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Flamingos am Natron-See

Foto: © www.piqs.de / Fotograf: x2po, CC (Some rights are reserved.)

1,5 Millionen treffen sich jährlich am Natronsee

Das Paradies der Flamingos

Ein Schwirren, ein Flügelschlagen, eine rosa Wolke am Himmel: Etwa 1,5 Millionen Flamingos steuern jährlich den Norden Tansanias an. Hier liegt der berühmte Natronsee: ein 60 Kilometer langes, meist nur 50 Zentimeter tiefes Gewässer. Extrem salzig, extrem unwirtlich – die Kinderstube der grazilen Schönheiten. An keinem anderen See der Welt versammeln sie sich in so großer Zahl, an keinem bilden sie eine derart riesige Kolonie. Hier bauen sie ihre Nester, legen ihre Eier ab, lehren ihre Jungen erst das elegante Stelzen, dann das Fliegen – und zerstreuen sich dann wieder in alle Richtungen, über alle Regionen Afrikas.

Erstmals gelang es britischen Tierfilmern nun, das fantastische Naturschauspiel mit der Kamera festzuhalten: In ihrer beeindruckenden Kinodokumentation "Das Geheimnis der Flamingos" (Kinostart: 3. Dezember) zeigen Matthew Aeberhard und Leander Ward Geburt und Großwerden, Leben und Überlebenskampf der geheimnisvollen Vögel. Die Zwergflamingos, die sich am Natron-See treffen, werden nur etwa einen Meter groß. Mit den weltweit fünf Arten gemein haben sie die markante rosarote Färbung – ein Ergebnis ihrer Ernährung. Die Vögel fressen planktonartige Algen, die große Mengen Carotinoide enthalten. In der Leber der Tiere werden diese in das Pigment Canthaxanthin umgewandelt, das für das unvergleichliche Rosa in Beinen und Federn sorgt – übrigens bei beiden Geschlechtern. Anders als bei den meisten Vogelarten sehen bei den Flamingos Männchen und Weibchen bis auf kleine Größenunterschiede gleich aus.

Auch bei der Brutpflege sind beide aktiv. Matthew Aeberhard gelangen einzigartige Aufnahmen aus der Kinderstube der Flamingos. "Woher die Vögel wissen, wann ihre Brutzeit losgeht, ist offen", sagt der Tierfilmer. Kaum ist die Paarung aber vorbei, wird im Schlamm gewühlt: Überall dort, wo der Natron-See fast trockengefallen ist, entsteht Häufchen neben Häufchen. Auf der Spitze wird eine Aushöhlung geformt – fertig ist das Nest. In jedem liegt nur ein Ei, das abwechselnd bebrütet wird. Nach rund vier Wochen schlüpft das Junge. Sein graues Gefieder lässt nicht ahnen, welche Schönheit sich aus ihm entwickeln wird.

Wenn das Flamingo-Baby nach fünf bis zwölf Tagen das Nest verlässt, kann es gehen und schwimmen – tollpatschig, aber selbstständig. Inmitten der lärmenden Riesenkolonie erkennen die Eltern es an seinen individuellen Schnatter- und Fieplauten. Fliegen muss das Kleine erst üben – wochenlang, wobei es immer wieder auf den Schnabel fällt. Bis zum eigenständigen Abheben werden Hunderttausende Jungvögel von den Älteren begleitet. Und bewacht. Denn Feinde wie Marabus, Fischadler, Schakale und Hyänen haben es auf den Nachwuchs abgesehen. Auch erwachsene Tiere, die nicht schnell genug fliehen, können Beute hungriger Hyänen werden. "Leben und Tod liegen hier sehr nahe beieinander", sagt Matthew Aeberhard.

Den Tierfilmer faszinierte vor allem das erstaunliche Gruppenverhalten der Flamingos. Oft beobachtete er, wie Tausende der Tiere mit ausgestrecktem Hals und vorgereckter Brust dicht an dicht "schauliefen" – und dann plötzlich, wie auf Kommando, die Richtung wechselten. Eine immer wiederkehrende Choreografie, deren Geheimnis der Filmer nicht lüften konnte. Das Rätsel hingegen, warum Flamingos oft nur auf einem Bein stehen, haben wohl US-Forscher gelöst: Ein nasser Fuß entzieht dem Körper einfach weniger Wärme als zwei.

Autor: Uwe Clausen