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Pro Wurf kommen meist drei winzige Nager zur Welt.

Babystube: Pro Wurf kommen meist drei winzige Nager zur Welt. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Flinker Wald- und Parkbewohner

Das Eichhörnchen

Wilder kann eine Jagd kaum sein: Baum rauf, durch kahle Zweige huschen, Baum runter. Manchmal flitzen Eichhörnchen so flink an uns vorbei, dass wir nur staunen können. Und warum all diese Hektik im eisigen Dezember? Jetzt naht die Paarungszeit! "Männchen werben nicht gerade charmant um Eichhörnchen-Damen", sagt Eva Goris von der Deutschen Wildtierstiftung.

"Sie jagen sie heftig von Baum zu Baum. "Kavalier? Von wegen! Er schnüffelt ihr nach, sie tut stets leicht genervt. Wenn die rasante Verfolgung das Weibchen zu sehr stresst, greift der Verehrer gar zu einem raffinierteren Verführungstrick: Er ahmt die Rufe junger Eichhörnchen nach – bis die Auserwählte endlich paarungsbereit ist.

Eichhörnchen sind Einzelgänger

Die eleganten Wipfelstürmer haben längst unsere Großstädte erobert. Wir treffen sie in Parks und Gärten, sie sprinten über Straßen, hocken in Balkonkästen. Trotz dieser Nähe zu uns Menschen halten sich hartnäckig Irrtümer und Legenden. Nein, männliche Hörnchen sind wirklich nicht charmant. Und schon gar keine treuen Familienväter. Brauchen sie auch nicht. "In der natürlichen Waldumgebung sind Eichhörnchen Einzelgänger“, erklärt Birte Alber ("Das Eichhörnchenbuch“, siehe Buch-Tipp rechts).

Eigenes Revier, eigene Futterverstecke, eigenes Heim, das bei den rund 300 Gramm schweren Kobolden übrigens Kobel heißt. Einzig zur Paarung duldet das Weibchen männliche Gesellschaft. Birte Alber: "Spätestens nach der Geburt des Nachwuchses wird das Männchen aus dem Kobel vertrieben." Um die Kleinen, die nackt, taub, blind und nur zehn Gramm schwer sind, kümmert sich die Mutter allein.

Wenn die Kälte kommt

Und noch etwas gehört ins Reich der Mythen: "Einen klassischen Winterschlaf halten Eichhörnchen nicht", stellt Wildtierexpertin Eva Goris klar. "In der dunklen Jahreszeit verlassen sie ihr Nest allerdings nur ungern und lassen sich oft mehrere Tage lang nicht blicken." Spätmorgens hüpfen sie durch den Schnee, um Futter zu suchen, dann geht’s zurück in den kugelförmigen Kobel aus Reisig und Moos. Der sitzt meist in einer Astgabel. Doch auch verlassene Vogelnester oder Spechthöhlen dienen als sicherer Unterschlupf, manchmal erobern Eichhörnchen sogar Nistkästen, die für Vögel gedacht sind.

Bei strengem Frost und Sturm werden die Einzelgänger schon mal ihren Prinzipien untreu: Dann kuscheln sich mehrere Tiere auf engstem Raum zusammen. Eva Goris: "Ihren buschigen Schwanz benutzen sie dabei wie eine Bettdecke." Sehr vielseitig, dieser kleine Schweif! Er wärmt im Winter, dient als Steuerruder beim Sprung, hilft zum Balancieren auf Ästen und schützt im Sommer vor zu viel Sonne. Im Gattungsnamen Sciurus vulgaris hat sich Letzteres verewigt: "Sciouros" heißt im Griechischen so viel wie "Der sich mit dem Schwanz Schatten Spendende“.

Sind die possierlichen Eichhörnchen wenigstens friedlich? Nicht immer. Zwar knabbern sie gern Nüsse, Eicheln, Zapfen, Bucheckern, Samen und Beeren, doch ohne Lebendes wäre der Speiseplan der Allesfresser nicht komplett: Insekten, Würmer, Vogeleier. Sie verschmähen auch Jungvögel nicht, die sie aus dem Nest rauben. Vervollständigt wird das Hörnchen-Menü von Speisen, die uns Menschen nicht bekommen: "Selbst Giftpilze sind für die niedlichen Nager eine Delikatesse", sagt Eva Goris.

Eichhörnchen - weitverbreitete Legenden

Im Winter wird das Futter knapp. Deshalb flitzen Eichhörnchen schon im Herbst von Baum zu Baum und sammeln Vorräte. Nuss schnappen, mit den Vorderpfoten ein Loch in den Boden scharren, Nuss hinein, mit der Nase tiefer stupsen, Erde drauf, festdrücken. Fertig. Dabei blickt sich der Sammler immer wieder ängstlich um. US-Verhaltensforscher der Wilkes University in Pennsylvania beobachteten einen genialen Trick: Fühlt sich das Eichhörnchen bedroht, legt es Scheindepots an. Einfach Loch graben und sorgsam wieder zudecken. Das Versteck jedoch ist leer. So narren sie hungrige Futterneider.

Zu den weitverbreiteten Legenden gehört auch, Eichhörnchen seien vergesslich. Sie verbuddeln kiloweise Futter, finden später jedoch nur einen Bruchteil wieder. Wie unpraktisch! Bei Forschern ist die Höhe der Trefferquote jedoch umstritten. Die einen wollen entdeckt haben, dass clevere Sammler einen Lageplan ihrer Vorratskammern im Gehirn speichern. Andere tippen auf den ausgeprägten Geruchssinn, der selbst im hohen Schnee zur vergrabenen Leckerei führt. "Sie können sogar durch eine Nussschale hindurch riechen, ob die Nuss noch genießbar ist", sagt Birte Alber.

Eichhörnchen als Schnüffelgenies? Fest steht: Ihre Trefferquote bei der winterlichen Suchaktion ist wesentlich höher, als man früher dachte. Und was tatsächlich vergessen wird, treibt im Frühjahr aus. So helfen die Nager unfreiwillig bei der Verbreitung von Bäumen und Pflanzen. Jede Menge Irrtümer und Legenden – trägt das Eichhörnchen wenigstens seinen Spitznamen "Pinselohr" zu Recht? Ja. Aber nur im Winter. Naht die kalte Jahreszeit, sprießen an den Ohren lange Fellbüschel. Das Winterfell wird dichter und dunkler, der Schwanz noch buschiger als im Sommer. An den sonst nackten Fußsohlen wachsen wärmende Haare. Kein Wunder, dass wir die Wipfelstürmer auch bei Eis und Schnee durch die Baumkronen turnen sehen.

Autor: Kai Riedemann