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Hundewelpen

Drollig: kleine Hundewelpen - Foto © www.piqs.de / day 10, CC (Some rights are reserved.)

Tierbabys in Deutschlands Zoos

Süßer Nachwuchs zu bestaunen

Arche Noah, Sonntag, 18.04.2010, 3sat, 17.30 Uhr - Diesmal Thema des Tiermagazins: der putzige Nachwuchs im Duisburger Zoo

Und schwupps! Schon wieder ist der kleine Dimas hingefallen. Kurz blickt er verwirrt zu seiner Mutter, dann versucht er noch einmal mit letzter Kraft, seine knapp 150 Kilogramm aufzurichten – erfolglos! Es ist aber auch wirklich nicht so einfach, ein paar Schritte zu gehen, wenn man erst vor ein paar Tagen auf die Welt gekommen ist. Trotz dieser kleinen Startschwierigkeiten ist Dimas schon jetzt ein Star. Den tapsigen Elefantenbullen haben die Besucher des Berliner Tierparks längst ins Herz geschlossen. Sie stehen Schlange, um einen Blick auf ihn zu erhaschen.

Dimas ist da keine Ausnahme: In allen Zoos gehören Tierbabys regelmäßig zu den Publikumsmagneten. Gerade jetzt lohnt sich für Fans der Kleinen der Besuch im Tierpark. Ob der Tapir Pablo in Saarbrücken, das Nashorn Seto Paitala in Nürnberg oder der Gorilla Kajolu in München – überall begeistert der Nachwuchs die Besucher. Die Zoobetreiber können sich über den sogenannten Knut-Effekt freuen. Der knuddelige Eisbär hat, nachdem er im März 2007 der Öffentlichkeit präsentiert worden war, innerhalb von 50 Tagen eine halbe Million Besucher in den Berliner Zoo gelockt – was diesem unverhofft geschätzte 800.000 Euro eingebrachte. Jetzt wird der zehnmillionste Knut-Fan am Eisbärgehege erwartet. "Die Zoos züchten aber nicht, um Zuschauer anzulocken“, stellt der Biologe und Zoohistoriker Harro Strehlow klar. "Es geht den Betreibern vor allem darum, bestimmte Tiere zu erhalten, Artenschutz ist einer der wichtigsten Bereiche ihrer Arbeit. Es werden ja auch viele Tiere gezüchtet, die nicht gerade Knüller für die Gäste sind. Junge Schlangen zum Beispiel sehen nicht viel niedlicher aus als alte Schlangen."

Ihre Verantwortung für den Artenschutz nehmen die Zoos unter drei Aspekten wahr: Erstens geben sie den Besuchern durch Führungen und Schautafeln wichtige Informationen über die bedrohten Tierarten. Zweitens unterstützen sie Projekte in aller Welt, etwa durch Finanzierung und Ausbildung von Personal in Nationalparks. Drittens bemühen sie sich um möglichst häufigen Nachwuchs. Engagement für Artenschutz hat unter deutschen Zoologen Tradition: Bereits 1923 wurde in Berlin – nach amerikanischem Vorbild – die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents gegründet. Erster Vorsitzender war der Direktor des Frankfurter Zoos, Kurt Priemel. Der Initiative gelang es, die unmittelbar vom Aussterben bedrohten Tiere planmäßig zu züchten und in Schutzgebieten auszuwildern. In den 70er-Jahren erkannten alle Zoos in Deutschland den Artenschutz als wichtige Aufgabe an.

Beeindruckende Erfolge wurden seitdem bei der Zucht von Menschenaffen erzielt: Galt in den 60er-Jahren eine Geburt im Zoo hier noch als Sensation, mussten mittlerweile bei einigen Schimpansen und Gorillas Geburtenbeschränkungen eingeführt werden. "Wenn Zoos Zuchterfolge vorweisen können, ist das fast immer ein Zeichen dafür, dass es den Tieren gut geht", sagt Strehlow. Natürlich gibt es Ausnahmen: Braunbären wurden früher in furchtbaren Löchern gehalten und haben sich trotzdem vermehrt. Aber die Mehrzahl der Tiere braucht spezifische Bedingungen für die Fortpflanzung. Das kann das Raumklima sein, die Raumgröße oder das Futter. "Wenn dann die Zucht gelingt, sind mindestens die Grundbedürfnisse der Tiere befriedigt worden", so der Experte.

Ist der Nachwuchs da, müssen die Tierpfleger dafür sorgen, dass er der Öffentlichkeit nicht zu früh präsentiert wird. Menschenmassen können Panik und Fehlverhalten bei den Muttertieren auslösen. Ist die Mutter-Kind-Beziehung noch nicht stabil, kann es zum Beispiel passieren, dass Raubtiere ihre Jungen fressen. Leben die Kleinen in Gehegen mit unterschiedlichen Tieren, dürfen sie dem Publikum erst gezeigt werden, wenn sie stark genug sind, neugierigen Käfig-Kollegen notfalls zu entkommen. "Besucher sollten sich aber keine Sorgen machen, dass ihre Anwesenheit schadet", sagt Strehlow. "In Zoos arbeiten ausschließlich Fachkräfte, denen das Wohlergehen der Tiere über alles geht. Kein Direktor wird – nur um 100 Eintrittskarten mehr zu verkaufen – den Tod eines Jungtieres riskieren." Es spricht also alles dafür, jetzt die Tierparks zu besuchen und sich von Elefantenbaby Dimas und den anderen Kinderstars verzaubern zu lassen.

Autor: Sven Sakowitz