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Europäischer Dachs

Ein Dachs auf Nahrungssuche. - Foto: © picture alliance/WILDLIFE

Leben im Untergrund

Dachse

Der Dachsbau ist ein Palast, denn der Dachs liebt das Buddeln. Und findet dabei manchmal Schätze.

Nach Dachsart wird er vor Empörung geschnauft, gegrunzt und gestöhnt haben. Dass ihm beim Graben aber auch diese sperrigen Knochen im Weg liegen mussten! Mühsam bugsierte er sie durch den engen Gang ins Freie.

Zwei Spaziergänger, die bei Stolpe in der Uckermark über diese "Fundstücke" stolperten, identifizierten sie als menschliche Hüftknochen. Sie alarmierten Archäologen, die dann bestätigten: Dieser Dachs war ein Schatzgräber – im wahrsten Sinn des Wortes.

Der Dachsbau

Dachsbau
Foto: © dpa-infografik

Graben scheint der Lebensinhalt der Tiere zu sein. Selbst wenn sie einen riesigen Bau von ihren Ahnen erben, wühlen sie noch ein paar Gänge und Kammern dazu. Ob das für die bis zu 35-köpfige Sippe nötig ist oder nicht.

Unter der Erde sind sie nun mal zu Hause, dort haben sie mit Heu und Blättern gepolsterte Schlafkammern, Fluchtgänge und Frischluftröhren sowie eigene Kinderkammern. In England fanden Wissenschaftler einen Bau mit 178 Eingängen, 50 Kammern und 879 Meter Röhrenlabyrinth.

Außerhalb des Baus, deutlich entfernt von den Eingängen, graben die Tiere zusätzliche Erdlöcher – als Toiletten. Dachse sind nämlich sehr reinlich. Da sich in ihren Schlafpolstern in kurzer Zeit Unmengen von Läusen und anderem Ungeziefer bilden, ziehen sie alle paar Tage in einen anderen Raum und hungern so die Quälgeister aus. Es soll ja alles seine Ordnung haben, wenn ab und zu die Verwandtschaft in voller Mannschaftsstärke zu Besuch kommt.

Nahrung der Dachse

Für ihre Bauarbeiten besitzen die Tiere an den Vorderfüßen lange Krallen, mit denen sie das Erdreich aufreißen und dann an die Oberfläche schaffen. Für die nächtliche Jagd brauchen sie die Krallen wenig: Dachse sind zwar nach Kegelrobbe, Wolf und Luchs eines unserer größten Raubtiere, fressen aber viel Vegetarisches und sonst Würmer, Engerlinge und Insekten.

Dachskrallen
Der Dachs liebt das Buddeln. Dafür sind die Krallen an den Vorderfüßen gut geeignet. - Foto: © Dr.Eric Dragesco/OKAPIA

Bevor Wissenschaftler mit Licht und Kameras in ihre Baue vordringen konnten, wusste man wenig über Leben und Arbeit der Tiere. Im Jahr 1551 entwickelte ein Schweizer Naturkundeprofessor sogar die skurrile These, die Tiere würden einen der ihren untertage auf den Rücken legen, alle viere nach oben, und Erde in die so entstandene "Wanne" schaufeln. Wenn der Kollege voll beladen sei, würden ihn die anderen hoch ans Licht schleifen, dort auskippen und wieder hinunterziehen.

Heute wissen wir mehr: etwa dass Dachse bis zu 15 Jahre alt werden können. Und dass die angeblich immer so schlecht gelaunten Tiere ein friedliches, freundliches, arbeitsteiliges Familienleben führen.

Dachsfamilie
Eine Dachsfamilie. - Foto: © picture alliance/WILDLIFE

Feinde im Dachsbau

Was für ein Pech, wenn so eine Vorzeigefamilie ungebetene Mieter bekommt. Etwa Füchse, die einfach einziehen, Exkremente und Essensreste liegen lassen und den ganzen Bau vollstinken. Dann geht es dem Dachs wie uns Menschen: Gegen Mietnomaden kann man wenig tun – außer abwarten, bis sie von selbst gehen.

Die Funde, die der Dachs in der Uckermark ausgegraben hatte, führten Forscher übrigens zu zwei 900 Jahre alten slawischen Fürstengräbern samt Skeletten, einem langen Schwert, einem Bronzegefäß und einigen Schmuckstücken. Da hatte sich der Dachs doch mal als echter Jäger gezeigt – Jäger des verlorenen Schatzes.

Autor: Walter Karpf