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Krokodilnachwuchs

Ein Krokodilweibchen trägt ihren Nachwuchs zum Fluss. Bild: © picture alliance / Arco Images GmbH

Nesträuber Warane

Brut-Tricks der Krokodile

Seit über 30 Jahren folgt er den Krokodilen: Reinhard Radke (62) kann nicht von den Urzeitechsen lassen. Für die ARD-Reihe „Erlebnis Erde“ besuchte der Zoologe, Autor und mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilmer wieder einmal die Serengeti.

Gerade ist sein beeindruckender Film über den 15.000 Quadratkilometer großen Nationalpark in Tansania als DVD und 3-D-Blu-Ray in den Handel gekommen (siehe Tipp auf nächster Seite). Am Grumeti-Fluss beobachtete er weibliche Krokodile bei der Brut. In HÖRZU schreibt er über den Instinkt der Mütter, die Bedrohung ihrer Jungen und ihre überraschenden Helfer:

400 Kilo Muskeln, schwere Panzerung, ein Maul voll mörderischer Zahndolche: Nilkrokodile sind beeindruckende archaische Erscheinungen mit einer Aura von Gewalt und Gefahr. Erst recht, wenn es sich um angehende Mütter handelt, die nichts und niemand fürchten. Selbst tonnenschwere Flusspferde werden ohne Zögern angegriffen, sollten sie dem Nestbereich zu nahe kommen.

Warane - Feinde der Krokodile

Umso erstaunlicher ist, dass sie einem scheinbar harmloseren Feind hilflos ausgeliefert sein können: den Nilwaranen. Die knapp zwei Meter langen, schlanken Echsen wirken neben den massigen Monstern zwar zerbrechlich, ein einziger Krokodilbiss würde sie zerfetzen. Dennoch bleiben sie oft die Sieger im unbarmherzigen Kampf David gegen Goliath.

Wollen sich die Riesen durchsetzen, brauchen sie Verbündete – Helfer, die man an ihrer Seite nicht erwarten würde.

Brutverhalten der Krokodile

Als ich den Brutplatz am Grumeti-Fluss in der westlichen Serengeti fand, war mir klar, dass sich die Chance bot, selten gesehenes Verhalten zu dokumentieren. Schon oft war ich durch die Uferbüsche des Flusses gezogen, um einen Eiablageplatz der Krokodile zu finden, von denen es im Fluss wimmelt. Sie wissen sich in der kritischen Zeit zu verbergen, kein Ranger, kein Touristenführer konnte mir bei der Suche mit Hinweisen helfen.

Und so saß ich nun hinter einer Sichtblende zwischen dichten Büschen, vor mir eine fast ausgetrocknete Flusskehre mit einem ansteigenden Strand auf der anderen Uferseite.

Drei Echsen hatten ihre Nester angelegt und harrten nun monatelang aus, um sie zu verteidigen. Der beste Platz war von einem alten Weibchen belegt. Das Nest lag in weichem Sand vier Meter neben einem Schatten spendenden Busch. Eine gute Wahl, denn es konnte den ganzen Tag im Schatten liegen und hatte das Nestgebiet unter Kontrolle.

50 Meter weiter rechts brütete im Freien eine jüngere Echse, gut drei Meter lang, kraftvoll und energisch. Ihr Nest war weit weg vom Wasser, sie musste weite Wege gehen, um sich abzukühlen. Zwischen den beiden hatte weiter oben am Hang das dritte, jüngste Weibchen seine Eier vergraben. Eine perfekte Stelle. Der leicht geneigte Hang heizte sich tagsüber gut auf, das Gelege konnte nicht überflutet werden. Aber es gab dort viele Kräuter und Gräser, Deckung für ihre schlimmsten Feinde, die Warane.

Der nächste Schatten war weit, und zum Wasser musste sie vier Meter Höhenunterschied überwinden: ein langer Weg durch weichen, nachgiebigen Sand, in der Tageshitze eine Strapaze für das schwere Weibchen. Es hat keine Chance.

Nesträuber Warane

Vor der Kamera entwickelt sich in den nächsten Wochen ein unerwartetes Drama. Zwei Stunden nach Sonnenaufgang umkreisen Warane das Tier wie ein Rudel Wölfe. Spätestens um 10 Uhr am Vormittag wird es so warm, dass es sich abkühlen muss.

Krokodile sind wechselwarm: Einerseits brauchen sie Sonnenwärme, um ihre Körpertemperatur stabil zu halten. Andererseits kann ihnen zu viel Wärme auch gefährlich werden, denn sie schwitzen nicht. Wenn ihre Körpertemperatur deutlich über 38 Grad steigt, brauchen sie dringend Kühlung: einen tiefen Schatten oder – noch besser – Wasser.

Das Weibchen muss irgendwann zum Tümpel hinunter – darauf haben die Nesträuber gewartet. Sofort schlängeln sie sich auf den Nistplatz, ihre züngelnden Zungenspitzen verraten ihnen bald, wo die Eier liegen. Schon beginnen sie zu scharren. Die Mutter in spe hält sich nicht lange im Wasser auf und wuchtet ihre Masse wenige Minuten später wieder zurück zum Nest, wo sie wütend zwischen die Warane fährt. Doch die weichen mühelos aus – und das ungleiche Spiel geht weiter.

Autor: Reinhard Radke