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Elfenbeinhandel

Durchschnittlich 33.000 Elefanten werden jedes Jahr wegen ihres Elfenbeins getötet -
einer alle 15 Minuten. - Foto: ZDF / © Russell Gienapp

Die blutige Spur der Wilderer

Arte-Doku "Der letzte Raubzug"

Wie funktioniert das Geschäft der Schmuggler und Wilderer? Die Arte-Dokumentation "Der letzte Raubzug" folgt den blutigen Spuren der Wilderer.

Ein Kadaver in einer Blutlache. Mehr ist von dem Elefanten nicht geblieben. Was fehlt, sind seine mächtigen Stoßzähne – mit Äxten herausgebrochen. Um den weltweiten Hunger nach Elfenbein zu stillen. Wieder haben Wilderer zugeschlagen, wie so oft in Afrika. Teilweise schlachten sie Hunderte Tiere auf einmal ab, ein Töten im industriellen Ausmaß.

35.000 Elefanten werden laut Schätzungen jährlich Opfer der Elfenbeinjagd. Tendenz: steigend. Tierschützer sprechen schon vom größten Massensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier. Geht die Wilderei in diesem Tempo weiter, werden Elefanten in spätestens 15 Jahren aus weiten Teilen Afrikas verschwunden sein. Für immer.

Jagd auf Elefanten, Nashörner und Tiger

Doch wie funktioniert das Geschäft der Schmuggler und Wilderer genau? Die Arte-Dokumentation "Der letzte Raubzug" folgt nun ihren blutigen Spuren (Di., 23.6., 22.55 Uhr, Arte, s. auch TV-Tipps rechts). "Sie agieren immer professioneller und sind immer besser ausgerüstet", erklärt Robert Kless, Wildtier-Kampagnenleiter des Internationalen Tierschutzfonds IFAW. Sie machen vor allem Jagd auf Elefanten, Nashörner und Tiger. Zwar setzen afrikanische Länder verstärkt Wildhüter ein, doch die können gegen die skrupellosen Banden nur wenig ausrichten. Zu groß sind die Gebiete, die geschützt werden müssen. Außerdem mangelt es ihnen an moderner Ausrüstung, etwa an Nachtsicht- und Funkgeräten.

Elfenbein als Statussymbol

Immer häufiger steckt das organisierte Verbrechen hinter dem Raubzug gegen die Natur. "Beim Transport von gewildertem Elfenbein und Nashorn werden oft dieselben Schmuggelrouten genutzt wie für den illegalen Drogen-, Waffen- und Menschenhandel", berichtet Kless. Auch Milizen wie die somalische al-Shabaab mischen in dem Handel mit, um ihre Terroranschläge zu finanzieren. Und das Geschäft lohnt sich: 20 Milliarden US-Dollar soll der Wildtierschmuggel jedes Jahr weltweit umsetzen.

Doch wer kauft eigentlich noch Elfenbein und Horn? Ein Großteil der Lieferungen geht nach Ostasien. Elfenbein ist vor allem in China gefragt, Horn in Vietnam. Dort liegt der Preis auf dem Schwarzmarkt bei bis zu 50.000 US-Dollar für ein Kilo Horn. Kless: "Viele halten Nashornpulver für ein Wundermittel, das sogar Krebs heilen kann." Dabei besteht es nur aus Keratin: Tausenden lang gezogenen Proteinfäden.

Elfenbein ist dagegen ein begehrtes Statussymbol. "Wer es besitzt, zeigt: Ich habe es zu etwas gebracht", beschreibt Kless. Zugleich werden die beiden Naturstoffe zu lukrativen Geldanlagen: Je weniger Elefanten und Nashörner es gibt, desto höher steigt der Wert ihres Elfenbeins oder Horns.

Aufklärungskampagnen und internationale Zusammenarbeit

Um diese fatale Entwicklung zu stoppen, setzen Tierschutzorganisationen auf ein breit angelegtes Aktionspaket. Dazu gehören etwa Aufklärungskampagnen in Asien. "Viele Chinesen sind sich dessen gar nicht bewusst, dass für die Gewinnung von Elfenbein tatsächlich Elefanten sterben müssen," so Kless. "Sie denken, dass die Stoßzähne einfach ausfallen." Gleichzeitig ist die Politik gefordert, Kontrollen zu verstärken, Korruption zu bekämpfen und härtere Strafen für Wilderer durchzusetzen.

Kless sieht aber auch Deutschland und die EU in der Pflicht. "Es reicht nicht, hinzugucken und zu sagen: ‚Macht was!‘", erklärt der Tierschützer. "Das Problem kann nur über internationale Zusammenarbeit gelöst werden." Etwa, indem die EU mithilft, Polizisten und Zöllner in Afrika zu schulen und Wildtierhüter besser auszurüsten, fordert der IFAW. Eine Hilfe, die hoffentlich noch nicht zu spät kommt.

Autor: Manuel Opitz