstellen. So viel Übersicht braucht der Kleine, denn sein Revier kann 100 Hektar betragen. Pro Nacht legt er manchmal zwei Kilometer zurück und durchschwimmt sogar Bäche und Kanäle. Ein einziger Garten reicht ihm nicht.

Die Stadt bittet zu Tisch

Zum Geheimrezept des Igels gehört sein Speiseplan. "Was die Nahrung betrifft, ist er nicht wählerisch", erklärt Dr. Warnecke. "Grundsätzlich gilt für alle Wildtiere: Eine hohe Flexibilität führt zu ökologischem Erfolg." Tausendfüßer, Würmer, Schnecken, Asseln, Raupen – er frisst, was er mit seiner hochempfindlichen Nase erschnüffelt. Lisa Warnecke: "Vermutlich wühlen Igel auch im Müll der Städte. Aber dazu gibt es keine aussagekräftigen Studien."
Nanu? Ist das beliebte Stacheltier nicht längst komplett erforscht? Nein, gibt die Expertin zu: "Obwohl der Igel praktisch in der Nachbarschaft lebt, wissen wir noch erstaunlich wenig über ihn. Viele Ergebnisse stammen auch nur aus Laborstudien."

Unser Mecki – das unbekannte Wesen!

Damit sich das endlich ändert, erforscht die Biologin nun, wie sich Erinaceus europaeus, der Europäische Igel, ans Leben in der Stadt anpasst. Welche Rolle spielt der Energiehaushalt in der neuen Umgebung? Gibt es sogar physiologische Unterschiede zu den "wilden" Artgenossen auf dem Lande? Für dieses neue Projekt erhielt sie gerade den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung. Einen Vorteil bietet die Nähe des Menschen auf jeden Fall: "Die ärgsten natürlichen Feinde fehlen in der Stadt", sagt Dr. Warnecke. "Dazu gehören etwa Dachs, Marder und Greifvögel."

Der Uhu könnte dank seiner langen Krallen sogar einen fest eingerollten Igel töten. Gegen die meisten anderen Gegner schützt der clevere Stacheltrick: Kaum droht Gefahr, spannt Mecki Tausende kleine Muskeln an und rollt sich zu einer piksigen Kugel zusammen. An den rund 7000 Stacheln holen sich Füchse oder Stadthunde schon mal blutige Nasen. Nur gegen einen speziellen Feind helfen sie nicht – das Auto.

Der Winterschlaf

Als genialste Strategie des Igels gilt der Winterschlaf. Der Körper kühlt je nach Außentemperatur bis auf fünf Grad Celsius ab, Herz- und Atemfrequenz sinken. Torpor nennen Biologen diesen Energiesparmodus. Profitiert der Igel davon, dass es in der Stadt stets ein paar Grad wärmer ist? "Nicht unbedingt", stellt Lisa Warnecke klar. "Für Winterschläfer gilt das Prinzip: Je kälter es ist, umso mehr Energie wird gespart." Bei höheren Temperaturen verbrennt der Körper zu viel angefutterte Fettreserven. Auch frühzeitiges Aufwachen könnte zum Problem werden, wenn nicht genug leckere Insekten zwischen kahlen Hecken krabbeln. "Die Winterschlafmuster in der Stadt sind noch ein Rätsel", sagt Lisa Warnecke, doch sie hofft: "Für meine Studie werde ich auch Körpertemperatur und Stoffwechsel im Jahresverlauf messen." Vielleicht gibt Mecki dann seine letzten Tricks preis, die ihn so erfolgreich machen.

Autor: Kai Riedemann