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Anmut und Jagdgeschick: der Eisvogel

Anmut und Jagdgeschick: der Eisvogel - Foto © picture alliance

Wunderschön und extrem fleißig

Der Eisvogel: König der Fischer

Wehe, wenn ihm einer entgeht! Einen halben Meter über dem Wasser thront der Eisvogel auf seinem Ast und hält Ausschau nach Kleinfischen, Kaulquappen und Krebstieren. 150 Bewegungen pro Sekunde nimmt er wahr, dreimal mehr als der Mensch. Sein Rücken schillert von Türkisgrün bis Kobaltblau, ein weißer Halsstreif gibt ihm einen kecken Ausdruck. Er ist ein gefiedertes Juwel.

Hat der Eisvogel einen schwimmenden Happen erspäht, stößt er im Steilflug auf sein Ziel hinab. Nach zwei Sekunden erhebt sich der blaue Blitz mit ein paar Flügelschlägen wieder aus dem Wasser. Zurück auf seinem Ast, schleudert er seine Beute hin und her. Dann schluckt er den toten Fisch kopfüber hinunter. Die Dokumentation "Im Reich des Eisvogels“ (siehe TV-Tipp rechts) fängt das Jagdgeschick des nur spatzengroßen Tauchkünstlers mit eindrucksvollen Zeitlupen ein.

Gedreht wurde an einem verschwiegenen Flusslauf im Westerwald. Besonders sehenswert sind die seltenen Bilder des Brutgeschäfts, vor allem des lange unbekannten "Fütterungskarussells“: Im März graben die Altvögel eine ein Meter lange Höhle in eine Ufersteilwand. Dort brütet das Weibchen im Schnitt sieben Küken aus, die blind und nackt schlüpfen. Die Eltern führen eine moderne Ehe: Sie helfen einander beim Brüten, Fischen und Füttern. Den Schichtwechsel kündigt der Partner mit einem "Tieh“-Ruf vor dem Eingang an. Die Nestlinge sitzen dicht an dicht und wärmen sich gegenseitig. Der Altvogel serviert ihnen die Fische im Ganzen. Wenn ein Küken gefressen hat, rotieren die Nestlinge einen Platz weiter – so funktioniert das "Fütterungskarussell“. Auf diese Weise wachsen die Jungen gleichmäßig, denn für Nesthäkchen ist im Vogelclan kein Platz. Wenn die erste Brut nicht mehr gewärmt werden muss, legt das Weibchen erneut Eier in einer zweiten Höhle.

Dann schafft nur das Männchen Futter heran und fängt Fische am Fließband. In Spitzenzeiten 200 pro Tag. Größere Küken brauchen zehn Fische täglich, so viel wie ein erwachsener Vogel. Der englische Name ist daher passender: Kingfisher (Königsfischer). Auch wenn manchmal nur jeder zehnte Tauchgang Erfolg hat. Oft brüten Eisvögel gestaffelt sogar ein drittes Mal und ziehen im Idealfall pro Jahr 20 Küken heran. Die Mehrfachbrut ist eine Meisterleistung in Sachen Terminkalender, Logistik und Arbeitsteilung. Wenn die Jungen nach vier Wochen flügge sind, müssen sie jagen lernen – auch wenn sie Hotel Mama vorziehen würden.

Derzeit naht wieder die größte Gefahr für den fliegenden Edelstein. Der Eisvogel ist trotz seines Namens kälteempfindlich. Wenn bei Dauerfrost die Gewässer zufrieren, verhungern viele Vögel. "In strengen Wintern kann der Bestand massiv um 30 Prozent und mehr einbrechen“, sagt Dr. Christoph Sudfeldt vom Dachverband Deutscher Avifaunisten. 2009 wurden hierzulande 8000 Brutpaare gezählt. Wenn der kommende Winter sehr kalt wird, werden die überlebenden Tiere ab März besonders fleißig brüten. Sudfeldt ist optimistisch: "Mit dieser Gegenstrategie können selbst große Verluste in ein paar Jahren ausgeglichen werden.“

Autor: Dagmar Weychardt