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Weiße Seerose Nymphaea alba

Die Weiße Seerose (Nymphaea alba) ist bei uns heimisch. - Foto © picture-alliance / Hippocampus B

Königin der Teiche

Wunder Seerose

Wer einer geheimnisvollen Schönheit begegnet, kann ihr verfallen. Wie Claude Monet. Voller Leidenschaft malte der französische Künstler (1840 –1926) die Seerosen in seinem Garten: glänzende Blätter, Wasser, in dem sich das Blau des Himmels spiegelt, immer und immer wieder zarte Blüten. Sogar der lateinische Name der Seerose erinnert an diese Schönheit: Nymphaea – nach den anmutigen Naturgeistern der Griechen und Römer. Der Legende nach starb eine dieser Nymphen an unerfüllter Liebe und kehrte als Seerose auf die Welt zurück.

Doch auch jenseits aller Mythen steckt Nymphaea voller Geheimnisse. Wie alle Diven steht sie spät auf, erst muss die Sonne darum bitten. Spezielle Lichtrezeptoren sorgen dafür, dass sich die Seerose nur bei intensiver Helligkeit öffnet. Nachts, im Schatten oder bei Regen bleibt sie geschlossen. Photonastie heißt dieses Phänomen bei den Experten.

Blütezeit der Seerose

Verehrer der Teichnymphen müssen sich ohnehin sputen. Meist öffnet und schließt sich eine Blüte je nach Sorte nur drei Tage lang. Von Juni bis September tauchen stets neue auf – im wahrsten Sinne des Wortes. "Der stetige Wechsel von Erblühen und Vergehen ist faszinierend", sagt Theo Germann, Seerosengärtner aus Speyer. "Viele Menschen wissen gar nicht, dass es immer wieder neue Blüten sind."

Ihren Farbpigmenten verdankt die Seerose einen weiteren Überraschungseffekt: Einige Sorten verändern jeden Morgen ihr Aussehen. So strahlt eine Aurora-Blüte zunächst gelblich bis apricot, wechselt zu orangerot, bis sie burgunderrot vergeht. Als geniale Konstruktion erweisen sich die Blätter. Unter Wasser sind sie noch aufgerollt, erst an der Oberfläche entfalten sie sich zu runden, widerstandsfähigen Tellern. Durch Luftkammern treiben sie wie kleine Boote auf dem See. Ein Wachsüberzug lässt jeden Tropfen abperlen – ähnlich wie beim Lotos (siehe weiter unten). Anders als bei Landpflanzen sitzen die Poren zum Gasaustausch nicht auf der Unterseite der Blätter, sondern auf der Oberseite. Atmen leicht gemacht.

Wie so oft im Leben gilt auch für die Seerose: Die Schönheit der Oberfläche wird bewundert, die harte Arbeit dahinter sieht man nicht. Denn die findet im Schlamm am Grund des Sees statt. Dort wurzelt die Pflanze, dort speichert das sogenannte Rhizom die Nährstoffe. In den Stielen hält ein kompliziertes Leitungssystem die Versorgung aufrecht: Hohlräume transportieren Sauerstoff abwärts und Nährstoffe aufwärts. Theo Germann: "Eine Seerose, die 1,20 Meter Wassertiefe durchwächst, braucht an der Oberfläche schon zwei Quadratmeter Platz für Blätter." Bis zu drei Meter können die elastischen Stiele lang werden – Rekord unter den heimischen Blütenpflanzen.

Im Winter ziehen sich frostharte Sorten in den Untergrund zurück: Nur die Wurzel bleibt im Schlamm versteckt, ernährt sich vom Speicher im Rhizom, um nächstes Frühjahr wieder ihre "Tentakel" auszusenden. Dieses Gewirr der Unterwasserstiele wurde schon manchem Schwimmer zum Verhängnis. Stammt daher die Legende der tödlichen Seerosen? Wer ihre verführerischen Blüten pflücken will, wird angeblich von Nymphen in die Tiefe gezogen. Die Sonnenanbeterinnen rauben dem Grund des Sees viel Kraft. Starkzehrer heißen solche Pflanzen. Ihr Hunger ist so enorm, dass Ex-VW-Manager Daniel Goeudevert seiner Kritik an unserem Wirtschaftssystem sogar den Titel "Das Seerosen-Prinzip" gab: Viele Manager sind für ihn wie Blumen – Meister der Selbstinszenierung, die als Starkzehrer dem Untergrund so viele Nährstoffe entziehen, dass sie den eigenen Lebensraum zu zerstören drohen.

Die Weiße Seerose (Nymphaea alba)

Seerosen gibt es weltweit, bei uns jedoch ist nur eine besonders unschuldig wirkende heimisch: die Nymphaea alba, die Weiße Seerose. Bis zu 25 Zentimeter groß werden ihre Blätter. Lange führte sie ein Mauerblümchendasein – bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch tropische Formen und neue Züchtungen faszinierten. Die Farbskala reicht von der hellgelben Gold Medal über die rosa leuchtende Angelique bis zur lavendelblauen Key Largo. Unter tropischen Arten gibt es sogar Riesen: Victoria amazonica, 1837 nach Englands Queen Victoria benannt, verblüfft mit Blättern, die drei Meter Durchmesser erreichen.

Dank ihrer Leichtbaukonstruktion können sie 80 Kilo tragen. Die Riesenpflanze aus Südamerika bietet noch mehr Grund zum Staunen: Sie blüht nur nachts. Bricht die Dämmerung herein, öffnen sich die weißen Blüten und locken Käfer an, um sie in einer Luftkammer zur Bestäubung zu fangen. Kaum geht die Sonne auf, schnappt die Falle zu, und die Blüten schließen die Tiere ein. Das Schauspiel geht aber noch weiter. In der zweiten Nacht öffnen sich die Blüten erneut, dieses Mal rosa gefärbt, und entlassen ihre Bestäuber in die Freiheit. Kleine Dramen in der Welt der makellosen Schönheit.

Lotos - die magische Blüte der Reinheit

Wie eine Schwester der Seerose sieht sie aus – und ist doch nicht mit ihr verwandt. Die rosa blühende Lotosblume, Nelumbo nucifera, stammt ursprünglich aus China. Als Symbol des Buddhismus verbreitete sie sich bis nach Indien und Südostasien. Sie ist der verehrte Ursprung aller Schöpfung, eine Pflanze, aus der Götter geboren werden. Genau wie die Seerose wurzelt der Lotos am Grund stehender Gewässer, schickt seine Stiele mit den Blättern an die Oberfläche. 1300 Jahre können seine Samen im Schlamm ausgetrockneter Teiche keimfähig bleiben. Der Mythos der Reinheit hat einen realen Hintergrund: Winzige Höcker und Wachskristalle lassen allen Schmutz abperlen. Prof. Wilhelm Barthlott von der Universität Bonn hat den Trick erforscht und als Lotus-Effekt patentieren lassen. Seitdem schützt dieses Prinzip der Selbstreinigung u. a. Farben und Ziegel.

Autor: Kai Riedemann