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Gartenarbeit Umtopfen

Umtopfen: Überwinternde Balkon- und Kübelpflanzen brauchen jetzt frische Blumenerde. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Gartenkalender für den Frühling

Tipps für Garten, Terrasse und Balkon

Sanft wiegen sich Papageientulpen im Wind. Tau glitzert auf Blättern, bis die erwachende Frühlingssonne die Kühle der Aprilnacht vertreibt. Ein winziger grüner Spross, verletzlich und zart, durchbricht die nach neuem Leben duftende Erde. Und von Blüte zu Blüte flattern Zitronenfalter. Grüne Glücksmomente für alle Sinne. Denn jede Gartenpforte ist ein Tor zum Paradies, das wir uns selbst geschaffen haben. Jetzt ist die Saison eröffnet. Und es gibt jede Menge zu tun, damit alles noch besser wächst, blüht und gedeiht.

Der HÖRZU-Frühlingskalender (siehe nächste Seite) bietet einen Überblick und gibt Tipps für April und Mai – egal ob man seinen Minibalkon zum Paradies machen will oder einen üppig wuchernden Naturgarten. Viel Mühe? Auf den Spaß an der Natur kommt es an! Psychologen haben festgestellt: Schon zwanzig Minuten pflanzen, säen, buddeln wirken wie ein Kurzurlaub auf Körper und Seele. Denn viel zu selten erleben wir heutzutage noch das Gefühl, etwas mit unseren eigenen Händen zu erschaffen. Das Wachsen und Werden, das Grünen und Blühen. Mit jedem Samenkorn, das wir in die Erde bringen, säen wir Freude für unsere eigene Seele. Der Blutdruck sinkt, der Puls wird ruhiger, der Stress schwindet. Nichts ist sinnlicher als das Wühlen in der eigenen Erde.

Garten macht glücklich

Eine Studie der britischen University of Essex ergab sogar, dass schon fünf Minuten im Grünen reichen, um Stimmung und Selbstwertgefühl deutlich zu steigern. Besonders ausgeprägt zeigte sich diese Wirkung bei jüngeren Testpersonen. Wer gärtnert, der grübelt nicht. Doch wie wird ein Garten zum echten Wohlfühlparadies? Faustregel: Je größer die Vielfalt, umso mehr sprießt das Glück. "Oft besteht ein Garten nur aus Rasen und Hecke", sagt Julian Heiermann, Ökologe beim Nabu-Bundesverband. "Viel kreucht und fleucht da nicht mehr. Je nach Größe der Fläche lohnt es sich deshalb, den Garten in verschiedene Zonen einzuteilen. Auf Rasen muss man dabei natürlich nicht verzichten."

Der Duft von frisch gemähtem Gras, das Gefühl, mit nackten Füßen übers saftige Grün zu laufen – jetzt ist die Zeit, alles dafür vorzubereiten. Bei kleinen Gartenflächen kann man den neuen Rasen mit der Hand aussäen. Dann noch einharken, fest andrücken, gleichmäßig feucht halten. Spielt das Wetter mit, zeigen sich nach zwei Wochen die ersten zarten Halme. Für Abwechslung sorgt ein Steingarten, bepflanzt mit Glockenblumen, Fetthennen oder Pfingstnelken zwischen aufgeschütteten kleinen Hügeln. Trockenmauern eignen sich als rustikale Einfassung für Hochbeete oder zur Unterteilung des Gartens. Die Fugen zwischen den locker aufeinanderliegenden Steinen werden nicht mit Mörtel gefüllt. So kann in den kleinen Mauernischen etwa Blaukissen blühen. Auch ein Beet, im Mai bepflanzt mit mehrjährigen Kräutern wie Salbei oder Thymian, sorgt für ganz besondere Dufterlebnisse. Wir schnuppern an den Pflanzen" und fühlen uns eins mit der Natur.

Die richtigen Pflanzen für Schmetterlinge

In solchen Paradiesen tobt das Leben. Julian Heiermann: "Mit der richtigen Vielfalt schaffen wir Lebensräume für Wärme liebende Insekten und sogar für Eidechsen, die sich zwischen Holz oder in Trockenmauern ansiedeln können.“ Vielleicht bietet sich sogar die Möglichkeit, im Frühling einen kleinen, für Kinder gut gesicherten Gartenteich anzulegen. Im Sommer tanzen dann Libellen, und Wasserkäfer geben sich ein Stelldichein. Lassen sich auch die im Sonnenlicht gaukelnden Falter anlocken? "Dafür müssen wir heimische Bäume, Sträucher und Stauden einsetzen", rät Ökologe Heiermann. "Viele exotische Blütenpflanzen sehen zwar toll aus, produzieren aber gar keinen Nektar." Für Insekten gilt der alte Spruch: "Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht."

Dagegen sind heimische Pflanzen eng mit anderen Lebensformen verwoben. Julian Heiermann: "Gutes Beispiel ist der Weißdorn. Er blüht zeitig im Frühjahr und bietet Nektar für Hummeln und Wildbienen. Später im Jahr reifen die Früchte, von denen viele Vogelarten den ganzen Winter über zehren. Und an den Blättern selbst können Schmetterlingsraupen fressen, sodass die Falter ums Haus fliegen." Wer seinen Garten zum Naturparadies macht, erlebt das ganze Jahr über Spannendes. Auf Balkon und Terrasse fehlt leider der Platz für solch üppige Vielfalt. "Trotzdem ist dort naturnahe Bepflanzung möglich", sagt Julian Heiermann. "An Gittern, die direkt an der Wand befestigt sind, können Kletterpflanzen ranken. Miniteiche in Bottichen oder Kübeln ziehen Wasserinsekten an.

Gartengestaltung auch auf dem Balkon

Auf schmalen Regalen duften Terrakottatöpfe mit Thymian und Salbei. Steinkraut und Schleifenblumen locken schon im Frühling mit leckerem Nektar. Kein Balkon ist zu klein für echte Lebensfreude! Gerade beim Gartenfrühling gilt: Nicht jeder Fleiß bringt einen Preis. Da wird oft rücksichtslos gebuddelt und gedüngt. "Das Umgraben im Frühling ist gar nicht so sinnvoll", warnt Nabu-Experte Heiermann. "Mehrjährige Stauden, die im Boden schlummern, können dabei zerstört werden." Oft reicht es, im März oder April den Boden mit Grubber oder Sauzahn zu lockern. Luft rein, Unkräuter raus. Die gewachsene Bodenstruktur wird dabei nicht zerstört. Und das Düngen? Julian Heiermann: "Als Laie denkt man: Je mehr Nährstoffe, desto mehr kann wachsen. Doch es gibt relativ wenig Pflanzenarten, die mit hohen Nährstoffkonzentrationen gut zurechtkommen."

Einige wuchern – und verdrängen den Rest. Wachsen auf einer Fettwiese, die stark gedüngt wird, drei oder vier Pflanzenarten, findet sich auf Magerwiesen die volle Vielfalt von dreißig bis vierzig Arten. Um die Frühlingspracht mit Nährstoffen zu versorgen, reichen meist Rindenmulch, Kompost oder Hornmehl. So kommen vor allem empfindliche Pflänzchen nach dem Anwachsen gut in Schwung. An schattigen Garten-und Balkonplätzen fühlen sich auch Hortensien, Fuchsien und Knollenbegonien wohl. Als wahre Sonnenanbeter gelten dagegen gelbe Ringelblumen, Dahlien und Kapkörbchen, auch Bornholm-Margeriten genannt. Bei so einem Blütenmeer steht die Pforte zum eigenen kleinen Paradies weit offen. Hinein in den Garten!

Autor: Kai Riedemann