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Igel

Igel sind Einzelgänger und treffen sich nur zwecks Paarung. Foto © www.piqs.de / DnMa, CC (Some rights are reserved.)

Der Freund in unserem Garten

Das geheime Leben der Igel

Es raschelt im Laub, aus der Hecke kommen Schmatzgeräusche: Wenn der letzte Schnee geschmolzen ist und die Temperaturen dauerhaft über zehn Grad Celsius liegen, ist es für einen guten alten Bekannten des Menschen an der Zeit, den Winterschlaf zu beenden und mit seinen Streifzügen zu beginnen. Der Igel ist jetzt wieder unterwegs – direkt vor unserer Haustür, im Garten, in Parks oder an Waldrändern.

Meist lebt er nämlich im Siedlungsraum des Menschen. Trotzdem wissen wir erstaunlich wenig über unseren stachligen Nachbarn. Mit der Doku "Expeditionen ins Tierreich: Die geheimnisvolle Welt der Igel" (siehe Programm-Tipp) möchte der NDR das jetzt ändern. Durch einzigartige Aufnahmen ermöglicht der Tierfilmer Kurt Mündl Zuschauern dort einen Einblick in das faszinierende Leben der Tiere. Unter anderem gelang es ihm, mit seiner Kamera Bilder direkt aus einem Unterschlupf einzufangen.

Was Igel fressen

Der Start in den Frühling ist für Igel enorm anstrengend, schließlich waren ihre Körperfunktionen sechs Monate lang auf ein Minimum reduziert. Während sie in Hecken, Höhlen oder Holzstapeln schliefen, verloren sie außerdem bis zu 40 Prozent ihres Gewichts. Es dauert mehrere Stunden, bis sie wach werden. Die Körpertemperatur und die Herzschlagfrequenz steigen, die Muskeln zittern stark. Dass dieser Winter lang und kalt war, hat keine besonderen Auswirkungen: "Igel sind extrem anpassungsfähig. Ein härterer Winter zwischendurch kann ihnen nichts anhaben", sagt Ulli Seewald, Vorsitzende des Verbands Pro Igel e. V. (www.pro-igel.de).

60 Millionen Jahre reicht der Stammbaum der Igel zurück, sie gehören zu den ältesten noch existierenden Säugetieren. Ihr heutiges Aussehen haben sie seit etwa 15 Millionen Jahren. In Europa, Afrika und Asien gibt es diverse Arten, in Deutschland leben die Braunbrustigel. Wenn sie aus dem Winterschlaf erwacht sind, haben sie nur eines im Sinn: fressen! Auf dem Speiseplan stehen Insekten, vor allem Laufkäfer, Regenwürmer und Tausendfüßler. Dafür ist den Ausgehungerten kein Weg zu weit, sie entwickeln einen bemerkenswerten Eifer. Mehr als zwei Kilometer können sie an einem Tag zurücklegen. Der Lebensraum eines Igelmännchens umfasst bis zu 100 Hektar – das entspricht etwa 130 Fußballfeldern. Dank ihres sehr gut ausgeprägten Geruchssinns orten die nachtaktiven Tiere ihre Beute schon aus einigen Metern Entfernung. Gefahr droht ihnen von Uhus, Füchsen und Dachsen – und natürlich von Menschen. Fühlen sie sich bedroht, spannen sie Tausende Muskeln an. Jeder ihrer 8000 Stacheln ist darin eingebettet – so richtet sich ihr piksiges Abwehrkleid auf. In weniger als einer Sekunde können sie sich darin einrollen.

Die Igelstachel

Die Stacheln bestehen vor allem aus dem Eiweißstoff Keratin, sind hohl und bruchfest. Igelbabys kommen mit 100 Stacheln zur Welt, ein Jungtier trägt bereits 3500 am Körper. Für Nachwuchs ist es aktuell aber noch viel zu früh: "85 Prozent der Igel in Deutschland werden im August und September geboren", erklärt Ulli Seewald. "Die Paarungszeit beginnt, wenn die Tiere ausreichend Gewicht zugelegt haben – also etwa im Juni." Nur in dieser Zeit suchen die Einzelgänger übrigens den Kontakt zu ihren Artgenossen. Beim sogenannten Igelkarussell umkreist das Männchen das Weibchen oft stundenlang, bis es zur Paarung kommt. Romantiker sind jedoch beide nicht: Ein Männchen kann sich mehrmals paaren, die Weibchen kümmern sich allein um den Nachwuchs. Nach 36 Tagen kommen etwa vier bis fünf Junge zur Welt, die sechs Wochen später die Mutter verlassen. Jetzt allerdings steht jede Nacht erst einmal im Zeichen des Fressens. Wenn Sie also demnächst an schönen Frühlingsabenden seltsame Schmatzgeräusche im Garten oder im Park hören, machen Sie sich keine Sorgen. Das sind vermutlich nur Igel, die sich vor lauter Hunger nicht um Tischmanieren kümmern können.

Autor: Sven Sakowitz