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Serengeti Gepard
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Geparde töten ihre Opfer mit einem Kehlbiss. / Fotos: © Universum Film

HÖRZU-Besuch in Afrika

Setbesuch beim Dreh von "Serengeti"

Mein erster Schritt auf Safari endet krachend in den Knochen eines toten Gnus. Herzlich willkommen in der Serengeti! In jener legendären Wildnis, die der Stamm der Massai "Das weite Land" nennt und in der zwei Millionen Huftiere leben – die perfekte Nahrung für Löwen, Geparde und andere Jäger. Um in Tansania nicht selbst als "Gepardenhappen" zu enden, muss ich einige Regeln einhalten.

"Nur in der Gruppe unterwegs sein, nie wegrennen, immer in Reihe bleiben – hinter dem Mann mit dem Gewehr", rät mir Jörg Gabriel (41). Der in Ostafrika aufgewachsene Autor und Fotograf ist mein Safariführer und soll mich vom Arusha-Nationalpark zum Grumeti bringen, einem Fluss im Nordosten der Serengeti.

Die Serengeti - ein einzigartiges Welterbe

Dort will der deutsche Tierfilmer Reinhard Radke Szenen für eine Kinodoku "Serengeti" (Start am 3. Februar) drehen. Der Zoologe ist bekannt für viele preisgekrönte BBC- oder ZDF-Naturfilme. "‚Serengeti‘ soll die schwelgerische Schönheit dieser Landschaft zeigen", sagt er. Mithilfe von neuer HD-Technik und Superzeitlupe ist ihm das hervorragend gelungen.

Radke selbst wurde als Jugendlicher von Bernhard Grzimeks Film "Serengeti darf nicht sterben" (1959) geprägt. Doch nicht aus Nostalgie besucht der 62-Jährige den Nationalpark, der 15.000 Quadratkilometer groß ist und seit 1981 zum Unesco-Weltnaturerbe gehört. "Die Serengeti ist ein mehr oder weniger intaktes Ökosystem, in dem man auf einzigartige Weise die Wechselwirkungen zwischen Tieren beobachten kann. Zu 80 Prozent aller Tiere existieren keine detaillierten Verhaltensstudien."

Auf dem Weg zum Grumeti-Fluss gibt es viel zu beobachten. Neben den riesigen Herden der Grasfresser faszinieren vor allem die Jäger: Löwen, Geparde, Leoparden. Deren Verhalten studiert Radke seit 30 Jahren: "Die ‚Gilde der Jäger‘, wie ich sie nenne, muss, schon allein um die Gesamtzahl zu halten, viermal so viele Junge zur Welt bringen wie ihre Beute. Das liegt daran, dass die Verluste bei Raubtieren viel größer sind als bei Pflanzenfressern. Verletzungen, die bei der Jagd auftreten können, sind lebensgefährlich – vor allem für einzeln jagende Tiere wie Leoparden oder Geparde. Wenn sich ein Tier das Bein bricht, ist es praktisch zum Tode verurteilt. Ein Löwe hat eine Chance durchzukommen – wenn es dem Rudel gut geht und es genug übrig lässt.“

Zudem dezimieren sich die Jäger gegenseitig: "Der größte Feind eines Raubtiers ist ein Tier der gleichen Art. Jeder Löwe, der ins Revier eines Löwen eindringt, ist gefährlich, weil er Lebensraum und Beute streitig macht und Junge als Konkurrenten umbringt."

Jagdszenen bekommen wir auf unserer Tour erst einmal nicht geboten. Wir sehen zwei Löwinnen auf einem Felsen, aber die tun – nichts. "Löwen zu beobachten ist manchmal das Langweiligste der Welt!, grinst Radke. Kommt es zur Jagd, wird es allerdings spannend: "Der Löwe ist ein Anpirschjäger, der aus dem Hinterhalt jagt. Er hat einen kurzen Sprint, ist sehr stark in Pranken und Maul. Wenn er die Beute erreicht, ist er in der Lage, auch schwere Tiere niederzuringen, etwa Zebras."

Große Katzen jagen immer mit Kehlbiss. "Das ist die einfachste Methode. Das gerissene Tier hat einen hohen Sauerstoffbedarf. Wenn seine Halsschlagader abgedrückt wird, tritt die Bewusstlosigkeit in wenigen Sekunden ein. Das hat auch für den Räuber Vorteile: Die Beute wehrt sich kaum noch."

Die Jagdmethode der Geparde ist ähnlich, bei ihnen aber weitaus wirkungsvoller: Da sie – als schnellste Landtiere der Welt zu 100 Stundenkilometer fähig – ihre Beute hetzen, hat diese enormen Sauerstoffbedarf. Der Kehlbiss wirkt also effektiver. "Wenn ein Gepard etwa eine Thomson Gazelle umreißt, packt er noch in der Bewegung ihre Kehle. Das Opfer ist in wenigen Sekunden bewusstlos. Der Gepard geht kaum ein Verletzungsrisiko ein, jedenfalls nicht bei kleinen und mittleren Tieren. Bei großen Gnus braucht es allerdings mehrere Geparde."

Aus heiterem Himmel taucht ein Leopard auf – direkt vor unserem Jeep. Er huscht durchs Savannengras und beobachtet uns, unschlüssig, ob er
wegrennen oder uns fressen soll. "Im Auto sind wir ziemlich sicher", beruhigt unser Führer Jörg Gabriel. "Die Tiere sehen nur den Umriss des Wagens, nicht die Menschen darin."

Reinhard Radke ergänzt: "Der Leopard liegt in seinem Jagdverhalten quasi zwischen Löwe und Gepard." Er ist langsamer als der Gepard, kann sich aber viel besser anschleichen als dieser oder als Löwen. "Leoparden brauchen gute Deckung und jagen vor allem nachts. Sie sind beweglich, gute Kletterer. Dafür haben sie kräftige Muskeln und einen gedrungenen Körperbau – was sie beim Laufen langsam macht. 40 bis 50 Stundenkilometer ist für ihre Verhältnisse gut. Sie müssen ihre Opfer aus nächster Nähe überraschen."

Großkatzen in der Serengeti

Warum führt eine solche Konkurrenz um dieselben Beutetiere, um Gazellen, Antilopen und Gnus, nicht dazu, dass sich einer der Räuber durchsetzt und zu einer Art "Superjäger" wird? Die Erklärung: Große Konkurrenz hat eben auch positive Aspekte. Durch die verschiedenen Jagdtechniken begünstigen sich die Jäger gegenseitig. "Die Beute kann sich nicht auf einen Jagdstil einstellen", sagt Radke. "Gegen einen Hetzjäger, dem man minutenlang entkommen muss, helfen eine gute Lunge und ein starkes Herz. Gegen einen Geparden lediglich starke Muskeln, die das Tempo durchhalten – wenn auch nur wenige
Sekunden. Eine Gazelle kann eben nicht gleichzeitig schnell und ausdauernd sein."

Auch Gabriel und Radke mussten in der Wildnis schon des Öfteren schnell reagieren. Radke hatte etwa Probleme in seinen Kameraverstecken. "Ein Löwe wollte mal den Schatten eines Baumes nutzen, unter dem ich mich verborgen hielt. Ich sagte ruhig zu ihm: ‚Bitte woanders hin.‘ Tiere müssen rechtzeitig wissen, wo du bist. Dann lassen sie dich auch zu 99,9 Prozent in Ruhe."

Gabriel, der die Hatari Lodge und das Shu’mata Camp in Tansania betreibt und dort Massai-Wächter einsetzt, ergänzt: "Die meisten Unfälle passieren übrigens mit Flusspferden – vor allem, wenn man zu Fuß unterwegs ist."

Schwer wie ein Flusspferd fühlt sich ein Safariteilnehmer am Ende einer Tagestour, die um sechs Uhr beginnt und gegen 16.30 Uhr endet. Unterwegs wird viel Wasser getrunken. Wer den Fahrer um einen kurzen Halt bittet, sollte Regel Nummer vier beachten: Nie hinter Salvadorbüsche gehen! Die heißen auch "Löwenbüsche" – weil sich dort Großkatzen verstecken.

Autor: Oliver Noelle