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Fotos © www.piqs.de / reni06 , CC (Some rights are reserved.)

Gartentherapeut Andreas Niepel

Die Heilkraft der Gärten

Sanft wiegen sich die Blüten im Wind. Ihr Duft und ihre leuchtenden Farben berauschen die Sinne. Jeder Garten ist eine Oase für die Seele. Und nie haben wir uns mehr nach frischem Grün und üppiger Blumenpracht gesehnt als in den nicht enden wollenden Wintermonaten. Das Erwachen der Natur, das Aufbrechen der zarten Knospen - sie machen das beginnende Frühjahr so besonders. Jetzt ist die Zeit, um in der Erde zu graben, sie zwischen den Fingern zerbröseln zu lassen, Blumenzwiebeln einzupflanzen und gedeihen zu sehen. Australische Psychologen haben entdeckt, dass Menschen mit ihren Pflanzen aufblühen - egal, ob sie im Garten, auf Balkon oder Fensterbank wachsen.

Meditation im Grünen

"Gärtnern macht glücklich", sagt auch Andreas Niepel, Gartentherapeut an der HELIOS Klinik Holthausen bei Hattingen. "In der Natur sind alle Vorgänge nachvollziehbar. Das entspannt ganz wunderbar." Tatsächlich eignet sich Gartenarbeit zu weit mehr als zur Entspannung. Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Beschäftigung im Grünen wie Meditation wirkt, Ängste und Sorgen in den Hintergrund treten lässt. Allein durch das Genießen der Natur profitieren Seele und Körper. Schon innerhalb weniger Minuten sinkt der Blutdruck, die Muskeln entspannen sich.

Weltweit laden Tausende Gärten, Parks oder botanische Anlagen zum Verweilen ein. Jedes Jahr pilgern bis zu 700. 000 Besucher von März bis Mai zum Keukenhof in Holland (Foto), um dort das Frühjahr erblühen zu sehen. Die Ägypter waren es, die unsere Gartenkultur prägten. Üppige Anlagen, mühsam der Wüste abgetrotzt, umgaben die Pyramiden. Ihr Aussehen kennen Forscher aus Modellen, die auch in Gräbern entdeckt wurden: symmetrisch angeordnete Teiche, Baumalleen, Weinlauben und Blumenbeete.

Die alten Ägypter wussten auch um die Heilkraft des Grüns und empfahlen den Pharaonen zur geistigen Genesung lange Spaziergänge in den prächtigen Hofanlagen. Im 19. Jahrhundert lagen Sanatorien inmitten weitläufiger Parks. Die üppigen Gartenlandschaften sollten einen wohltuenden, beruhigenden Einfluss auf die Seele haben. Heute arbeiten Therapeuten wie Andreas Niepel bewusst mit dem heilsamen Grün: Sogenannte Demenzgärten geben Alzheimer-Patienten ein Stück Lebensfreude zurück. Gärten für Blinde bieten eine Fülle von Düften und unterschiedlichsten Blattstrukturen, regen verkümmerte Sinne wieder an. Das Säen, Aufziehen, Pflegen und Ernten erfüllt uns mit Zufriedenheit, Zuversicht und Selbstvertrauen, weil wir alles mit eigenen Händen geschaffen haben.

Die Wurzeln der deutschen Gartenkultur reichen bis ins Mittelalter zurück. Dabei stand allerdings meist die Nützlichkeit im Vordergrund. Heute geht es eher um den Spaß an der Freude, das Schaffen von Werten, das Abschalten vom Alltag - im Garten oder auf dem Balkon. Die Liebe zum Grün wächst mit dem Alter. Laut Andreas Niepel kommt man ab etwa 40 in die "gärtnerische Pubertät". Denn erst in diesem Alter haben wir Eigenschaften entwickelt, die den idealen Gärtner ausmachen: Erfahrung, Geduld und Gelassenheit. "Außerdem haben wir dann gelernt: Man kann zwar gewisse Dinge steuern, aber im Leben und erst recht im Grünen läuft nicht alles so, wie wir uns das vorstellen."

So bringen sie ihren Garten im Frühjahr zum Blühen

Schnecken muss man jetzt bekämpfen. "Dann ist man die erste Generation los. Im April hat man keine Chance mehr", so Gartenexperte Andreas Niepel. Tipp: lose Bretter entfernen (dort legen Schnecken gern Eier ab). Erde umgraben, die weißen "Perlen" verharken. Igel und Vögel sorgen für den Rest.

Zurückhaltung ist das A und O. Gärtner Niepel: "Alle wollen jetzt gern ihre Büsche zurückschneiden. Doch es kann im März noch frieren. Im Garten dreht sich nun alles um den Boden, den sollte man gut vorbereiten: Unkraut entfernen, stauden Pflanzen."

Balkonblumen aus dem Winterquartier holen, auf hellen, warmen Fensterbänken antreiben lassen .

Alte Heilpflanzen (Minze, Kamille) und Küchenkräuter sind dieses Jahr im Trend. Zudem wird es bunt. Tipp: mit blauem Magellangras Akzente setzen!

Autor: Bettina Plickert