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Junge Geparden spielen

Junge Geparden spielen gemeinsam im Masai-Mara-Wildschutzgebiet, Kenia. - Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Rasante Jäger

Afrikas Geparden

Er kennt und liebt Afrika wie kaum ein anderer: Der Biologe und Filmemacher Reinhard Radke (64) lebte lange in Ostafrika und drehte dort neben TV-Dokus auch den Kinoerfolg "Serengeti" (2011).

In "Expeditionen ins Tierreich – Geparde" (s. TV-Tipp rechts) folgt er dem schnellsten Landraubtier der Welt. Seine Eindrücke aus dem nördlichen Teil der Serengeti, der Masai Mara in Kenia, schildert er in HÖRZU:

Rasante Jäger

Die Gepardin steht schon fast eine halbe Stunde völlig frei in der Hitze und lässt mehrere Thomsongazellen nicht aus den Augen. Geschmeidiges Schleichen nach Katzenart ist ihr unmöglich, weil ihre auf Hochgeschwindigkeit ausgelegten Bänder ihr Skelett extrem straff halten.

Gepardin bei der Jagd
Geparden sind rasante Jäger. - Foto: © picture alliance / Arco Images GmbH

Als sich eine junge Gazelle hinlegt und ihre Artgenossen weiterwandern, startet die Gepardin aus großer Distanz. Sie hat etwa 30 Meter hinter sich, als das Jungtier die Gefahr erkennt und in wildem Zickzack flieht. Doch die Wildkatze macht die Kurven mühelos mit und kommt schnell heran. Dannn schlägt ihre rechte Pranke zu, die Gazelle verliert das Gleichgewicht, die Gepardin drückt ihr mit einem Kehlbiss die Halsgefäße ab.

Um nicht selbst ohnmächtig zu werden, braucht die Jägerin nach dieser Anstrengung viel Sauerstoff. Geparde sind geborene Sprinter: kein überflüssiges Gramm Gewicht, eine extrem biegsame Wirbelsäule, straffe Bänder, schlanke, lange Beine.

Kleine Zähne

Was ihnen fehlt, sind deshalb kraftvolle Pranken zum Zupacken und ein starkes Gebiss zum Zubeißen. Geparde sind Gefangene ihrer Spezialisierung: Zugunsten großer, leistungsstarker Atemwege sind ihre Zähne eher klein und schwach im Kiefer verankert.

Die Hälfte ihrer Jagdansätze ist erfolgreich – eine Quote, von der Löwen nur träumen können. Doch mit ihrer leichten Bewaffnung sind Geparde den massigeren Raubtieren nicht gewachsen. Ein halbstarker Löwe oder ein Rudel Hyänen nimmt einem Gepard seinen Riss ab. Oder, schlimmer noch, den Nachwuchs.

Eine Studie mit 20 markierten Gepardenweibchen in der Serengeti ergab, dass nur knapp fünf Prozent der Jungen überlebten. Für gut drei Viertel der Verluste waren Löwen verantwortlich.

Bedrohungen für Geparde

In der Serengeti ist die Zahl der Löwen in den letzten Jahrzehnten massiv gestiegen, die der Geparde auf einige Hundert Tiere gesunken. Weitere Bedrohungen sind für sie der Landhunger des Menschen, illegaler Handel und die Trophäenjagd. In Afrika leben optimistisch geschätzt noch etwa 10.000 Geparde, die meisten in Botsuana und Namibia.

Gepardenjungtier
Ein sechs bis acht Wochen altes Gepardenjungtier. - Foto: © picture alliance/WILDLIFE

Bei unserem Dreh erleben wir einen Angriff von Löwen auf Geparde: Vier Löwinnen nähern sich einer Herde Gnus und steuern dabei auf einige Büsche zu, die sich für einen Hinterhalt anbieten. Da taucht plötzlich eine Gepardin, eine von zwei Protagonistinnen unseres Films, zwischen den Büschen auf. Für ihre drei dort versteckten Jungtiere geht es jetzt um alles!

Mit aufgerissenem Maul rennt die wimmernde Gepardin auf die körperlich überlegenen Jäger zu. Die Gnus sind vergessen, für die Löwen geht es nur noch um die Suche nach dem Nachwuchs. Hunger spielt dabei keine Rolle, ihr Ziel ist es, zukünftige Konkurrenten auszuschalten.

Die Gepardin geht tänzelnd auf die Angreifer zu und startet Angriffssprünge, bis die Löwen sich herumwerfen und sie wütend attackieren. Die Einzelkämpferin schafft es, drei Löwinnen ins freie Grasland zu locken. Ein brillantes Manöver. Aber nicht alle Feinde lassen sich ablenken.

Als ich mit meinen Teamkollegen Pete Blackwell und Ralph Schieke zu den Büschen zurückkomme, sehen wir eine der Löwinnen mit einem dunklen Bündel im Maul. Immerhin: Zwei Jungtieren hat die Mutter durch ihr entschlossenes Handeln das Leben gerettet.

Autor: Reinhard Radke