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Rift Valley

6000 Kilometer lang ist das Rift Valley - Foto © www.piqs.de / Rudi Stangl, CC

Naturwunder Rift Valley

Afrikas Tal der Tiere

Es waren einmal drei Brüder, die gingen gemeinsam auf die Jagd. Sie waren unerfahren, aber hungrig. Ihr Gebiss war noch klein, doch hatten sie die schnellsten Beine und schärfsten Augen der Welt. Ihr Körper schien nur aus Muskeln zu bestehen. Sie waren die perfekten Jäger. Ihr Name: Geparden. Ihre Opfer: Gazellen. Eine schöne Geschichte. In Bildern konnte man sie bislang sehr selten sehen, denn Filmaufnahmen von jagenden kleinen Geparden waren äußerst rar, Nahaufnahmen gab es gar keine. Nun sind die spektakulären Szenen erstmals im Fernsehen zu bewundern: Den Produzenten der neuen TV-Dokumentation "Das Tal des Lebens" (siehe TV-Tipp) gelang es dank spezieller Kameratechnik, die jungen Wildkatzen in ihrer Heimat zu beobachten.

Monatelang flogen sie in mit Hightech-Kameras ausgestatteten Helikoptern über das Rift Valley, den Großen Afrikanischen Grabenbruch – einen Schauplatz der Superlative. Keine Landschaft der Erde ist faszinierender als dieses Tal der Rekorde, das mit 6000 Kilometern Länge – von Syrien im Norden bis nach Mosambik im Süden – fast siebenmal so lang ist wie Deutschland. Paradies unter vulkanen Dabei war das Rift Valley vor Millionen Jahren nichts als ein schmaler Riss in der Erdkruste. Durch die ständigen Verschiebungen der großen Kontinentalplatten und die Ausbrüche von Vulkanen verwandelte es sich jedoch in ein Naturwunder: Hier erhebt sich Afrikas höchster Berg, der Kilimandscharo, hier liegt der riesige Ngorongoro-Krater, dessen Ebene so groß ist wie die Stadt Frankfurt am Main und der von Zehntausenden Tieren bevölkert wird. Hier erstreckt sich die legendäre Savannenlandschaft Serengeti, deren Name in der Sprache des Naturvolks der Massai so viel bedeutet wie "endloses Land".

Elefanten, Nashörner, Antilopen, Löwen, Leoparden, Geparden, Büffel: Sie alle zeigt die zweiteilige Fernsehdokumentation unvergleichlich lebensnah. "Zwar wurde keine andere Region der Erde so häufig von Naturfilmern unter die Lupe genommen wie das afrikanische Rift Valley", erzählt Regisseur Harald Pokieser im Interview mit HÖRZU. "Doch dank unserer speziellen Kameratechnik konnten wir die Tierwelt dieses Paradieses in nie zuvor erreichter Qualität filmen." Die Aufnahmen des ARD-Teams geben ganz neue Einblicke ins Leben der Wildtiere und sind damit lehrreicher als so manche Stunde Biologieunterricht. Den Kameraleuten gelangen etwa Aufnahmen von riesigen Antilopenherden, die sich im November, am Ende der Kleinen Regenzeit, im kenianischen Nationalpark Masai Mara versammeln.

In diesem einzigartigen Schutzgebiet leben auf ungefähr 1500 Quadratkilometern so viele und so unterschiedliche Tiere wie sonst an kaum einem anderen Ort der Welt. Auf der Jagd nach spektakulären Bildern trafen die Filmemacher im Rift Valley auch auf Justice – ein Wesen, das nur aus Muskeln zu bestehen scheint und die schnellsten Beine der Welt besitzt. Ein Gepard? Nein, ein Mensch. "Einige der besten Langstreckenläufer aller Zeiten stammen aus der westlichen Flanke des Rift Valley in Kenia", erklärt Paul Reddish, der Produzent der TV-Dokumentation. "Die Menschen, die hier leben, müssen täglich von ihren Hütten zu den Viehweiden laufen und dabei Hunderte Höhenmeter überwinden, ohne zu rasten, zu essen und zu trinken. Von den 100 schnellsten Marathonläufern der Welt stammt mehr als die Häfte aus Kenia. Die meisten direkt aus dem Rift Valley. Hier gibt es nur zwei Bewegungsrichtungen: steil bergauf und steil bergab."

Auch die Pfade, die in den Ngorongoro-Krater führen, sind äußerst steil und unwegsam. In der gigantischen Tiefebene versammeln sich auf nur 260 Quadratkilometern fast alle Tierarten der afrikanischen Savanne. Alle außer Giraffen. Mit ihren langen Beinen können sie die waghalsigen Passagen in den Krater nicht bewältigen. Dafür residieren hier Europas Störche, wenn sie dem europäischen Winter entfliehen wollen. Wie in einem luxuriösen Refugium tanken sie Kräfte für den Rückflug in die nördliche Heimat. Wenn die Störche sich wieder erheben, können sie aus der Luft die großen Tiertrecks durch den Ngorongoro-Krater bewundern: eine Million Streifengnus, eine Viertelmillion Gazellen, rund 60.000 Zebras.

Wären sie in der Lage, von ihrer Winterreise zu berichten, würden sie vielleicht erzählen, dass im Ngorongoro-Krater eine neue Arche Noah vor Anker gegangen ist, die alle Kreaturen Afrikas an Bord hatte. Sie würden von riesigen Tierwanderungen schwärmen, zu denen es kommt, wenn Tausende Gnus sich auf den langen Weg durch die Serengeti Richtung Nordwesten machen, wo jetzt auf dem Höhepunkt der Trockenheit noch grüne Grassavannen locken. Sie würden schaudernd schildern, wie die Gnus ihren Schicksalsfluss erreichen, den Grumeti River, in dem kalte Krokodilaugen bereits Ausschau nach ihnen halten – gierig und ausgehungert. Doch weil die Störche nicht sprechen können, werden sie uns nie von diesem faszinierenden Kreislauf aus Leben und Tod erzählen, von ihren Abenteuern in einer der grandiosesten Landschaften der Welt. Wie gut, dass dies nun an ihrer Stelle eine einzigartige Dokumentation tut.

Autor: Mike Powelz