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Bestäubung der Orchideen: Mit einem Stäbchen kommt der Pollen auf den Stempel.

Marei Karge-Liphard (33), Juniorchefin des Orchideengartens in Dahlenburg, bestäubt die Orchideen. Mit einem Stäbchen kommt der Pollen auf den Stempel. - Foto © picture-alliance/ dpa

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Faszination Orchideen

Sie ist so schön wie eine Diva. Sie wird verehrt wie eine. Und sie hat so hohe Ansprüche, glauben jedenfalls viele Blumenfreunde. Doch diese Annahme gehört zu den großen Irrtümern der Botanik

"Es ist weit verbreiteter Unsinn, dass eine Orchidee niemals ihren Standort verändern darf oder in Sachen Zugluft empfindlich ist“, sagt die Gartenbau-Ingenieurin Marei Karge-Liphard. In Wahrheit, sagt sie, sind Orchideen anspruchslose Pflanzen, die sich an viele Standorte auf der ganzen Welt angepasst haben und sogar tagelange Vernachlässigung bei der Pflege verzeihen. Und das ist nur ein Aspekt, der Marei Karge-Liphard an diesen Blumen fasziniert.


Orchideen: Fünf Tipps für die Pflege

1. Standort
Die beste Wahl ist ein Platz in Richtung Osten. Dort sollte die Pflanze hell stehen, aber kein direktes Sonnenlicht bekommen.

2. Gießen
Einmal wöchentlich reicht. Dann aber den Topf richtig durchfeuchten, am besten tauchen. Vorsicht: Staunässe unbedingt vermeiden!

3. Temperatur
Unterschiedlich je nach Gattung, aber grundsätzlich tagsüber einige Grad mehr als nachts und im Sommer etwas wärmer als im Winter. Die weit verbreitete und bekannte Phalaenopsis etwa verträgt am Tag 20 bis 25 Grad, nachts braucht sie mindestens 18 Grad.

4. Düngen
Von März bis Oktober alle zwei bis drei Wochen. Verwenden Sie dafür speziellen Orchideendünger.

5. Umtopfen
Alle zwei bis drei Jahre nach der Blüte im Frühjahr den Topf wechseln. Entfernen Sie dabei verfaulte Wurzeln, und erneuern Sie das Substrat. Es besteht meist aus Rinde und Torf und ist im Fachhandel erhältlich – Orchideen wachsen nämlich nicht in Blumenerde.


"Orchideen gehören zu den größten Pflanzenfamilien der Welt und beeindrucken durch unglaublich viele Formen und Farben – manche sehen aus wie Schmetterlinge, andere wie Spinnen, das ist einfach toll!" Die 33-Jährige weiß, wovon sie spricht: Vor fünf Jahren hat sie den Orchideengarten im niedersächsischen Dahlenburg von ihrem Vater übernommen, der den Familienbetrieb "die vielfältigste Orchideengärtnerei Europas" nennt.

Rund 900 unterschiedliche Arten wachsen hier in 14 Gewächshäusern. Ganz schön viel – und doch nur ein Bruchteil der 25.000 verschiedenen Arten, die in der Natur vorkommen. Viele davon sind in den Tropen beheimatet, in Mittelamerika sowie im asiatischen Raum. Dort wächst auch eine Art, von der wir eher die Schoten als die Blüten kennen: die Vanille. Doch selbst im rauen Klima des Himalajas gedeihen Orchideen, und auch hierzulande gibt es wild wachsende Arten wie den Frauenschuh.

Je nach Klima leben die Blumen an völlig verschiedenen Stellen: Unter schwierigen Bedingungen wie Frost oder Hitze findet man sie am Boden, im tropischen Urwald oft auf Bäumen, dort sind sie dem Licht näher. Statt Bodenwurzeln bilden diese Orchideen herabhängende Speicherorgane, in denen sie Wasser und Nährstoffe lagern. Reisen in die Ursprungsregionen der Orchideen wie Japan, Thailand oder Amerika gehören zu den schönsten Aufgaben von Marei Karge-Liphard. Dort ist sie hauptsächlich auf der Suche nach neuen Sorten: "Wir bemühen uns vor allem, etwas zu bieten, was andere nicht haben." Aus einem japanischen Betrieb hat sie zum Beispiel einmal eine besondere Entdeckung mitgebracht: "In etwa zwei Jahren werden wir hoffentlich die Ersten in ganz Europa sein, die Cymbidien mit mehreren schönen Rispen haben, die in einen kleinen Übertopf passen. Normalerweise sind diese Pflanzen so groß, dass sie meist als Schnittorchideen verkauft werden."

Orchideen: Die Zucht braucht Geduld

Dass solche Nachzuchten noch zwei Jahre dauern, ist für Orchideen nicht ungewöhnlich, denn das Procedere kann ziemlich aufwendig sein. "Orchideensamen keimen nur in Symbiose mit speziellen Mikorrhyza-Pilzen“, sagt Marei Karge-Liphard. "Darum geben wir die Samenkapseln immer ins Labor." Dort werden auf einem Nährboden in steriler Atmosphäre Jungpflanzen herangezogen, die im Orchideengarten gepflegt werden. "Hier warten wir auf die erste Blüte, was je nach Sorte zweieinhalb bis zwölfeinhalb Jahre dauern kann."

Vom Gärtner erfordert das viel Geduld – und vom Kunden Verständnis für einen entsprechenden Preis. Die Spanne liegt im Orchideengarten zwischen 7,50 Euro für eine Phalaenopsis, auch bekannt als Nachtfalterorchidee, und dem symbolischen Wert von 750 Euro für eigentlich unverkäufliche große Mutterpflanzen, die für die Zucht oder Ausstellungen genutzt werden. Dazwischen liegt der Preis für Raritäten oder besonders schwer vermehrbare Pflanzen. Die kosten etwa 125 Euro.

Preise, Angebote und Buchhaltung sind die andere Seite des Aufgabenbereichs von Marei Karge-Liphard. Ihr Geschäftssinn zeichnete sich auch schon früh ab: "Als ich klein war, habe ich hier im Laden heimlich kleine Aussaattüten mit Bohnen mitgenommen und die Ernte an meine Oma verkauft", erzählt sie. "Und ich habe mir einen Kescher gebastelt, um Goldfische aus unserem Teich zu fischen, die ich dann vorn im Laden zum Verkauf angeboten habe."

Die pfiffigen Ideen gehen ihr bis heute nicht aus. So möchte sie im Mai, nach der Orchideensaison, Teile der Gewächshäuser neu gestalten. "Letztes Jahr habe ich einen ganzen Seecontainer mit exotischen Gegenständen aus Thailand importiert, um die Gewächshäuser wie einen kleinen Tropenpark aussehen zu lassen. Die Besucher sollen sich fühlen, als würden sie einen Minibesuch in Thailand machen." Und wer will, nimmt als Souvenir eine Orchidee mit nach Hause.

Autor: Melanie Schirmann