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Berggorilla

Foto © SWR/Martha Robbins/MPI-EVAN

Unterhaltsames Affentheater

"Berggorillas - Ugandas sanfte Riesen"

Die faszinierende Doku "Berggorillas - Ugandas sanfte Riesen" (14.02., 17.15 Uhr, SWR) beleuchtet das verborgene Leben eines Clans von Berggorillas - und zeigt erstaunliche Parallelen zu TV-Seifenopern.

Happy ist immer happy. Nur heute kaut der kleine Berggorilla nicht mit gewohnter Ruhe an seinen frischen Knospen und Knollen. Die schrillen Schreie von Byzia und Sikio lenken ihn ab. Seine Verwandten liefern sich einen Kampf, der selbst Vitali Klitschko beeindrucken würde. Der Grund: ein paar leckere Wurzeln. Eigentlich wäre es nun an Papa Rukina (Foto), die notorischen Streithähne zu trennen. Doch der größte Schürzenjäger des Clans hat andere Pläne. Verstohlen stellt er Affenlady Tindamayere nach. Die Angebetete hat allerdings keine Lust auf Sex. Seit Kurzem ist sie nämlich wieder schwanger - von Rukinas Rivalen Marembo.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten in einem der ältesten Regenwälder der Welt - dem Bwindi-Nationalpark im Südwesten Ugandas. Der Titel der RTL-Seifenoper trifft das Leben der Großfamilie ganz gut. Intrigen, Geburten, Kämpfe, Todesfälle, Eifersüchteleien und Seitensprünge gibt es unter den insgesamt 16 Gorillas täglich. Und mittendrin: Martha Robbins, eine der weltbesten Primatologinnen. Im Auftrag des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie beobachtet sie das Verhalten der Tiere seit zwölf Jahren. "Ein Gorillaforscher braucht Geduld - sehr viel Geduld", sagt sie.

Die Wissenschaftlerin hat allen Haupt- und Nebendarstellern einen Namen gegeben: Alpha-Affe ist Rukina, der Patriarch der Familie. Er ist ein sogenannter Silberrücken - sobald Gorilla-Männer in der Hierarchie nach oben klettern und keinen mehr über sich haben, verfärbt sich durch einen Hormonschub ihr schwarzes Fell. Rukina steht über vier Schwarzrücken (etwa Marembo und Zeus), sechs Weibchen (wie Tindamayere) und fünf Teenies und Babys (zum Beispiel Happy). "Sie alle lassen mich in ihr Leben hinein", sagt Martha Robbins, "und ich mache daraus eine Wissenschaft."

Es ist ein einzigartiges Forschungsprojekt. Weltweit existieren nur noch rund 720 Berggorillas. Sie leben in den Virunga-Bergen im Grenzgebiet zwischen Ruanda, Kongo und Uganda und im Bwindi-Nationalpark, der seit 1994 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Einheimische nennen den Dschungel ehrfurchtsvoll "den Undurchdringlichen". Im gigantischen Dickicht aus Bambus, Kletterpflanzen und Ranken verstecken sich Elefanten, Schlangen, 120 Arten von Säugetieren, 200 Schmetterlings- und 300 Vogelarten - und natürlich Martha Robbins' Forschungsobjekt: der Affen-Clan, der ihr längst ans Herz gewachsen ist.

Besucher des Bwindi-Nationalparks können von den letzten lebenden Gorillas zwei Familien hautnah erleben - der Rest ist nicht an Menschen gewöhnt. Um die Letzten ihrer Art zu schützen, bewilligt der Nationalpark-Service von Uganda nur zwölf Besuchsgenehmigungen pro Tag - zwei für Touristen vor Ort, zehn für Reiseagenturen aus aller Welt.

Autor: Mike Powelz