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Rochen

Foto © www.piqs.de / Fotograf: zwerKH, CC (Some rights are reserved.)

Majestät der Meere

Der Rochen

Niemand gleitet so elegant durchs Wasser wie ein Adlerrochen. Wellenförmig heben und senken sich seine Brustflossen, die eine Spannweite von bis zu drei Metern erreichen. Kleine Fische begleiten ihn, suchen Schutz unter seinem majestätischen Körper, der fünf Meter lang werden kann. Die gefleckten Giganten bewegen sich fast immer frei schwimmend. Das hebt sie ab von den meisten der rund 300 Rochenarten, die am liebsten über dem Meeresboden gründeln. Ganz anders die Adlerrochen: Wie Delfine können sie sogar mit dem ganzen Körper aus dem Wasser springen – einen kurzen Moment darüber schweben.

Dramatische Begegnung

Einer 55-jährigen Frau, die sich im März 2008 auf einem Ausflugsboot vor der Küste Floridas an Deck sonnte, wurde ein solcher Sprung zum Verhängnis: Ein 35 Kilogramm schweres Tier landete mit voller Wucht direkt auf ihrem Kopf – eine dramatische Begegnung, die für die Touristin tödlich endete. Derartige Unfälle mit Rochen sind jedoch äußerst selten. Menschen gegenüber verhalten sich die Fische friedfertig, ergreifen eher die Flucht, als einen Angriff zu starten.

Dennoch gibt es gefährliche Arten: Den Stachelrochen etwa sollten Taucher nie zu nahe kommen. Die Tiere fühlen sich schnell in die Enge getrieben und verteidigen sich mit ihrem giftigen Stachel. Der australische Naturfilmer Steve Irwin beispielsweise bezahlte seine übergroße Neugier 2006 mit dem Leben: Vor der australischen Nordostküste stieß ihm ein Stachelrochen seinen Schwanzfortsatz wie ein Bajonett ins Herz.

Rochen sind Knorpelfische – wie auch die Haie. Doch während diese größere Fische fressen, unter anderem die artverwandten Rochen, haben die flachen Giganten einen bescheideneren Speiseplan: Wie ein Staubsauger ziehen sie gemächlich über den Meeresboden, sammeln Muscheln, Schnecken oder Krebse. Deren Schalen und Gehäuse knacken sie dann mit ihren stumpfen, aber sehr harten Zähnen. Nordseearten wie der Nagelrochen fressen auch Krabben, Garnelen und Heringe.

Das Tier mit den nagelartigen Dornen auf dem Körper ist eine der Attraktionen im "Multimar Aquarium" in Tönning an der Nordseeküste: "In dem Moment, in dem sich der Rochen vom Boden erhebt, beginnt seine große Stunde: Seine Eleganz, die Leichtigkeit, mit der er schwimmt – das ist alles unglaublich beeindruckend. Es wirkt, als würde er sich in der Schwerelosigkeit bewegen", schwärmt Dr. Gerd Meurs, Chef des Aquanaturriums, das seit zehn Jahren besteht.

Hinzu kommt eine Art optischer Täuschung: "Betrachtet man die Tiere von unten, ergibt sich ein witziges Phänomen: Weil die Winkel ihres Mauls weit nach oben gezogen sind, sieht es aus, als ob sie immer grinsten. Zudem meint man, angeblickt zu werden." Doch die zwei dunklen Höhlen links und rechts des Mauls sind die Nasenlöcher. Die Augen befinden sich beim Rochen auf der Oberseite.

Lieblinge der Taucher

Bis vor wenigen Jahren sorgte auch die Fortpflanzung der Tiere für Verwirrung. Einige Arten, etwa die Nagelrochen, legen Eier. Die meisten aber gebären ihren Nachwuchs lebend. Über die Tragezeit wussten Biologen bislang wenig. Als 2007 im japanischen "Okinawa Churaumi Aquarium" die erste Nachzucht in einem Meerespark gelang, gewann man erstaunliche Erkenntnisse: Nach 374 Tagen brachte dort ein Mantarochen sein Junges zur Welt, vollkommen entwickelt und von Beginn an selbstständig.

Das weibliche Jungtier hatte bereits eine Spannweite von 190 Zentimetern, kam jedoch wenige Tage nach der Geburt ums Leben. Experte Volker Homes von der Umweltstiftung WWF beruhigt: "Bis auf Ausnahmen, wie etwa die vom Aussterben bedrohten Sägerochen oder Glattrochen, sind die meisten Arten nicht gefährdet."

Das gilt auch für den Mantarochen, der in allen tropischen und subtropischen Gewässern zu Hause ist. Wegen seiner fantastischen Abmessungen ist er unangefochten der Größte seiner Art: Sieben Meter Spannweite und ein Gewicht von bis zu zwei Tonnen sind keine Seltenheit. Dabei ist der Riese vollkommen friedlich. Taucher lieben ihn.

Gefürchtet ist dagegen der rund zwei Meter lange Zitterrochen, auch Torpedorochen genannt. Er verfügt über ein elektrisches Organ, das Stromstöße von bis zu 230 Volt und mehr als 30 Ampere austeilen kann. So lähmt er Beutefische und wehrt sich gegen Haie. Das Gerücht, er könne auch vorwitzige Taucher betäuben und so in Lebensgefahr bringen, wurde nie bestätigt. Bislang beschreiben alle, die von Zitterrochen "einen gewischt" bekamen, den Stromschlag eher wie einen kräftigen Faustschlag.

Autor: Uwe Clausen