HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Das Moor - sagenumwobenes Naturparadies

Das Moor - sagenumwobenes Naturparadies - Foto © Arco Images

Naturparadies

Wunderwelt Moor

Wunderwelt Moor: Der sagenumwobene Lebensraum hält viele Überraschungen bereit: etwa fleischfressende Pflanzen, räuberische Raupen und blaue Frösche.

Wie verwunschen wirkt der Landstrich im dunstigen Licht. Verlassen liegt er da, Nebelschwaden hängen über den Bäumen, kleine Sträucher rascheln, das Wasser im Tümpel bewegt sich leicht. Unwegsam und unwirtlich, düster und angsteinflößend – nein, das Moor hat keinen guten Ruf. Es gilt als Ort, an dem sich Besucher verirren, einsinken, ertrinken. Und mitunter Jahrhunderte später als Moorleiche wieder auftauchen. Dass Moore auch ganz andere Seiten haben, zeigt nun eine aufwendig gedrehte Doku des Naturfilmers Jan Haft (siehe TVTipp). An 200 Drehtagen haben er und sein Team das Getümmel im Moos festgehalten.

Wunderwelt Moor
Foto © picture alliance

Wo Pflanzen Insekten fressen

Moore entwickeln sich nur unter einer Bedingung: Wasser im Überfluss. Die ersten Feuchtgebiete Nord- und Mitteleuropas sind vor etwa 12.000 Jahren entstanden, als die letzte Eiszeit zu Ende ging. Das Klima erwärmte sich, die Eispanzer schmolzen, das freigesetzte Wasser überflutete viele Täler – und damit auch deren Pflanzen.

Viel Wasser heißt: wenig Sauerstoff. Dadurch können die Reste abgestorbener Vegetation nicht vollständig abgebaut werden. Stattdessen reichert sich nach und nach Torf an. Allerdings äußerst langsam: Rund einen Millimeter wächst das Moor im Jahr. 10.000 Jahre dauert es, bis ein zehn Meter hoher Torfkörper entsteht. Solange das Moor noch Kontakt zum Grundwasser hat, wird es als Niedermoor bezeichnet. Ist es aber so weit gewachsen, dass diese Verbindung abbricht, handelt es sich um ein Hochmoor. Wasser bekommt es dann nur noch von oben. Dadurch entsteht ein nährstoffarmer Lebensraum, der extreme Anforderungen an seine Bewohner stellt. Nur hoch spezialisierte Tiere und Pflanzen können hier ein Zuhause finden.

Das Moor ist das Reich der Torfmoose. Wurzeln brauchen sie nicht, sie leben allein vom Regenwasser und den darin enthaltenen Nährstoffen. Wie ein Schwamm saugen sie sich mit Wasser voll, speichern es ab und bilden dicke Polster. Bei der Vermehrung hilft ein Trick: Das Torfmoos bildet Sporenkapseln und reckt diese in die Höhe. Im Inneren der Kapsel baut sich Druck auf – so lange, bis sie platzt. Wind trägt die Samen dorthin, wo noch Platz zum Keimen ist.

Breitgemacht hat sich im Moor auch eine fleischfressende Pflanze: der Sonnentau. Auf seinen Fangarmen sitzen Hunderte klebriger Tentakeln. Eine tödliche Falle für Fliegen und andere Insekten. Bleiben sie kleben, werden sie von ihnen umschlossen – und verdaut. Zumindest, wenn nicht jemand anderes schneller ist: Denn die nimmersatten Raupen des Federgeistchens überfallen die Klebefallen und machen sich über die Beute her. Und auch die räuberischen Moorameisen leben hauptsächlich von dem, was dem Sonnentau in seine Tentakeln gerät. Selber auf die Jagd zu gehen, das haben sie selten nötig.

Blaukehlchen
Blaukehlchen: Der Singvogel brütet gern in Sumpfgebieten. Foto © picture alliance / WILDLIFE

Perfekter Brut- und Rastplatz

Mit dem sumpfigen Ufer der Moore können sich zahlreiche Tiere gut arrangieren. Für viele Vögel sind Moore eine perfekte Rastund Brutstätte. Die Wasserralle findet hier nicht nur ihre Lieblingsnahrung, Insekten, sondern zwischen Schachtelhalm und Binsenschilf auch ein geschütztes Plätzchen für den Nachwuchs. Selbst der Kranich brütet im Niedermoor. Am Ufer, wo die Bäume im Wasser stehen, kann er mit seinen langen Beinen zum Nest staksen. Gefürchtete Eierdiebe wie der Fuchs haben keine Chance. Ebenfalls voller Leben steckt das Wasser selbst. Ende März, Anfang April ertönen von hier gluckernde Rufchöre. Die männlichen Moorfrösche sind bereit zur Paarung. Für wenige Tage färben sie sich in ein knalliges Blau – so finden die Weibchen sie im Gedränge schneller.

Das wilde Getümmel im Moor ist ein Idyll, aber ein trügerisches. Denn: 95 Prozent unserer Moore gelten als „tot“. Sie wurden entwässert, abgetorft, bebaut. Intakte Hochmoore gibt es heute noch in Niedersachsen, Niedermoore vor allem im Nordosten Deutschlands. Bagger und Fräsen rücken ihnen zu Leibe. Mit fatalen Folgen: Durch die Entwässerung werden je Hektar Moor jedes Jahr bis zu 30 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) frei. Denn an der Luft zersetzen sich die zuvor eingeschlossenen Pflanzenreste. Gleichzeitig verschwindet der Lebensraum vieler bedrohter Tierarten, etwa des Moorfroschs.

Heute spielt Torf als Brennstoff zwar keine bedeutende Rolle mehr, dafür landet er umso öfter in Blumenerde für Hobbygärtner. Umweltorganisationen wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) empfehlen deshalb, nur torffreie Erde zu kaufen. So kann jeder einen kleinen Teil dazu beitragen, die letzten Regionen der Wunderwelt Moor zu erhalten.

Autor: Manuel Opitz