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Flamingos landen zum Brüten im Rhonedelta der Camargue.

Gruppenreise: Flamingos landen zum Brüten im Rhonedelta der Camargue. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Teil 1: Mo., 16.12., 19.30 Uhr

Arte-Doku ''Expedition Mittelmeer''

Haie, Wale, Mönchsrobben: Die spektakuläre TV-Doku "Expedition Mittelmeer" zeigt die wilden Seiten des so vertraut wirkenden Meeres.

Mittelmeer? Kennt man doch. Wir schwimmen vor Mallorca, genießen Griechenlands Strände, wandern auf Korsika. Und doch steckt Europas Lieblingsbadewanne noch voller Geheimnisse. Für die Dokureihe "Expedition Mittelmeer" (siehe TV-Tipp rechts) stießen zwei Filmteams bis in die entlegensten Winkel vor – eines zu Wasser, eines an Land. Es wurde eine Expedition voller Überraschungen. Schon allein die Ausmaße des angeblich so vertrauten Meeres verblüffen.

Autor Uwe Tellkamp

Der Braune Zackenbarsch. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Rund 2,5 Millionen Quadratkilometer umfasst die Gesamtfläche, das Calypsotief südwestlich der Peleponnes erreicht sogar eine Tiefe von 5267 Metern. Kein Wunder also, dass die Unterwasserfilmer auf Tiere stießen, die man hier gar nicht vermutet hätte.

Jäger aus der Tiefe

"In der Straße von Messina tauchten wir nach einem der größten Raubhaie der Erde“, erinnert sich Naturfilmer Florian Guthknecht. Der Sechskiemerhai wird bis zu sechs Meter lang, sein breites Maul zieren nadelspitze Zähne. "Wir setzten zunächst Fischköder ein, deren Blut die Tiere anlocken sollte. Vergeblich. Schließlich half uns ein italienischer Akustikexperte, der unter Wasser Tonaufnahmen eines zappelnden Thunfischs abspielte." Langsam, fast majestätisch gleitet so ein Sechskiemerhai durchs Wasser, auf der Suche nach Beutefischen, Krebsen, Weichtieren.

"Obwohl ich seit fast 20 Jahren Unterwasserfilme mache, war mir nicht bewusst, wie groß der Wal- und Delfinbestand hier tatsächlich ist", sagt Florian Guthknecht. "Im Mittelmeer leben noch rund 1000 Pottwale, die immerhin 15 Meter lang werden. Dazu kommen 1400 Finnwale, die auch in Badegebieten schwimmen, etwa vor der toskanischen Küste."

Meerestiere Mönchsrobbe

Typisch für Mönchsrobben: die doppelte Schwanzflosse. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Der Finnwal ist das zweitgrößte Tier der Erde und mit bis zu 50 Kilometer pro Stunde der schnellste Wal. Dem flinken Schwimmer unter Wasser folgen? Keine Chance. Dafür tauchten vor den Kameras Meeresbewohner wie der Braune Zackenbarsch auf, ein Wesen aus der Urzeit. Der 20 Kilo schwere, vom Aussterben bedrohte Riese kann über sein Seitenlinienorgan jede Bewegung spüren, sogar den Herzschlag eines Tintenfischs. Selbst wenn sich der Krake in einer Tintenwolke tarnt, schnappt der Jäger erbarmungslos zu. Noch seltener sind Bilder von Mönchsrobben, den gefährdetsten Säugetieren Europas.

Experten schätzen, dass nur noch 400 Exemplare in den Weiten des Mittelmeeres leben. Florian Guthknecht: "14 Tage lang haben wir erfolglos nach ihnen gesucht. Dann glückten uns doch noch einzigartige Aufnahmen." Das Team stieß auf die größte Kolonie von Mönchsrobben im ganzen Mittelmeer. Ein besonderes Glück: Sie hatten gerade Junge zur Welt gebracht. Einige der bis zu 280 Kilo schweren Tiere sonnten sich sogar am Strand.

Meerestiere Karettschildkröte

Kaum geschlüpft, krabbeln junge Schildkröten auch schon ins Meer. - Foto © picture-alliance/ dpa

"Das machen die scheuen Mönchsrobben normalerweise nicht mehr, weil sie über Jahrhunderte gejagt wurden", sagt Tierfilmer Florian Guthknecht und erinnert sich an einen der bewegendsten Momente der Dreharbeiten: „Wir schwammen in eine Höhle und fanden junge Robben, die uns arglos anblickten. Es sind so liebenswerte Tiere mit ihren großen Augen und dem dunklen Fell mit weißen Flecken.“ Der Nachwuchs kommt meist in Höhlen zur Welt, die nur unter Wasser erreichbar sind.

Eine weitere Tierart des Mittelmeeres sucht dagegen die Nähe der Menschen – unfreiwillig. Ausgerechnet die feinen Sandstrände der griechischen Insel Zakynthos gelten als Hauptpaarungs- und Brutgebiet der Unechten Karettschildkröte.

Zurück in die Heimat

Wo sich tagsüber Touristen sonnen, krabbeln bei Einbruch der Dunkelheit plötzlich Meeresschildkröten an Land. Sie zwängen sich zwischen hochgeklappten Liegestühlen hindurch, weil sie ihre Eier ablegen wollen – nach ihrem genetischen Programm genau dort, wo sie selbst geboren wurden. Sie wagen sich erst aus dem Meer, wenn es dunkel und still ist. An vielen einst einsamen Stränden versperrt deshalb jetzt der boomende Tourismus den Weg.

Meerestiere Tritonshorn

Jagdschnecke: Das Tritonshorn frisst Seesterne. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Partys statt Tierparadies. Früher war etwa der Strand von Laganas bei Tagesanbruch schwarz vor frisch geschlüpften Karettschildkröten. Das Schicksal der Schildkröten zeigt eindrucksvoll, wie sich der Lebensraum Mittelmeer verändert. "Ganz besonders erschreckt hat mich die Verschmutzung durch Plastik", berichtet Florian Guthknecht. "Im Magen eines verendeten Pottwals fand man 16 Kilo Plastikplanen. Er ist einfach verhungert." Die Folien flattern an der Almería-Küste in Spanien. Kilometerweit blinken Gewächshäuser für Erdbeeren und Tomaten in der Sonne. Eine Höhle der Mönchsrobben war komplett mit Plastikmüll zugeschwemmt.

Vor Sardinien, wo der Naturfilmer noch vor 15 Jahren in ein Paradies eintauchte, breitet sich plötzlich schleimiger Algenrasen aus. "Erstaunlich ist, wie sehr Suezkanal, Rotes Meer und vor allem Klimaerwärmung das Mittelmeer beeinflussen", sagt Guthknecht. "An der Mündung des Suezkanals etwa siedeln sich tropische Korallen an. Exotische Papageifische schwimmen bereits bis nach Elba." So wächst zwar die Vielfalt, doch wie sich solche Veränderungen auf die ursprüngliche Fauna und Flora auswirken, weiß niemand genau. Es wäre schade um einen Lebensraum, der so vielen scheinbar exotischen Tieren Platz bietet.

Meerestiere Karettschildkröte

Typisch für Mönchsrobben: die doppelte Schwanzflosse. - Foto © picture alliance

In den Sümpfen des Rhonedeltas brüten Flamingos, und auf den Felsen von Gibraltar leben die einzigen Affen Europas. Sind sie Grenzgänger, die einst aus Afrika die Meerenge überquerten – und blieben? Rosapelikane, vom Expeditionsteam aus einem Ultraleichtflugzeug an der syrisch-libanesischen Grenze gefilmt, erwartet man hier ebenso wenig wie Grindwale, die in Gruppen von ungefähr 20 Tieren durch das Meer ziehen und dabei einem Leittier folgen. Allein im Wasser tummeln sich über 16.000 verschiedene Tierarten.

Florian Guthknecht: "Genau genommen handelt es sich um verschiedene Meere, deren Ökosysteme komplex vernetzt sind." Jedes wartet mit einer eigenen Artenvielfalt auf. Dazu kommt der Einfluss des Atlantiks. „Durch die gewaltigen Strömungen bei Gibraltar reicht er ungefähr 400 Kilometer weit ins Mittelmeer. In dieser Region findet man Tiere, die so nur hier leben.“ Anders gefärbt als die Verwandten im Atlantik, anders geformt, mal größer, mal kleiner. Eine unendliche Vielfalt, betörend schön. Es gibt noch viel zu entdecken in jenem Gewässer, das die Römer "mare nostrum" nannten – unser Meer.

Autor: Kai Riedemann