HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Mikroalgen im Labor

Im Labor werden die Verwendungsarten von Algen getestet. - Foto: © dpa - Report

Grünes Gold

Im TV-Programm: "Alleskönner Algen"

Nahrung, Treibstoff, Strom: In der Zukunft könnten winzige Algen eine wichtige Rolle als natürliche Rohstoffe übernehmen.

Grüne Brühe oder grünes Wunder? Algen haben nicht gerade den besten Ruf - aber zahlreiche Fähigkeiten, von denen wir profitieren können. Sie binden Treibhausgase, stecken voller Nährstoffe, liefern Energie für Strom und Wärme und könnten sogar Autos antreiben. Wird aus Algen vielleicht sogar der Motor einer grünen Revolution? Dieser Frage geht nun eine Folge der ZDF-Doku-Reihe "planet e." nach.


TV-Tipp

So., 22.3.: "planet e.": Alleskönner Algen - Doku über die Vielfalt an Verwendungsarten für die Wasserpflanzen; ZDF, 14.45 Uhr (s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm).


In aller Welt versuchen Forschungsinstitute und Unternehmen, dem Potenzial der Algen auf die Spur zu kommen. "Das sind völlig unterschätzte Organismen", meint Johann Mörwald von Ecoduna. Die österreichische Firma hat eine Anlage entwickelt, in der Algen in industriellem Maßstab gezüchtet werden - allerdings nicht jenes meterlange Gestrüpp, das als Seetang im Meer treibt und in Asien als Salat auf den Teller kommt. Das Unternehmen setzt vielmehr auf Mikroalgen. "Sie sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht sehen kann", erklärt Johann Mörwald.

Mikroalgen enthalten Omega 3

Winzige Algen - mit großem Potenzial: Je nach Art besteht die geerntete Biomasse zu einem Drittel aus Ölen und zu zwei Dritteln aus einer proteinhaltigen, ballaststoffreichen Trockenmasse. Das Öl wiederum enthält jene wertvollen Omega-3-Fettsäuren, deretwegen etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu essen. "Diese Fettsäuren können aus den Algen herausgelöst und etwa zu Nahrungsergänzungsmitteln in Dropsform verarbeitet werden", sagt Mörwald. Omega 3 ist für uns lebensnotwendig und gut für die Gesundheit. Statt die bereits bedrohten Fischbestände weiter zu dezimieren, könnte man also zu Algenlutschtabletten greifen.

Algen als artgerechtes Tierfutter

Eine andere Möglichkeit wäre es, Algen als artgerechtes Tierfutter zu nutzen. Das würde die voranschreitende Ausbreitung von Futteranbauflächen, etwa für Soja und Getreide, bremsen. Gegenüber Landpflanzen haben Algen mehrere Vorteile: Sie wachsen theoretisch überall, beanspruchen also kein fruchtbares Ackerland. Alles, was sie brauchen, sind Wasser, Nährstoffe, Sonnenlicht und Kohlendioxid. Das CO2 könnten etwa umliegende Kohlekraftwerke liefern.

Zweiter Vorteil: Algen vermehren sich rasant: "Die Population verdoppelt sich unter optimalen Bedingungen im Tagesrhythmus", erklärt Mörwald. Auf einem Hektar könnten im Jahr 200 Tonnen Biomasse erzeugt werden. Der herkömmliche Rhythmus der Landwirtschaft - säen, wachsen, ernten - entfällt. "Wir haben eine permanente Durchflussmenge und können 365 Tage im Jahr ernten", erklärt der Entwickler.

Biokraftstoff aus Algen

Algen sind auch in anderer Hinsicht Hoffnungsträger: als potenzieller Ausweg aus der Erdölfalle. Aus ihrem Öl lässt sich Treibstoff herstellen. Genau das testen mehrere Modellanlagen. In Japan fährt bereits ein Bus mit Algenpower auf den Straßen, als Pilotprojekt. Füllen wir demnächst Algen in den Tank? "Diese Technologie kann sich im Moment nicht gegen die Erdölpreise durchsetzen", sagt Mörwald. "In 15 Jahren sieht das aber vielleicht anders aus."

Algen liefern Strom und Wärme

Neben der Energie für Autos können Algen auch Strom und Wärme liefern: Das Haus BIQ, das zur Internationalen Bauausstellung (IBA) 2013 in Hamburg entstand, ist etwa mit einer Glasfassade ausgestattet, in der Mikroalgen wachsen. Sobald sie ausgereift sind, werden sie in einer Biogasanlage vergoren und versorgen so die Bewohner mit Energie. Für die Massenherstellung ist das Verfahren noch zu teuer. Uli Hellweg, bis 2013 Geschäftsführer der IBA, gibt aber zu bedenken: "Als man vor 30, 40 Jahren begann, mit Photovoltaik zu experimentieren, hielten die meisten das auch für Spinnerei." Für Algenfassaden sieht er großes Potenzial: "Möbelhäuser haben zum Beispiel Zehntausende Quadratmeter tote Fassade und könnten sich dafür eignen."

Algen-Garten
In den sechs Meter hohen Paneelen der hängenden Algen-Gärten der österreichischen Firma ecoduna wächst die Energie der Zukunft. - Foto: © ZDF / Severin Koller

Welche Rolle Algen in Zukunft spielen, ist kaum absehbar. Von den schätzungsweise 400.000 Arten sind nur wenige Hundert erforscht. Mörwald: "Wahrscheinlich bieten sie uns Möglichkeiten, die uns noch gar nicht bewusst sind."


So entsteht der Biokraftstoff

Um zu wachsen, benötigen Mikroalgen Sonneneinstrahlung und Kohlendioxid. Sobald sie erntereif sind, wird das Rohöl aus ihnen herausgelöst - und zur Produktion von Kraftstoff genutzt.

Autor: Manuel Opitz