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Schnee macht Eseln nichts aus. Nässe aber schadet ihren Hufen.

Esel sind sehr zärtliche und verspielte Tiere. Schnee macht ihnen nichts aus. Nässe aber schadet ihren Hufen. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Stur aber schlau

Der Esel

Als Christus im Stall von Bethlehem geboren wurde, stand neben der Krippe – ein Esel. Als Maria mit dem Neugeborenen nach Ägypten fliehen musste, saß sie auf – einem Esel. Als Jesus später am Palmsonntag in Jerusalem einzog, ritt er – einen Esel. So wie es schon König David im Alten Testament tat, wenn er sein Reich erkunden wollte. Die biblische Geschichte, so scheint es, lässt sich nicht erzählen ohne das graue, langohrige Tier aus der Familie der Pferde. Das überrascht nicht, denn schon vor 6000 Jahren dienten Esel den Menschen in der biblischen Region als Trag-und Reittier. Sie waren die ersten treuen Diener in der Geschichte der Menschheit.

Esel: mutiger als Pferde

Nur noch wenige Hundert Afrikanische Wildesel, die Ahnen unserer Hausesel, streifen durch die Wüstengebiete Nordafrikas. In Herden von zehn bis 15 Tieren ziehen sie, geführt von einer erfahrenen Stute, umher und fressen Dornbüsche, hartes Gras und Mimosen. Größer als 1,25 Meter werden sie unter solchen Bedingungen nicht. Die Jungen sind noch zierlich wie Rehe, aber mit zwei Jahren schon erwachsen und geschlechtsreif.

Nicht schnell, aber trittsicher, genügsam und zäh, nicht groß, doch stark – damit waren sie wie geschaffen als Arbeitstiere für die Nomaden und frühen Ackerbauern, Tausende Jahre vor Christus. Sie trugen Lasten, zogen Pflüge, lieferten Milch, und wenn sie sich zu Tode gearbeitet hatten, aß man sie auf. "Das Wesen, das Aussehen und die Eleganz der Bewegungen begeistern mich immer wieder von Neuem", sagte der Münchener Zoodirektor Heinz Heck.


Esel: Ein Haustier prägt die Hochkultur

Vor 3000 Jahren kamen die Esel nach Europa. Als zuverlässige Begleiter der Menschen wurden sie schnell zum Symbol in Kunst und Literatur.

Am Anfang waren Esel reine Nutztiere. Bereits im alten Ägypten begann man aber, sie kulturell zu überhöhen: Archäologische Funde zeigen, dass neben einem Pharaonengrab zehn Esel feierlich beigesetzt wurden. Auch im dekadenten Rom gingen sie in die Kunst ein: Weil sie als Sinnbild der Sexualität galten, ließen reiche Römerinnen ihre Ehebetten mit Eselsköpfen verzieren. Mit den Römern kamen die grauen Tiere um die Zeitenwende nach Mitteleuropa. In der bildenden Kunst spielten sie vor allem bei biblischen Motiven eine immer größere Rolle: als Zeuge im Stall von Bethlehem oder als Reittier bei der Flucht nach Ägypten. Weil Esel stets als Stur- und Dummköpfe galten, wurden sie auch ironisiert, etwa bei den Bremer Stadtmusikanten. Wilhelm Busch zeichnete die Grautiere als Bestandteil des ländlichen Lebens seiner Zeit.


Sanftmütig, fleißig, genügsam und Kindern ein Schmusepartner, so sind Esel rund ums Mittelmeer noch heute ein beliebtes Haustier . Auch wenn sie nicht mehr häufig gebraucht werden und ihre Zahl erheblich zurückgegangen ist, immer wieder sieht man sie bei glühender Hitze über Hänge trippeln, turmhoch beladen mit Heu oder Feuerholz, und wenn der Bauer Platz fände, würde er sich noch obendrauf setzen. Lange bevor die ersten Pferde domestiziert wurden, waren Esel schon bewährte Haustiere. Sie sind weniger schreckhaft und intelligenter als ihre großen Vettern.

Bei Gefahr suchen Pferde ihr Heil meist in panischer Flucht, denn sie sind Steppentiere, und ihre Strategie heißt: Abstand! Die langsameren Esel bleiben erst einmal stehen und prüfen, was zu tun ist. Kämpfen? Abhauen? Vielleicht überhaupt nicht reagieren? Dazu sind sie auch erheblich mutiger als Pferde. Wildesel wurden schon beobachtet, wie sie sich bei Gefahr zu einem Kreis aufbauten und die Angreifer, selbst Löwen, mit Bissen und Tritten abwehrten. Bei derart gravierenden Unterschieden ist klar, dass man mit Eseln ganz anders umgehen muss: Man treibt sie etwa stets von schräg hinten an. Ihren Weg finden sie dann schon allein.

Pferde denken in hierarchischem Über- und Unterordnen

Pferde dagegen führt man am Zügel. Sie denken in hierarchischem Über- und Unterordnen und müssen gesagt bekommen, wo es langgeht. Auch Prügel können einen Esel nicht zum Weitergehen bewegen, wenn er sich einmal sperrt, weil die Last zu schwer, das Tempo zu schnell, der Weg zu schlecht oder ein Huf verletzt ist.

Faul? Dumm? Stur? Dass man den Eseln diese Eigenschaften nachsagt, heißt nur, dass man sie stets so lange überforderte, bis sie die Notbremse zogen und einfach stehen blieben. Der Forscher Ernst Vardiman, der die Nomadenvölker des Nahen Ostens und Nordafrikas erkundete und dabei auch die Rolle des Esels untersuchte, schrieb: "Über Jahrtausende hat er für seine Treue statt Lohn meist nur Hohn und Prügel empfangen. Wie viele Flüche drangen in seine langen Ohren. Wie viele Schläge musste sein Fell geduldig hinnehmen."

Neben der schweren Arbeit haben Menschen den Eseln auch allerlei Unfug zugemutet. So ließ die römische Kaiserin Poppea, Gattin des grausamen Nero, ihre Lieblingsmaultiere bei Ausfahrten goldene Schuhe tragen. Für ihre Wellness hielt sie 500 Eselstuten, in deren Milch sie regelmäßig badete. In einigen US-Bundesstaaten wiederum ist es gesetzlich verboten, Esel in einer Badewanne schlafen zu lassen. Und im hessischen Körle setzte man 1986 einer Magd ein Denkmal, die vor Jahrhunderten angeblich den Esel des Pfarrers so lange kitzelte, bis er tot umfiel.

Wer ist da nun der wahre Esel? Der Esel sicher nicht. Der schreit seine Gefühle heraus, wie er es in den Weiten der Wüste gewohnt war. Der Zoologe Alfred Brehm berichtete aus Ägypten: "Wenn eine Eselin schreit – welch ein Aufruhr unter der gesamten Eselei! Der nächstbeste Hengst fühlt sich geschmeichelt und brüllt aus Leibeskräften los. Ein zweiter, dritter, vierter, zehnter fällt ein, endlich brüllen alle, alle, alle, und man möchte verrückt werden über ihre Ausdauer."

Von der wollte kürzlich auch die Bundeswehr profitieren: Für die Truppen in Afghanistan erstand man dort auf dem Markt für etwa 70 Euro einen Esel, der "Hermann" getauft wurde und Hightech-Ausrüstung transportieren sollte. Jetzt hat man Hermann wieder ausgemustert. Er weigert sich nämlich, die schweren Waffen in den Unruhe-Distrikt Char Darah zu schleppen. Kluger Kerl.

Autor: Walter Karpf