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Kugeldistel

Foto © www.piqs.de / franzy, CC (Some rights are reserved.)

Grüne Wunder

Das geheime Leben der Pflanzen

Sie wachsen und welken, duften und darben, blühen und brechen. So weit bekannt. Aber können Pflanzen vielleichtmehr, als wir bisher annahmen? Unterschätzen wir sie sträflich? Die überraschende Antwort der Wissenschaftler lautet: Ja! Pflanzen locken und lügen, warnen sich und holen Hilfe bei Gefahr. Die rätselhafte Welt der Organismen ist in dieser Woche Thema im Wissenschaftsschwerpunkt bei Arte. Dort ist unter anderem eine zweiteilige Doku des Diplom-Physikers Volker Arzt zu sehen, der zum Thema auch das Buch "Kluge Pflanzen" verfasst hat (Bertelsmann, mit DVD, 24,95 Euro).

Der Wissenschaftsjournalist hat Forscher auf der ganzen Welt besucht, die im Labor oder in freier Natur die Strategien der Gewächse erkunden. Auf den ersten Blick scheint die bisherige Einschätzung, die Flora würde weit unter der Fauna rangieren, nicht abwegig. Pflanzen haben weder Nasen noch Ohren, geben keinen Laut von sich, bei Gefahr bleibt ihnen nichts anderes übrig, als fest verwurzelt auszuharren.

"Fast täglich werden nun aber neue, intelligent anmutende Verhaltensweisen aus dem Reich der Pflanzen gemeldet, untermauert von peniblen Messungen im Labor", sagt Volker Arzt. Ein Ergebnis: Pflanzen können kommunizieren. "Sie senden Duftstoffe aus, nehmen so Kontakt zu anderen Pflanzen auf oder rufen Tiere zu Hilfe", sagt Arzt. Die Limabohne etwa, die in Südamerika verbreitet ist, gehört zu den Meistern der "Zurufe". Wird sie von Parasiten befallen, warnt sie ihre Nachbarn mit einem Duft. So können sich diese sofort wappnen und Nektar produzieren, der Ameisen anlockt. Diese halten dann Raupen von den Blättern fern. Arzt: "Die Lockstoffe sind so intensiv, dass auch Menschen sie wahrnehmen können."

Die Tabakpflanze weiß sich besonders gut zu wehren: Wenn eine Raupe an den Blättern nagt, sendet sie ein Signal an die Wurzeln, die daraufhin Nikotin produzieren. Das verdirbt der Raupe den Appetit, denn der Nikotingehalt eines Blattes entspricht dem von sieben Zigaretten. Dass Pflanzen klüger sind als oft vermutet, zeigt auch der Teufelszwirn: Das Gewächs überfällt Tomatenpflanzen – nicht rasant, aber effektiv. Es orientiert sich an ihrem Geruch, wächst zielgerichtet und nicht zufällig in ihre Richtung, bohrt ihre Stängel an und saugt sie aus. Auch ohne Gehirn entwickeln Pflanzen kluge Überlebensstrategien. Sind sie den Menschen ähnlicher, als wir ahnten?

Der britische Naturwissenschaftler Charles Darwin ging davon schon vor 130 Jahren in seiner Evolutionstheorie aus. Aber seine These widersprach damals den Vorstellungen der westlichen Welt. Heute sind die Forscher weiter. "Wir wissen, dass Gewächse Berührungen und Verletzungen registrieren. Als Reaktion senden sie elektrische Impulse aus, die unseren Nervensignalen ähneln", sagt Arzt. „Sie nehmen viel mehr wahr, als wir lange dachten.“ Bei seinen Recherchen traf der Physiker auch Professor Ian Baldwin, einen der führenden Pflanzenforscher am Max-Planck-Institut in Jena. Baldwin geht so weit zu behaupten: "Die Frage ist weniger, ob Pflanzen intelligent sind, als vielmehr, ob wir Menschen intelligent genug sind, sie zu verstehen."

Autor: Mirja Rumpf