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Elefanten

Elefanten beschnuppern sich mit ihren Rüsseln. Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Doku über das Liebesleben der Tiere

Das Herz der Tiere

Vorsichtig rückt der Löwe an die Löwin heran. Er zieht die Oberlippe zurück, als würde er lächeln. Doch beim sogenannten "Flehmen" versucht er nur zu wittern, ob er bei ihr eine Chance hat. Sie wälzt sich auf den Rücken. Ein gutes Zeichen! Das Schäferstündchen dauert dann keine halbe Minute. Dafür wiederholt es sich 40-mal am Tag. Erotische Rituale wie dieses hat Tierfilmer Laurent Charbonnier über Jahre hinweg beobachtet. In seiner Dokureihe "Wilde Tiere, große Liebe" geht es nur um das eine: Liebe unter wilden Kreaturen.

Der französische Naturfilmer Laurent Charbonnier wurde 2008 durch die Kinodokumentation "Animals In Love" weltweit bekannt. Für die Arte-Doku-Reihe "Wilde Tiere, große Liebe" legte er sich zwei Jahre lang auf die Lauer. In der neuesten Folge (siehe TV-Tipp rechts) geht es um Liebesrituale australischer Kängurus. Die goldenen Regeln des Profis: "Während all dieser Abenteuer achte ich peinlichst auf zwei Dinge: Nie meine Leute in Gefahr bringen! Und: Nie die Tiere stören!“

Dabei kann man erstaunliche Dinge beobachten: Der König der Tiere wirkt etwa schüchtern. Er braucht die Zustimmung des Weibchens, sonst geht gar nichts – da kann der Löwe als Rudelführer noch so sehr den starken Mann markieren. Imponiergehabe, wie es Pfaue oder Fasane mit ihrem bunten Federkleid zeigen, ist nur eine Variante der Balz. Die Liebesrituale der Tiere sind vielfältig: Einige Vögel singen, tanzen und putzen sich heraus, um die Auserwählte zu bezirzen, andere locken mit Düften und Präsenten. Manche Tiere sind ewig treu, vielen genügt ein One-Night-Stand. Bären sind beispielsweise unsensible Rüpel, die ihre Partnerinnen nach dem Sex im Stich lassen. Ähnlich flatterhaft: der Seidenlaubvogel. Erst baut er eine prächtig geschmückte Liebeslaube, dann verschwindet er sofort nach dem Liebesspiel und lässt die Partnerin als alleinerziehende Mutter zurück.

Ansonsten liegen in der Natur alle Trümpfe bei den Weibchen – vor der Paarung. Die Winkerkrabbe etwa testet 20 Männchen. Kein Wunder, dass die zu Rivalen werden. "Der Wettbewerb um Paarungspartner ist oft extrem hart", schreibt die Biologin Olivia Judson in ihrem Buch "Die raffinierten Sexpraktiken der Tiere". Känguru-Männchen liefern sich im Kampf um die Angebetete derbe Faustduelle. Aber so rau sie miteinander boxen, so zärtlich sind sie bei der Liebe: Sie achten streng darauf, die wesentlich kleineren Weibchen nicht zu verletzen. Aggressiver werben da schon die Delfine: Sie bilden Gruppen und bedrängen die Weibchen so lange, bis diese nachgeben. Schimpansen setzen auf Tauschhandel: Lausen gegen Liebe. Kein Wunder, dass es die Weibchen mit der Treue nicht so genau nehmen.

Pinguinfrauen verbinden ebenfalls Gefühle mit Geschäftlichem: Für ihre Liebesdienste erhalten sie Steinchen zum Nestbau. "Für Romantik, Liebe und Familienglück hat die Natur nicht viel übrig", meint die Biologin Rafaela von Bredow. "Die Evolution kennt keine menschlichen Normen, nicht Sitte und Anstand." Tiere haben aus wissenschaftlicher Sicht keine Gefühle wie wir Menschen. Liebe ist ein Luxus, den sich viele von ihnen nicht leisten. Warum dann überhaupt Liebesrituale? "Aus evolutionärer Sicht ist klar, welchen Sinn das Leben hat: Überleben und Fortpflanzung", sagt Olivia Judson. Schon in der Bibel heißt es: "Seid fruchtbar und mehret euch." Der Wille zur Paarung ist die treibende Kraft. "Ohne Sex wäre die Natur um viele ihrer schönsten Erscheinungsformen ärmer. Pflanzen würden nicht blühen. Vögel nicht singen. Herzen nicht klopfen", so Judson.

Herzklopfen? Sucht man Romantik in der Tierwelt, landet man beim Schwan. "Verliebte" Schwäne schwimmen gemeinsam im Kreis, stecken die Köpfe zusammen, sind sich ewig treu. Mehrfach haben sich Schwäne sogar in Boote verliebt, denen sie jahrelang nicht mehr von der Seite wichen. Liebe macht offensichtlich blind. Wonach wählen Tiere ihre Partner überhaupt aus? Schwäne sind Ästheten: Ein wohlgeformter Körper, der sanft übers Wasser gleitet, ein feiner, langer Hals – schon sind sie im Liebesrausch.

Ansonsten gilt bei der Partnerwahl Charles Darwins Evolutionslehre vom "Survival of the Fittest". Was man allerdings nicht – wie üblich – als "Überleben des Stärksten" verstehen darf, denn Darwins Theorie sieht nicht den körperlich Stärksten im Vorteil, sondern denjenigen, der sich am erfolgreichsten vermehrt. Wissenschaftler bezeichnen das als "Überleben des Passendsten". Genau darin erkennt der Theologe Michael Blume eine Chance für die Liebe – auch bei Tieren: "Erfolgreiche Evolutionsprozesse bringen keineswegs nur brutale Kämpfer hervor, sondern viel häufiger auch Veranlagungen der Zusammenarbeit, des Vertrauens, ja der Liebe."

Foto Flashbühne © dpa Picture-Alliance GmbH

Autor: Thomas Kunze