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Seltene Farbe, süßer Duft: Azalee Luteum.

Rhododendren sind bezaubernd und sehr vielfältig. Hier die Azalee Luteum, die mit seltener Farbe und süßem Duft betört. - Foto © picture-alliance / Bildagentur-o

Plus: Rhododendron-Tipps zur Pflege

Blütezeit für Rhododendren

"Wenn man über Rhododendren schreibt, ist es, als wolle man das Vaterunser auf die Rückseite einer Briefmarke bringen." Mit diesem Satz spielte der Züchter Friedrich W. Dürre in seinem Reisebericht auf die mehr als 1000 Arten dieser herrlichen Pflanzengattung an, die im April, Mai und Juni ihre dichten, leuchtenden Blütenteppiche mit Dolden in allen Schattierungen von Rosa, Blauviolett, Weiß und Gelb bilden.


Rhododendron-Tipps zur Pflege

Standort: Windgeschützt, halbschattig. Beim Einkauf: Ballenware wachst besser an als Topfpflanzen.
Boden: Saurer, lockerer, humoser Grund (pH-Wert: 4 bis 5,5.) Bei kalkhaltigem Boden: ein 20 Zentimeter hohes Bett aus Steinen und Torf bauen.
Rückschnitt: Nach der Blute möglich, aber unnötig.
Wässern: In den ersten Jahren und bei Trockenheit.
Schädlinge: Eher in sonnigen Lagen wird die Rhododendron-Zikade manchmal zum Problem. Vom Profi behandeln lassen oder selbst zuruckhaltend spritzen: Weniger ist mehr.

Rhododendron-Hybriden im Blumenversand: Im Internet finden Sie zahlreiche Infos zum Blumenversand deutschland- und weltweit.

In den 70er-Jahren unternahm der norddeutsche Gärtner Friedrich W. Dürre auf der Suche nach kostbaren Rhododendron-Samen und -Pollen in Nepal eine Reihe von Himalaja-Expeditionen. Seine Gruppe überquerte reißende Flüsse auf wackeligen Hängebrücken, erklomm zerklüftete Hänge und erwärmte abends im Feuer Steine, die in kalten Bergnächten als Heizung dienten.

Rhododendron-Park Hobbie in Westerstede im oldenburgischen Ammerland

Die "höchsten" Samen fanden die Pflanzensammler auf 5300 Meter: die des kleinblättrigen Rhododendron nivale. "In jenen entlegenen Regionen des Himalaja-Gebirges liegt das Epizentrum dieser Pflanzengattung", erklärt Rhododendron-Experte Volker Hobbie (45), Sohn des heute 83-jährigen Dürre. "In Nepal, Indien und China wachsen sogar riesige Bäume. Etwa 900 der weltweit mehr als 1000 Rhododendronarten stammen aus Asien."

Sein Großvater Dietrich G. Hobbie eröffnete 1928 den Rhododendron-Park Hobbie in Westerstede im oldenburgischen Ammerland. Der 70 Hektar große Waldpark ist mit weit über 1000 Rhododendron-Sorten und rund 250 Wildarten der größte in Deutschland, jährlich kommen rund 50.000 Besucher. Volker Hobbie leitet ihn in dritter Generation. Ihn fasziniert vor allem die Vielfalt der Wuchsformen: "Viele kennen nur die pummeligen Büsche", so Hobbie. "Aber andere Arten wachsen auch als Teppiche, Kissen, Hecken oder Bäume."

Dabei machen die auch im Winter tiefgrünen Heidekrautgewächse als Einzelpflanzen und erst recht in der Gruppe überall eine gute Figur: an Waldwegen und Flussläufen, in verwunschenen Parks, auf stillen Friedhöfen, im städtischen Raum und in Privatgärten. Je nach Sorte beginnt bei Rosenbäumen – so die Übersetzung aus dem Griechischen – ab April ein gewaltiger Blütenreigen. "Manchmal denkt man, die blühen sich kaputt, so dicht sitzen die Blüten", schwärmt der Pflanzenexperte Hobbie. Am kräftigsten leuchten die laubabwerfenden Azaleen. Diese sommergrünen Rhododendren, etwa die rote Aladdin, erreichen selten Höhen über einen Meter.

Immergrüne Alternative zu den Azaleen sind die ebenfalls flachen Yakushimanum-Hybriden (z. B. Lampion) und die Repens-Hybriden (z. B. Scarlett Wonder). Sie eignen sich auch für kleine Gärten und vertragen mehr Sonne als andere. Weitere interessante neue Sorten sind die bis zu einem Meter hohe großblütige rosa Millennium, die 80 Zentimeter hohe orangefarbene Valencia und Kabarett, eine großblumige fliederfarbene Sorte, die an Orchideen erinnert. Bei aller derzeitigen Nostalgie für alte Sorten: Bei Rhododendren gilt eher das Gegenteil. Neue Züchtungen sind meist frosthärter, vertragen mehr direktes Licht und brauchen weniger Platz.

Im vergangenen Sommer bekam Volker Hobbie Besuch aus Fernost. Zwei Praktikanten aus China wollten von ihm alles über die Planung von Parkanlagen lernen, obwohl sie aus dem Ursprungsland des Rhododendrons stammen, wo das Blühgehölz wie eine Nationalpflanze verehrt wird. "Aber in Asien wurde nie gezüchtet und vermehrt. Diese Pionierarbeit haben englische und deutsche Botaniker wie mein Großvater geleistet", erklärt Hobbie. Zu den bekanntesten Züchtungen des Parkgründers zählen Germania, eine kompakte Sorte mit großen rosa Blüten und dunklem, welligem Blütensaum, die in ganz Europa kultiviert wurde, und die kleineren roten Repens-Hybriden. "Die Züchtungen gehen zurück in die Heimat der Pflanzen", freut sich Volker Hobbie. Der Familienbetrieb wird in den nächsten Jahren einige große Gehölze nach Fernost verschiffen, wo sie in neu angelegten Parks Besucher anlocken sollen.

Die chinesischen Landschaftsgestalter hatten übrigens sehr ehrgeizige Pläne: "Sie wollten in der Wüste Rhododendren züchten", erzählt Volker Hobbie. "Aber man kann die Rhododendren nicht überall hinsetzen wie eine Carrera-Bahn. Die Idee konnte ich ihnen ausreden.“ Die Alpenrosen wurzeln flach, sie brauchen gleichmäßige Feuchtigkeit und mögen nicht zu viel Sonne (siehe Tipps weiter oben). Ideale Bedingungen liefert der Nordwesten Deutschlands mit seinem feuchten Seeklima, dem Moorboden, dem Schatten alter Kiefern. Ab April eröffnen die Parks im Ammerland wieder ihr Blütentheater – ein sehenswertes Naturschauspiel.

Autor: Dagmar Weychardt